Pflegekräfte werden hierzulande dringend gesucht. Gleichzeitig lassen die Arbeitsbedingungen im Pflegebereich immer noch zu wünschen übrig. Viele Beschäftigte fordern zudem mehr Flexibilität und eine bessere Vergütung. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Pflegefachkräfte für andere Arbeitsmodelle wie die Zeitarbeit entscheiden. Während die einen das Modell als Chance für bessere Arbeitszeiten und ein höheres Gehalt sehen, kritisieren andere die Auswirkungen auf Pflegeteams und Einrichtungen. Doch was steckt hinter der Zeitarbeit in der Pflege? Wie hoch ist das Gehalt? Welche Vor- und Nachteile gibt es? Und für wen lohnt sich das Arbeitsmodell?
Was ist Zeitarbeit in der Pflege?
Bei der Zeitarbeit wirst du als Arbeitnehmer über eine Zeitarbeitsfirma zeitlich befristet an eine Arbeitsstelle vermittelt. Bei der Arbeitnehmerüberlassung oder Personalleasing, wie die Zeitarbeit auch genannt wird, bist du also nicht direkt bei einem Krankenhaus, Pflegeheim oder ambulanten Pflegedienst angestellt.
Die Zeitarbeitsfirma "verleiht" dich für einen bestimmten Zeitraum an verschiedene Einrichtungen, die kurzfristig Personal benötigen. Dein Gehalt erhältst du dabei von der Zeitarbeitsfirma, während du deinen Arbeitsalltag in der jeweiligen Einsatzstelle verbringst.
In arbeitsrechtlicher Hinsicht handelt es sich bei Zeitarbeit in der Pflege um eine Arbeitnehmerüberlassung, bei der der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer an ein Unternehmen verleiht. Das Vertragsverhältnis besteht zwischen dem Arbeitnehmer und dem Personaldienstleister. Das entleihende Unternehmen zahlt für die Verleihung eine Vergütung an den Dienstleister. Wie lange das Arbeitsverhältnis an einer Arbeitsstelle dauert, kann dabei variieren. Als Zeitarbeitskraft kannst du zeitlich befristet oder längerfristig für eine Pflegeeinrichtung tätig sein.
Wie funktioniert Zeitarbeit in der Pflege?
Der Ablauf ist vergleichsweise einfach:
- Bewerbung bei einer Zeitarbeitsfirma.
- Abschluss eines Arbeitsvertrags.
- Einsatz in einer oder mehreren Pflegeeinrichtungen.
- Rückkehr oder Wechsel in eine andere Einrichtung nach Ende des Einsatzes.
Je nach Unternehmen können Pflegekräfte Einfluss auf Arbeitszeiten, Einsatzorte oder Fahrstrecken nehmen.
Wie hoch ist das Gehalt in der Zeitarbeit?
Das Gehalt gehört zu den wichtigsten Gründen für einen Wechsel.
Viele Zeitarbeitsfirmen bieten:
Die tatsächliche Vergütung hängt unter anderem ab von:
- Qualifikation
- Bundesland
- Berufserfahrung
- Fachbereich
- Tarifvertrag
- Zeitarbeitsfirma
Vor- und Nachteile der Zeitarbeit in der Pflege
Die Zeitarbeit bietet dir abhängig von deinem Personaldienstleiter, deinem Arbeitsvertrag und den Einsatzbedingungen vor Ort sowohl Vor- als auch Nachteile.
Höheres Gehalt und zusätzliche Leistungen
Für viele Pflegekräfte ist das Gehalt einer der wichtigsten Gründe für den Wechsel in die Zeitarbeit. Personaldienstleister werben häufig mit einer überdurchschnittlichen Vergütung sowie zusätzlichen Leistungen wie Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschlägen, Fahrtkostenerstattungen oder Bonuszahlungen. Wie hoch das Einkommen tatsächlich ausfällt, hängt jedoch unter anderem von der Berufserfahrung, dem Einsatzbereich, dem Bundesland sowie tariflichen Regelungen ab.
Mehr Flexibilität bei der Dienstplanung
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels greifen viele Einrichtungen auf Zeitarbeitskräfte zurück, um personelle Engpässe zu überbrücken. Für Kliniken sowie für ambulante oder stationäre Pflegeeinrichtungen bietet das Zeitarbeitsmodell den Vorteil einem drohenden Personalmangel innerhalb kürzester Zeit entgegenzuwirken.
Das hat auch positive Auswirkungen auf die Mitarbeitenden: Viele Zeitarbeitsfirmen ermöglichen Pflegekräften, Wünsche bei Arbeitszeiten, Einsatzorten oder Urlaubsplanung zu äußern. Berufliche und private Verpflichtungen lassen sich dadurch teilweise besser miteinander vereinbaren. Besonders für Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen oder dem Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance kann dies ein entscheidender Vorteil sein.
Abwechslungsreicher Berufsalltag
Wer in der Zeitarbeit arbeitet, lernt unterschiedliche Einrichtungen, Teams und Versorgungsbereiche kennen. Dadurch sammeln Pflegekräfte vielfältige Erfahrungen und erweitern ihre fachlichen Kompetenzen. Gleichzeitig erhalten sie Einblicke in verschiedene Arbeitsweisen und Organisationsformen innerhalb der Pflege.
