Pflegeheime werden immer teurer: Wie sich die Kosten zusammensetzen - und wo das Geld hingeht
Veröffentlicht am 24.07.2025
Mit den steigenden Kosten für die Pflege im Altenheim erhöht sich auch der Eigenanteil für die Bewohner:innen. Quelle: Canva.de
Die Pflege im Altenheim wird für Pflegebedürftige immer unerschwinglicher: Im letzten Jahr sind die Kosten rasant gestiegen. Mittlerweile wurden die Ausgaben nach aktuellen Angaben des Verbands der Ersatzkassen e. V. im Bundesdurchschnitt von 2.871 Euro auf 3.108 Euro monatlich angehoben. Das sind rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Der Eigenanteil kann zwar bezuschusst werden, allerdings können viele Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, die explodierenden Kosten kaum noch abfedern.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatte 2025 angekündigt, den starken Anstieg der Eigenanteile in Pflegeheimen zu bremsen. Die Diskussion über eine Begrenzung der Belastungen für Pflegebedürftige hält an. Konkrete Reformvorschläge für die Pflegeversicherung werden jedoch kontrovers diskutiert. Kritiker bemängeln, dass einige der bislang bekannten Pläne die finanzielle Belastung von Heimbewohner:innen sogar erhöhen könnten.
Was sind die Kosten für ein Pflegeheim?
Die Pflegeversicherung übernimmt nur einen Teil der finanziellen Belastungen. Pflegebedürftige müssen daher Kosten für Pflege und Betreuung im Rahmen des Eigenanteils zahlen. Zusätzlich müssen sie für Unterkunft, Verpflegung sowie Investitionen und Ausbildungskosten aufkommen.
Ein Blick auf die Kostenaufstellung zeigt: Die monatlichen Heimkosten setzen sich aus drei Hauptbestandteilen zusammen:
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Pflegebedingte Aufwendungen Diese umfassen die tatsächliche Pflege – also das, was Pflegekräfte täglich leisten. Die Pflegeversicherung übernimmt hier einen pauschalen Anteil, der je nach Pflegegrad gestaffelt ist. Der Rest muss privat getragen werden.
Kosten für Unterkunft und Verpflegung Diese sind nicht Teil der Pflegeversicherung. Bewohner:innen zahlen also vollständig für Miete, Essen, Strom und Reinigung im Heim.
Investitionskosten Hier geht es um Ausgaben des Heimbetreibers – etwa für Instandhaltung, Ausstattung oder Modernisierung des Gebäudes. Diese Kosten werden an die Bewohner:innen weitergegeben.
Bundesländer im Vergleich: Durchschnittlich rund 3.108 Euro pro Monat
Bundesweit liegen die Zuzahlungen durchschnittlich bei 3.108 Euro. Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim unterscheiden sich jedoch von Bundesland zu Bundesland. Die höchsten Zuzahlungen müssen Pflegebedürftige laut dem Verband der Ersatzkassen e. V. im ersten Jahr eines Heimaufenthalts in Bremen mit durchschnittlich 3.449 Euro pro Monat zahlen. Aber auch in Nordrhein-Westfalen sind die Preise mit 3.427 Euro besonders hoch. Am günstigsten ist ein Heimaufenthalt in Sachsen-Anhalt mit 2.595 Euro und Mecklenburg-Vorpommern mit 2.752 Euro.
So hoch sind die finanziellen Belastungen für pflegebedürftige Menschen in den teuersten Bundesländern:
Rang
Bundesland
Ohne Zuschüsse
Mit Zuschüssen
1
Bremen (HB)
3.752 €
3.449 €
2
Baden-Württemberg (BW)
3.725 €
3.400 €
3
Saarland (SL)
3.696 €
3.403 €
4
Nordrhein-Westfalen (NW)
3.694 €
3.427 €
5
Hamburg (HH)
3.459 €
3.179 €
Kostenübernahme: Pflegegrad entscheidend
Wie viel die Pflegeversicherung bei der Versorgung im Heim abdeckt, hängt vom Pflegegrad ab. Die insgesamt fünf Pflegegrade sind abhängig von der Schwere der Pflegebedürftigkeit. Je höher der Pflegegrad ist, desto höher fallen die Leistungen aus.
