Herzrhythmusstörungen: Ursachen, Bedeutung, Behandlung

Veröffentlicht am 10.03.2026

Ein Stethoskop liegt neben einem drapiertem Herz.

Herzrhythmusstörungen können ernstzunehmende Konsequenzen haben. Quelle: Canva

Du kennst das aus deiner Schicht: Patient:innen mit unregelmäßigem Puls, Herzstolpern oder plötzlichem Schwächegefühl, die dich besorgt fragen, ob das gefährlich ist. In diesem Artikel erfährst du, welche Ursachen hinter Herzrhythmusstörungen stecken, wie du sie schnell erkennst, präzise dokumentierst und die ersten Maßnahmen einleitest, inklusive Hinweise auf zugrunde liegende Herzklappenfehler. Nach diesem Artikel kannst du sicher die Ursachen und darauffolgenden Schritte in der Pflege kategorisieren.

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Wer gibt im Herzen den Takt an?

Beim gesunden Herzen übernimmt der Sinusknoten im rechten Vorhof die Funktion des natürlichen Taktgebers: Er erzeugt regelmäßige elektrische Impulse (60–100 pro Minute), die über die Vorhöfe laufen und die Vorhofkontraktion auslösen.

Der Impuls erreicht dann den AV-Knoten (atrioventrikulärer Knoten) zwischen Vorhof und Kammer, der ihn gezielt verzögert (ca. 0,1 Sekunden) – dadurch füllen sich die Kammern optimal mit Blut, bevor sie sich zusammenziehen. Über das His-Bündel und Purkinje-Fasern wird der Impuls dann synchron in die Herzkammern verteilt, was den effektiven Sinusrhythmus ermöglicht.

Aufbau der Herzens im Querschnitt: Quelle - Pflegia

Was sind Herzrhythmusstörungen?

Herzrhythmusstörungen (Arrythmien) reichen von harmlosen Extrasystolen bis zu lebensbedrohlichen Kammertachykardien. Als Pflegekraft bist du oft an erster Stelle, um sie zu bemerken, demnach sind deine Vitalzeichenmessung und Beobachtungen entscheidend. Arrhythmien entstehen, wenn das normale System gestört ist: Der Sinusknoten feuert zu schnell/langsam Sinustachykardie/Bradykardie (Tachy = Schnell / Brady = langsam), Impulse blockieren im AV-Knoten (AV-Block) oder entstehen ektopisch - anderer Ursprung des Impulses als Sinus/AV Knoten (z.B. Vorhofflimmern, Extrasystolen).

Anna Liebig

Pflegia Karriereberaterin

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Häufige Formen sind Vorhofflimmern (auf dem EKG chaotische f-Wellen, unregelmäßiger Puls), Kammertachykardie (breite QRS-Komplexe, lebensbedrohlich) und Extrasystolen (harmlose Aussetzer). Besonders tückisch sind paroxysmale Formen, die plötzlich auftreten und schnell vergehen – deine präzise Pulsdokumentation ist hier entschscheidener als das EKG allein. Normwerte für deine Schichtkontrolle:

ParameterNormalwert ErwachseneAlarmbereich (sofort melden)
Puls Ruhe60–100/min<50 oder >120/min
RegelmäßigkeitRegelmäßigUnregelmäßig, Aussetzer
Blutdruck120/80 mmHg<90/60 oder >180 syst.
Unregelmäßigen Puls gefühlt?
Dokumentiere Rate, Rhythmus und mögliche Auslöser - und verständige das ärztliche Personal. Deine erste Einschätzung kann Leben retten!

Ursachen von Herzrhythmusstörungen

Herzrhythmusstörungen haben vielfältige Ursachen, die bei der Anamnese systematisch abgeklärt werden sollten, von reversiblen Triggern bis zu schweren Herzkrankheiten. Oft stecken Elektrolytstörungen, Medikamenten-Überdosis oder Stress dahinter, auch kardiale Probleme wie Klappenfehler sind häufige Auslöser. Deine Aufgabe: Auslöser notieren und reversible Trigger vermeiden:

