Dekubitus vermeiden: 10 Tipps für eine effektive Pflegeplanung

Veröffentlicht am 27.06.2025

Es ist eine ältere Frau zu sehen, die von einer Pflegerin betreut wird.

Regelmäßige Lageveränderungen, Hautinspektionen und geeignete Pflegeprodukte können helfen einem Dekubitus vorzubeugen. Quelle: Canva.de

Ein Dekubitus entsteht oft schleichend und lässt sich dennoch in den meisten Fällen durch gezielte Maßnahmen verhindern. Besonders in Pflegeeinrichtungen und der häuslichen Pflege spielt die frühzeitige Einschätzung des Risikos sowie eine strukturierte Pflegeplanung eine zentrale Rolle. Pflegefachkräfte, Angehörige und medizinisches Personal können durch einfache, aber wirksame Maßnahmen dazu beitragen, Druckgeschwüre zu vermeiden und die Lebensqualität von Patient:innen zu erhalten.

10 Tipps für die Pflegeplanung

1. Risiko erkennen – Assessment nutzen

Die Grundlage jeder erfolgreichen Dekubitusprophylaxe ist die Einschätzung des individuellen Risikos. Hierbei helfen strukturierte Assessment-Instrumente wie die Braden-Skala, die Faktoren wie Mobilität, sensorische Wahrnehmung, Feuchtigkeit, Aktivität, Ernährung und Reibung berücksichtigt. Eine regelmäßige Risikoerfassung ermöglicht eine gezielte und ressourcenschonende Pflegeplanung.

2. Regelmäßige Lageveränderung

Dauerhafter Druck ist die Hauptursache für einen Dekubitus. Daher sollten Patient:innen – je nach Mobilität – alle zwei Stunden umgelagert werden. In der Praxis bewährt sich ein systematischer Lagerungsplan, beispielsweise in Form der 135°- oder 30°-Seitenlagerung, um gefährdete Hautareale zu entlasten.

3. Hautinspektion durchführen

Eine tägliche Hautkontrolle an gefährdeten Körperstellen, insbesondere über knöchernen Vorsprüngen hilft, erste Anzeichen wie Rötungen, Schwellungen oder Druckstellen frühzeitig zu erkennen. Dokumentation und Kommunikation im Pflegeteam sind hierbei sehr wichtig.

Anna Liebig

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4. Hautpflegeprodukte gezielt einsetzen

Eine intakte Hautbarriere schützt vor äußeren Einflüssen. Verwende pH-neutrale Reinigungsprodukte und vermeide austrocknende oder aggressive Seifen. Feuchtigkeitsspendende Cremes oder barriereschützende Salben (z. B. Zinkoxid) unterstützen die natürliche Hautfunktion, vor allem bei inkontinenten Patient:innen.

5. Auf Inkontinenzmanagement achten

Feuchtigkeit durch Urin oder Stuhl weicht die Haut auf und erhöht das Risiko für Hautschäden massiv. Ein durchdachtes Inkontinenzmanagement, einschließlich angepasster Hilfsmittel (Vorlagen, Katheter), Schutzkleidung und hygienischer Reinigung, ist essenziell.

6. Ernährung und Flüssigkeitszufuhr sichern

Eine ausreichende Eiweiß- und Flüssigkeitszufuhr ist wesentlich für die Haut- und Geweberegeneration. Mangelernährung zählt zu den häufigsten Risikofaktoren für Dekubitus. Ernährungsberatung und gegebenenfalls supplementäre Trinknahrung können präventiv unterstützen.

7. Bewegungsförderung aktiv gestalten

Auch bettlägerige Personen profitieren von regelmäßigen passiven oder aktiven Bewegungsangeboten. Mobilisation, sei es im Bett, Rollstuhl oder beim Transfer, aktiviert die Durchblutung und reduziert das Dekubitusrisiko. Eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Physiotherapie oder Ergotherapie ist hier sehr hilfreich.

8. Druckentlastende Hilfsmittel verwenden

Spezielle Wechseldruckmatratzen, Sitzkissen oder Lagerungshilfen verteilen den Druck gleichmäßiger auf der Haut. Die Auswahl des geeigneten Hilfsmittels sollte individuell erfolgen. Idealerweise nach einer Einschätzung durch Pflegefachpersonen oder den ärztlichen Dienst.

9. Schulungen und Angehörigenberatung

Nicht nur Fachpersonal, auch pflegende Angehörige benötigen fundierte Informationen über Lagerung, Hautpflege und Risikofaktoren. Schulungen, Beratungen und eine gute Anleitung durch das Pflegeteam fördern Sicherheit und Kompetenz im häuslichen Umfeld.

10. Pflegeplanung regelmäßig anpassen

Der Pflegeprozess ist dynamisch und das gilt auch für die Dekubitusprophylaxe. Veränderungen im Allgemeinzustand, Gewicht, Mobilität oder Medikation sollten Anlass für eine Anpassung der Pflegeplanung sein. Nur so bleiben Maßnahmen wirksam und zielgerichtet.

Risikobereiche am Körper

Druckgeschwüre treten besonders häufig an Körperstellen auf, an denen der Knochen direkt unter der Haut liegt. Dazu zählen:

  • Kreuzbein und Gesäß
  • Fersen und Knöchel
  • Schulterblätter und Ellenbogen
  • Hinterkopf (bei immobilen Personen im Bett)
  • Trochanter major (seitlicher Hüftbereich)

Ein besonderes Augenmerk auf diese Regionen kann helfen, frühe Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.

Fallbeispiel: Frau H., 83 Jahre, Pflegeheim

Frau H. ist 83 Jahre alt, leicht dement, inkontinent und seit einem Oberschenkelhalsbruch stark immobil. Bei einer Routineinspektion wurde eine nicht wegdrückbare Rötung am Kreuzbein festgestellt (Stadium I). Dank konsequenter Umlagerung im 2-Stunden-Rhythmus, Einsatz einer Wechseldruckmatratze, Ernährungsanpassung und gezielter Hautpflege heilte die Stelle vollständig ab. Der Fall zeigt, wie wichtig Früherkennung und interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Dekubitusprophylaxe sind.

Fazit: Prävention zahlt sich aus

Dekubitusprophylaxe ist eine interprofessionelle Aufgabe, die mit der richtigen Einschätzung, guter Organisation und gezieltem Wissen effektiv gelingen kann. Mit diesen zehn Maßnahmen lässt sich das Risiko für Druckgeschwüre deutlich senken, ob im Pflegeheim, Krankenhaus oder zu Hause. Entscheidend ist das frühzeitige Erkennen und die kontinuierliche Umsetzung präventiver Schritte im Pflegealltag.

Medizinische und rechtliche Hinweise

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Netter, F. H. (2018). Atlas der Anatomie des Menschen (7. Aufl.). Elsevier.
  2. DRACO. (2024). Dekubitus-Assessment und Pflegeplanung. Abgerufen 11.06.2025 von https://www.draco.de/dekubitus-assessment
  3. Pflege.de. (2024). Druckgeschwüre erkennen und vorbeugen. Abgerufen 11.06.2025 von https://www.pflege.de

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