Pflegegrad
2025 (monatlich)
2024 (monatlich)
Änderung
Grad 1
131 €
125 €
+6 €
Grad 2
805 €
770 €
+35 €
Grad 3
1 319 €
1 262 €
+57 €
Grad 4
1 855 €
1 775 €
+80 €
Grad 5
2 096 €
2 005 €
+91 €
Tabelle: Aktuelle Leistungsbeträge der Pflegekasse für vollstationäre Pflege ab dem 1. Januar 2025 im Vergleich zu 2024, basierend auf § 43 Abs. 2, 3 SGB X nach Angaben des Familienratgebers.
Wie hoch ist der Eigenanteil an den Pflegekosten?
Der Eigenanteil im Pflegeheim beträgt bundesweit im Schnitt 3.108 Euro. Regional kann es aber große Unterschiede geben. Darin ist der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Bei dem selbst zu zahlenden Betrag kommt es auf die Aufenthaltsdauer an. Danach richten sich die Entlastungszuschläge, die Pflegebedürftige neben den Leistungen der Pflegekassen bekommen.
Pflegebedürftige erhalten neben den regulären Leistungen der Pflegekassen Entlastungszuschläge, welche den Eigenanteil mit der Zeit reduzieren sollen. Die Entlastungszuschläge richten sich nach der Dauer des Heimaufenthalts: Im ersten Jahr kommt es zu einer Entlastung von 15 Prozent, im zweiten Jahr um 30 Prozent, im dritten Jahr um 50 Prozent und ab dem vierten Jahr um 75 Prozent.
Personalmangel und steigende Löhne: Um Pflegekräfte zu halten und gesetzliche Vorgaben zur Bezahlung zu erfüllen, müssen Einrichtungen mehr Gehalt zahlen – zu Recht. Das treibt jedoch die Gesamtkosten nach oben.
Modernisierungsdruck: Viele Heime müssen renovieren, barrierefrei umbauen oder digital aufrüsten. Diese Investitionen werden in Form der Investitionskosten an die Bewohner:innen weitergereicht.
Inflation und steigende Betriebskosten: Höhere Energiepreise, Lebensmittelkosten und allgemeine Teuerung schlagen auch in Pflegeheimen zu Buche.
Warum sind die Kosten 2025 erneut angestiegen?
Der erneute Kostenanstieg ist laut dem Verband der Ersatzkassen vor allem auf höhere Ausgaben für Personal und Lebenshaltung zurückzuführen. Die bessere Entlohnung dringend benötigter Pflegekräfte ist ein entscheidender Faktor. So erhöhte sich der Eigenanteil im Pflegeheim nur für die reine Pflege im bundesweiten Schnitt auf 1.862 Euro, was einen Anstieg um 184 Euro gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind gestiegen: Diese liegen nun bei durchschnittlich 1.018 Euro pro Monat, also bei einem Plus von 63 Euro.
Fazit
Die Kosten für einen Pflegeheimplatz sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und stellen viele Pflegebedürftige sowie ihre Angehörigen vor große finanzielle Herausforderungen. Dabei entfällt ein erheblicher Teil der Ausgaben nicht nur auf die eigentliche Pflege, sondern auch auf Unterkunft, Verpflegung sowie Investitionskosten der Einrichtungen. Gleichzeitig führen steigende Personal-, Energie- und Betriebskosten dazu, dass die finanzielle Belastung weiter zunimmt.
Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit den möglichen Kosten auseinanderzusetzen und vorhandene Unterstützungsleistungen zu prüfen. Leistungen der Pflegeversicherung, Entlastungszuschläge und gegebenenfalls Sozialhilfe können die Eigenbeteiligung senken, ersetzen jedoch meist nicht die private Finanzierung vollständig. Wer rechtzeitig vorsorgt und sich umfassend informiert, kann finanzielle Risiken besser einschätzen und passende Entscheidungen für die eigene Pflegesituation treffen.
Häufige Fragen zu den Pflegeheim-Kosten
Wie verringert sich der Eigenanteil im Pflegeheim?
Der Eigenanteil im Pflegeheim kann auf mehreren Wegen verringert werden. Zentrale Entlastung bietet seit 2022 die Pflegeversicherung mit gestaffelten Leistungszuschlägen gemäß § 43c SGB XI: Wer bis zu 12 Monate im Heim lebt, erhält 15 % Zuschuss zum pflegebedingten Eigenanteil, ab dem zweiten Jahr 30 %, im dritten Jahr 50 % und ab dem vierten Jahr 75 %. Dieser Zuschuss betrifft allerdings nur die Pflegekosten, nicht aber Unterkunft, Verpflegung oder Investitionskosten.
Was kostet ein Platz im Altersheim pro Monat?
Die monatlichen Kosten für einen Platz im Alters- bzw. Pflegeheim liegen in Deutschland im Jahr 2025 durchschnittlich bei rund 3.500 bis 4.000 Euro. Davon muss ein großer Teil aus eigener Tasche gezahlt werden – der sogenannte Eigenanteil. Wie hoch die Kosten genau sind, hängt vom Pflegegrad, dem Bundesland und der Einrichtung ab.
Wer zahlt die Pflege, wenn die Rente nicht reicht?
Wenn Rente und Rücklagen nicht ausreichen, um die Pflege zu zahlen, muss laut der Verbraucherzentrale das eigene Vermögen für die Heimkosten eingesetzt werden. Haben Pflegebedürftige erwachsene Kinder, die ein Jahresbruttoeinkommen von mehr 100.000 Euro haben, müssen sie sich im Rahmen des Elternunterhalts an der Finanzierung für einen Heimplatz beteiligen. Ist dies nicht möglich, sollten sich Pflegebedürftige und Angehörige beim örtlichen Sozialamt, Pflegestützpunkten, Verbraucherzentralen oder der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen über Unterstützungsleistungen informieren.
Lohnt sich ein Kostenvergleich zwischen verschiedenen Pflegeheimen?
Ja. Die Eigenanteile unterscheiden sich je nach Bundesland, Träger und Einrichtung teilweise deutlich. Ein Vergleich kann helfen, passende Angebote zu finden und Kosten besser einzuschätzen.
Quellen
vdek; Die monatliche Eigenbeteiligung in der stationären Pflege steigt weiter – Politik muss endlich wirksam handeln; abgerufen am 24.07.2025 von https://www.vdek.com/presse/pressemitteilungen/2025/pflegeheim-monatliche-eigenbeteiligung-steigt-stationaere-pflege.html
vdek; Grafiken zur Entwicklung der Eigenanteile in der stationären Pflege; abgerufen am 24.07.2025 von https://www.vdek.com/content/dam/vdeksite/vdek/presse/pm/2025/20250722_Eigenananteile_Bund_Grafiken.pdf
Familienratgeber der Aktion Mensch; Leistungen der Pflegeversicherung – Übersicht und Informationen; abgerufen am 24.07.2025 von https://www.familienratgeber.de/rechte-leistungen/pflege/leistungen-der-pflegeversicherung
Statistisches Bundesamt (Destatis); Thema: Pflege – Daten und Fakten zur Pflege in Deutschland; abgerufen am 24.07.2025 von https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/Pflege/_inhalt.html
Verbraucherzentrale; Kosten im Pflegeheim – wofür Sie zahlen müssen und wofür die Pflegekasse; abgerufen am 24.07.2025 von https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-im-heim/kosten-im-pflegeheim-wofuer-sie-zahlen-muessen-und-wofuer-die-pflegekasse-13906