Diabetes Mellitus: Ursachen, Symptome und Therapie
Veröffentlicht am 09.07.2025

Unbehandelt kann Diabetes Mellitus zu schwerwiegenden Schäden an Organen wie Herz, Nieren und Nerven führen. Quelle: Canva.de

Anna Liebig
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Diabetes mellitus, auch „Diabetes“ oder Zuckerkrankheit genannt, - ist eine Erkrankung, bei der der Blutzucker, wenn unbehandelt, dauerhaft zu hoch ist. Etwa 8,5 Millionen Menschen in Deutschland sind nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) davon betroffen, viele, ohne es zunächst zu wissen. Die Krankheit entsteht, wenn der Körper das Hormon Insulin nicht mehr richtig produziert oder nutzt. Insulin ist jedoch wichtig, damit der Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und dort als Energie genutzt werden kann. Bleibt ein zu hoher Blutzucker unbehandelt, kann dies langfristig zu ernsten Schäden an Organen wie Herz, Nieren, Augen oder Nerven führen.
Was ist Diabetes mellitus? Welche Arten gibt es? Welche Folgen kann so eine Erkrankung haben?
Was ist Diabetes mellitus?
Diabetes mellitus ist ein Sammelbegriff für verschiedene Stoffwechselerkrankungen. Allen gemeinsam ist ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, der entweder durch einen Insulinmangel oder eine verminderte Insulinwirkung entsteht.
Klassifikation
| Einteilung | Ursache | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Typ-1-Diabetes | Autoimmunerkrankung | 5 % |
| Typ-2-Diabetes | genetische Veranlagung, Adipositas, Bewegungsmangel, fettreiche Ernährung & Rauchen | 90 - 95 % |
| Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) | herabgesetzte Empfindlichkeit der Insulinrezeptoren | 3 % aller Schwangeren |
| Andere Diabetesformen | z.B. Medikamentennebenwirkungen, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse |

Typ-1-Diabetes
Ungefähr 5 Prozent aller Diabetiker leiden an Typ-1-Diabetes. Bei dieser Form der Erkrankung führt eine genetische Veranlagung zu einem Autoimmunprozess, bei dem das Immunsystem die insulinproduzierenden B-Zellen in der Bauchspeicheldrüse angreift und zerstört. Infolgedessen entsteht ein absoluter Insulinmangel. Typ-1-Diabetes tritt meist zwischen dem 15. und 19. Lebensjahr auf. Die Krankheitszeichen treten häufig akut auf und die Diagnose erfolgt bereits nach Tagen bis Wochen:
- starker Durst
- sehr häufiges Wasserlassen
- plötzlicher, starker Gewichtsverlust
- ausgeprägte Müdigkeit und Schwäche
- Übelkeit und Bauchschmerzen
- süßlicher oder „fruchtiger“ Mundgeruch
- verschwommenes Sehen
- häufige Infektionen (z. B. Pilzinfektionen)
- trockene Haut, Juckreiz
Typ-2-Diabetes
Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend und bleibt bei vielen Betroffenen lange Zeit ohne auffällige Symptome, weshalb er oft zufällig bei Routineuntersuchungen entdeckt wird. Meist tritt die Erkrankung erst ab dem 40. Lebensjahr auf, weshalb sie auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet wird.
Bei Typ-2-Diabetes reagieren die Körperzellen zunehmend weniger auf das Hormon Insulin, gleichzeitig sind die insulinproduzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse in ihrer Funktion eingeschränkt. Diese Einschränkung entsteht durch eine jahrelange Überproduktion von Insulin, die schließlich zur Erschöpfung der Zellen führt.
Zu den Hauptursachen zählen eine genetische Veranlagung, eine fettreiche Ernährung, Übergewicht und Bewegungsmangel. Die Symptome sind oft eher unspezifisch:
- leicht erhöhter Durst
- häufiges Wasserlassen
- erhöhte Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten
- langsame Wundheilung
- Juckreiz, vor allem im Genitalbereich
- häufige Infektionen (z. B. Harnwegsinfekte, Zahnfleischentzündungen)
- Sehstörungen
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Händen und Füßen (bei Nervenschädigungen)
Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)
Der Schwangerschaftsdiabetes tritt erstmals während der Schwangerschaft auf. Durch die vermehrte Ausschüttung von Steroidhormonen im Körper wird die Insulinwirkung gehemmt, wodurch die Blutzuckerwerte deutlich ansteigen können. Nach der Geburt verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes in der Regel wieder. Dennoch ist das Risiko, später an Diabetes zu erkranken, deutlich erhöht.