Berufliche Weiterentwicklung
Durch wechselnde Einsätze entwickeln viele Zeitarbeitskräfte eine hohe Anpassungsfähigkeit und lernen, sich schnell in neue Teams und Arbeitsabläufe einzuarbeiten. Viele Personaldienstleister bieten zudem interne Fort- und Weiterbildungen an, wodurch sich zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten ergeben können.
Zeitarbeit reagiert sensibel auf Krisen
Obwohl Zeitarbeit häufig diskutiert wird, macht sie nur einen kleinen Teil der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung in Deutschland aus. Laut Bundesagentur für Arbeit liegt ihr Anteil seit Jahren lediglich bei rund zwei Prozent aller Beschäftigten. Die Zeitarbeitsbranche reagiert zudem besonders sensibel auf Krisen. Die Zeitarbeit gilt daher als einen Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung. Geht die Nachfrage der Unternehmen zurück, werden häufig zunächst Zeitarbeitskräfte weniger eingesetzt, bevor Stammbelegschaften reduziert werden.
Häufig wechselnde Einsatzorte und Teams
Zeitarbeitskräfte arbeiten regelmäßig in unterschiedlichen Einrichtungen. Dadurch fällt es häufig schwerer, langfristige Beziehungen zu Kolleg:innen, Patient:innen oder Bewohner:innen aufzubauen. Auch die Identifikation mit einem festen Team kann geringer ausfallen als in einer klassischen Festanstellung.
Regelmäßige Einarbeitung
Jede Pflegeeinrichtung arbeitet mit eigenen Abläufen, Dokumentationssystemen und Organisationsstrukturen. Zeitarbeitskräfte müssen sich deshalb immer wieder in neue Teams und Prozesse einarbeiten. Das kann den Arbeitsalltag anspruchsvoller machen und ein hohes Maß an Flexibilität erfordern.
Unterschiedliche Arbeitsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen können sich je nach Einsatzbetrieb deutlich unterscheiden. Dienstpläne, technische Ausstattung oder pflegerische Konzepte variieren teilweise erheblich. Pflegekräfte müssen sich daher regelmäßig auf neue Rahmenbedingungen einstellen.
Kritik aus Pflegeeinrichtungen
Zeitarbeit wird im Gesundheitswesen teilweise kritisch diskutiert. Einige Einrichtungen befürchten, dass der verstärkte Einsatz von Leiharbeitskräften die Personalkosten erhöht und die langfristige Personalbindung erschwert. Gleichzeitig sehen viele Einrichtungen Zeitarbeit als notwendige Möglichkeit, kurzfristige Personalausfälle zu kompensieren und die Versorgung aufrechtzuerhalten. Die tatsächlichen Auswirkungen werden in Fachkreisen unterschiedlich bewertet.
Zeitarbeit: Für wen eignet sich das Modell?
Ob Zeitarbeit die richtige Wahl ist, hängt vor allem von den eigenen Erwartungen ab. Wer abwechslungsreiche Einsätze, flexible Arbeitszeiten und unterschiedliche Arbeitsumgebungen schätzt, kann von diesem Modell profitieren. Pflegekräfte, denen ein festes Team, langfristige Beziehungen zu Patient:innen oder eine dauerhafte Bindung an eine Einrichtung besonders wichtig sind, fühlen sich dagegen häufig in einer klassischen Festanstellung wohler.
Zeitarbeit passt besonders zu Pflegekräften,
- die flexibel arbeiten möchten,
- neue Einrichtungen kennenlernen wollen,
- ihre Arbeitszeiten mitgestalten möchten,
- oder gezielt ihr Einkommen verbessern möchten.
Wer dagegen langfristige Beziehungen zu Bewohner:innen oder festen Teams schätzt, fühlt sich häufig in einer klassischen Festanstellung wohler.
Rechenbeispiel: Vergleich eines Monatsgehalts in Festanstellung und Zeitarbeit
| Vergleich |
Festanstellung (Beispiel) |
Zeitarbeit (Beispiel) |
| Bruttomonatsgehalt |
3.800 € |
4.400 € |
| Nacht-, Sonn- und Feiertagszuschläge |
tarifabhängig |
häufig zusätzlich vereinbart |
| Fahrtkostenzuschuss |
selten |
häufig möglich |
| Dienstwagen |
eher selten |
teilweise Bestandteil des Vertrags |
| Fort- und Weiterbildungen |
arbeitgeberabhängig |
häufig vom Personaldienstleister angeboten |
| Einsatzorte |
feste Einrichtung |
wechselnde Einrichtungen |
| Arbeitszeiten |
nach Dienstplan der Einrichtung |
teilweise mit mehr Mitbestimmung |
Hinweis: Die Tabelle dient ausschließlich als Rechenbeispiel. Tatsächliche Gehälter und Zusatzleistungen unterscheiden sich je nach Qualifikation, Berufserfahrung, Bundesland, Tarifvertrag, Zeitarbeitsfirma und Einsatzbereich.
Fazit: Ist Zeitarbeit in der Pflege eine gute Wahl?
Zeitarbeit bietet Pflegekräften die Möglichkeit, flexibler zu arbeiten und je nach Arbeitgeber von einer höheren Vergütung oder zusätzlichen Leistungen zu profitieren. Gleichzeitig erfordert das Arbeitsmodell ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, da Einsatzorte und Teams regelmäßig wechseln können. Ob Zeitarbeit die richtige Wahl ist, hängt deshalb von den eigenen beruflichen Zielen und persönlichen Erwartungen ab.