  • Reversibel: Stress, Medikamente, Koffein, Alkohol, Dehydration, Elektrolytstörungen (Kalium↓, Magnesium↓)
  • Kardial: KHK (Koronare Herzkrankheit), Infarkt, Herzklappenfehler (Mitral-/Aorteninsuffizienz), Kardiomyopathie
  • Andere: Hypertonie, Schilddrüsenüberfunktion, Medikamente
UrsacheTypische SymptomeDein Check / Empfehlung
ElektrolyteKrämpfe, Schwäche (Kaliummangel oder -überschuss kann schwere Arrhythmien verursachen)Labor anfordern, Infusion nach ärztlicher Empfehlung vorbereiten
KlappenfehlerVorhofflimmern, Kammertachycardien und andere HerzerkrankungenEcho empfehlen (Artikel 2)
StressHerzrasen, Palpitationen (Gefühl von Extraschlägen oder Stolpern des Herzens)Ruhe fördern, O₂ bei SaO₂ <94 %

Häufige Arrhythmien – dein Schichtwissen

Diese Toggles sind deine Schicht-Checklisten, bei jedem unklaren Puls einfach Toggle 1-7 durchgehen und handeln!

Vorhofflimmern (AF)

Der Vorhof zittert chaotisch, statt zu pumpen, und sendet elektrische Impulse von 350-600/Minute, Weiterleitung an die Ventrikel und damit einhergehende Pumpfunktion des Herzens sind jedoch ca. 150BPM - Puls fühlt sich unregelmäßig an. Sehr häufig bei Älteren, erhöht stark das Schlaganfallrisiko durch Blutgerinnsel. Check: Blutverdünner prüfen, Arzt oder Ärztin informieren.

Extrasystolen (ES)

Ein Herzschlag kommt zu früh, dann macht das Herz eine Pause – Patient:in spürt "Aussetzer", „Stolpern“. Meist harmlos, solange nicht zu viele pro Stunde/Tag entstehen. 
Check: Extrasystolen beobachten und Häufigkeit zählen, bei gehäuftem Auftreten (z.B >20 % in 24h) ärztliche Information veranlassen und auf Anforderung Blutabnahme für Kalium/Magnesium vorbereiten.

Supraventrikuläre Tachykardie (SVT)

Herz rast plötzlich sehr schnell (>150/min), Impulse oft kommend aus Vorhof oder AV-Knoten. Häufig bei jungen Menschen oder Stress, stoppt oft selbst oder durch Husten (Vagusmanöver). Check: Patient husten lassen, bei Persistenz Arzt:in rufen, Adenosin (Notfallmedikation) vorbereiten.

AV-Block I.–III. Grad

Impulse vom Vorhof kommen nicht richtig in die Kammer – Puls wird langsamer. Bei Grad III (vollständig) droht Ohnmacht oder Kollaps durch zu langsamen Herzschlag. Check: Puls <50 + Schwindel = Notfall, Schrittmacher nötig.

Kammertachykardie (VT)

Kammern schlagen viel zu schnell und unkoordiniert – sehr gefährlich, oft nach Herzinfarkt. Die Kammertachykardie kann in Kammerflimmern übergehen (Herzstillstand). Check: Sofort Notruf, Defi bereithalten.

Sinusknoten-Syndrom

Der natürliche Herzschrittmacher (Sinusknoten) versagt und in Folge schlägt das Herz zu langsam. Häufig bei älteren Patient:innen oder durch Medikamente wie Betablocker. Check: Puls < 50 dokumentieren, Atropin auf ärztliche Anforderung hin vorbereiten, Kardiolog:innen informieren.

Plötzlicher Herzstillstand

Das Herz steht plötzlich komplett still, keine pumpende Funktion mehr, Patient:in wird bewusstlos und atmet nicht mehr. Häufigste Ursache: Kammerflimmern (VF) oder Asystolie nach Infarkt/Klappenversagen. Check: Sofort 10 Sekunden Atem Prüfen, ABC und unverzüglich Brustkorbkompressionen (100–120/min) starten, Defibrillator anlegen, 30:2 beatmen, lass Kolleg:innen sofort den Notruf absetzen oder das Notfallteam informieren– jede Sekunde zählt!

Symptome und deine Beobachtung

Symptome von Herzrhythmusstörungen variieren von subjektivem „Herzstolpern“ bis zu schweren Kreislaufkollapsen, die du als Pflegekraft früh erkennen musst. Deine präzise Dokumentation (Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung) hilft Kardiolog:innen bei der Diagnose. Besonders bei unklaren Fällen immer ABCDE-Approach (siehe unten) anwenden.