Wichtig: Schwangerschaftsdiabetes wird oft erst durch Routineuntersuchungen im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge entdeckt, da viele Frauen keine oder nur sehr milde Beschwerden haben. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen besonders wichtig, um Risiken für Mutter und Kind frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Andere Diabetesformen
Weitere Formen, die weder dem Typ-1- noch dem Typ-2-Diabetes zugeordnet werden können, werden als Typ-3-Diabetes bezeichnet. Diese Diabetes-Formen entstehen beispielsweise durch verschiedene genetische Defekte, Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente.
Akute Stoffwechselentgleisungen
Bei allen Formen von Diabetes kann es zu akuten und lebensbedrohlichen Notfällen kommen. Dabei unterscheidet man zwischen Unterzuckerung (Hypoglykämie) und Überzuckerung (Hyperglykämie).
Hyperglykämische Stoffwechselentgleisungen
Ursachen für Überzuckerungen mit Blutzuckerwerten bis zu 700 mg/dl sind meist ein Insulinmangel oder schwere Fehler bei der Ernährung. Ein Insulinmangel kann zum Beispiel durch Infektionskrankheiten oder Operationen ausgelöst werden.
- Ketoazidotisches Koma:
Beim Typ-1-Diabetes kann eine starke Hyperglykämie zum ketoazidotischen Koma führen. Der absolute Insulinmangel verursacht eine Ketoazidose – eine Übersäuerung des Körpers, die lebensbedrohlich sein und in ein Koma führen kann. Typische Anzeichen sind ein süßlich-fruchtiger Geruch der Atemluft (Azetongeruch), Schocksymptome und Bewusstseinsverlust. - Hyperosmolares Koma:
Das hyperosmolare Koma tritt häufig bei Typ-2-Diabetes auf. Durch die extreme Überzuckerung verliert der Körper stark an Wasser, was zu einer schweren Austrocknung (Dehydrierung) führt. Typische Symptome sind Bewusstseinstrübungen, Krampfanfälle und Nackensteifigkeit.
Hypoglykämische Stoffwechselentgleisungen
Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit Blutzuckerwerten unter 40 mg/dl kann vor allem bei medikamentöser Behandlung des Diabetes auftreten. Auslöser sind häufig eine Überdosierung von Insulin, erhöhte körperliche Aktivität oder Alkoholkonsum.
Die Symptome beginnen meist mit Heißhunger und Unruhe, gefolgt von Kaltschweißigkeit und können bis zu Bewusstseinseintrübungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen.
Patienten, die bei Bewusstsein sind, sollten sofort Traubenzucker oder Fruchtsäfte zu sich nehmen. Bei bewusstlosen Patienten erfolgt die Behandlung durch eine intravenöse Gabe von Glukose, bis sie wieder ansprechbar sind.
Komplikationen des Diabetes mellitus
Bei langjährig bestehendem Diabetes können sich typische Komplikationen entwickeln – besonders, wenn die Krankheit über einen längeren Zeitraum schlecht eingestellt war. Vor allem das Nerven- und Blutsystem sind häufig betroffen:
- Nieren (Diabetische Nephropathie):
Durch Diabetes kann das Nierengewebe geschädigt werden, was zu einer chronischen Nierenerkrankung mit stark eingeschränkter Nierenfunktion führen kann. - Augen (Diabetische Retinopathie):
Dabei werden die kleinen Blutgefäße in der Netzhaut beschädigt, was zu Einblutungen oder sogar einer Netzhautablösung führen kann. - Fuß (Diabetisches Fußsyndrom):
Diese häufige Komplikation zeigt sich durch schlecht heilende Wunden, die zum Absterben von Gewebe (Nekrosen) führen können. Gleichzeitig sind die Sensibilität und das Schmerzempfinden in den Füßen vermindert, wodurch Verletzungen oft unbemerkt bleiben. - Magen (Diabetische Gastroparese):
Die Bewegung des Magens ist verlangsamt, was die Entleerung verzögert und häufig Übelkeit sowie Erbrechen verursacht. - Gelenke (Diabetische neuropathische Osteoarthropathie):
Durch den Diabetes kann es langfristig zu einer Zerstörung von Knochen und Gelenken kommen, was die Beweglichkeit einschränkt, und Schmerzen verursacht.
Die wichtigsten Fragen zu Diabetes mellitus
Wie wird Diabetes diagnostiziert?
Diabetes wird durch Bluttests diagnostiziert, die den Zuckergehalt im Blut messen. Die wichtigsten Verfahren sind:
- Nüchternblutzucker: ab 126 mg/dl gilt als Diabetes
- Glukosetoleranztest (oGTT): nach 2 Stunden über 200 mg/dl bestätigt Diabetes
- HbA1c-Wert: ab 6,5 % spricht für Diabetes
- Gelegenheitsmessung: bei Symptomen ist ein Wert über 200mg/dl aussagekräftig
Oft wird zur Sicherung die Messung an einem zweiten Tag wiederholt.
Darf ich als Diabetiker jede Sportart betreiben?
Ja, aber mit Vorbereitung. Sport ist für Diabetiker sehr empfehlenswert. Fast alle Sportarten sind möglich, solange auf folgende Punkte geachtet wird:
- Blutzucker regelmäßig kontrollieren
- Unterzuckerungen vermeiden (z. B. Snacks dabeihaben)
- ggf. Insulin oder Medikamente anpassen
- Extremsportarten nur nach Rücksprache mit dem Arzt!
Sollten Diabetiker weniger Zucker oder Kohlenhydrate essen?
Nein, aber sie sollten bewusster damit umgehen. Nicht die komplette Vermeidung, sondern die Qualität und Menge der Kohlenhydrate ist entscheidend:
- Komplexe Kohlenhydrate wie Vollkorn, Gemüse und Hülsenfrüchte bevorzugen
- Einfachzucker und stark verarbeitete Produkte vermeiden
- Portionsgrößen im Blick behalten
- Zucker gezielt einsetzen, z. B. bei körperlicher Belastung
Wie kann ich Diabetes vorbeugen?
Ein gesunder Lebensstil senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes deutlich:
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse und wenig Zucker
- Regelmäßige Bewegung (mind. 150 Minuten pro Woche)
- Übergewicht abbauen, besonders Bauchfett
- Rauchen vermeiden
- Gesundheits-Check-ups wahrnehmen – besonders bei familiärer Vorbelastung
Fazit: Diabetes verstehen und frühzeitig handeln
Diabetes mellitus ist eine ernstzunehmende, aber gut behandelbare Erkrankung. Wer rechtzeitig die Anzeichen erkennt und medizinisch begleitet wird, kann ein weitgehend normales und aktives Leben führen. Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und, – falls nötig, – Medikamente oder Insulin helfen dabei, den Blutzucker in den Griff zu bekommen und Folgeerkrankungen zu vermeiden. Wichtig ist, sich mit der Krankheit auseinanderzusetzen und gut informiert zu sein. Denn je mehr man über Diabetes weiß, desto besser kann man damit umgehen und die eigene Lebensqualität erhalten.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen:
- Lüscher TF, Landmesser U. Herz-Kreislauf. 3. Aufl. Berlin: Springer; 2024.
- Steffers G, Credner S. Allgemeine Krankheitslehre und Innere Medizin für Physiotherapeuten. 4. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2020.
- Techniker Krankenkasse. Diabetes mellitus in Zahlen [Internet]. Hamburg: TK; 2023, abgerufen am 2. Juli 2025, Verfügbar unter: https://www.tk.de/techniker/krankheit-und-behandlungen/erkrankungen/behandlungen-und-medizin/diabetes/diabetes-mellitus-in-zahlen-2013492