  • Herzstolpern, Aussetzer, „Rasen“
  • Schwindel, Synkope, Kurzatmigkeit
  • Brustschmerz, Übelkeit, Angstgefühl

Was ist der ABCDE-Notfallcheck für deine Schicht?

A- Airway: Ist der Atemweg frei? (Fremdkörper, Erbrechen etc.)

B- Breathing: Atmung (Atemfrequenz, SpO2, Thoraxbewegungen, Auskultation)

C- Circulation: Kreislauf – Puls, Blutdruck, Kapillarfüllung, Hautfarbe, Blutung

D- Disability: Neurologischer Status – Bewusstsein (GCS), Pupillen, Blutzucker

E- Exposure/Environment: Temperatur, Gesamtkörperinspektion

Behandlung: Deine Rolle im Team

Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen erfolgt schrittweise – von konservativen Maßnahmen bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen und großen Herzoperationen. Als Pflegekraft unterstützt du aktiv mit präziser Vitalzeichenüberwachung, Medikamentenvorbereitung und der Beobachtung von Therapieerfolgen oder Nebenwirkungen. Bei stabilen Patient:innen beginnt man mit der Ursachenbehandlung (z.B. Elektrolytkorrektur), während bei akuten, instabilen Formen Sofortmaßnahmen wie elektrische Kardioversion oder Notfallmedikation notwendig sind.
Empfehlung der Überwachung für Patient:innen:

  1. 12-Kanal-EKG Dokumentation – wird bei unregelmäßigem Puls durchgeführt.
  2. Vitalzeichen werden stündlich kontrolliert (Puls, Blutdruck, SaO2, Temperatur) und Trends notiert
  3. CHA2DS2-VASc-Score wird bei Vorhofflimmern für Antikoagulationsentscheidung (Blutverdünnung) berechnet (Ärzt:in)
  4. Laborwerte initiieren: häufig fordern Ärzt:innen Kalium, Magnesium, TSH und Kreatinin an, um Elektrolytstörungen als Auslöser auszuschließen.

Akutmanagement:

  • Stabiler Patient: O2 bei SaO2 <94%, Lagerung, Beruhigung
  • Instabiler Patient (Hypotonie, Synkope, Schmerzen): Notfallteam rufen, ABCDE-Algorithmus starten
  • Medikamente: Betablocker (z.B. Metoprolol i.v.), Antiarrhythmika (Amiodaron), Antikoagulation (Heparin-Brücke zu NOAK)

Langfristige Therapie:

  • Katheterablation bei paroxysmalem Vorhofflimmern oder ektopischen Foci
  • Herzschrittmacher bei Sinusknoten-Syndrom oder AV-Block schweren Grades
  • ICD (implantierbarer Defibrillator) bei Kammertachykardie-Risiko
Nachsorge-Tipps für dich:
Beobachte die Blutdrucksenkung unter Betablockern (Ziel >100 systolisch), prüfe INR bei Marcumar (Ziel 2–3) und dokumentiere Rhythmusverbesserungen. Die Schulung der Patient:innen zur Medikamenteneinnahme und Warnsymptomen (Schwindel, Synkope) rundet deine Rolle ab, du bist die Brücke zwischen Akuttherapie und stationärer Langzeitversorgung.

Fazit:

Als Pflegefachkraft bemerkst du Herzrhythmusstörungen manchmal als erstes – sei es durch unregelmäßigen Puls, plötzliches Schwächegefühl oder Patientenklagen über „Herzstolpern". Deine Fähigkeit, Vitalzeichen präzise zu messen und Symptome systematisch zu dokumentieren, hilft Patient:innen.

Nutze die Tabellen und Checklisten aus diesem Artikel im Schichtalltag: Der ABCDE-Approach rettet in Notfällen Leben, die Pulsdokumentation führt zur Diagnose, und deine Empfehlungen (EKG, Labor, Echo) optimieren den Therapiefluss.

Dein Takeaway: Herzrhythmusstörungen sind häufig, aber deine strukturierte Beobachtung macht den Unterschied. Bleib wachsam, dokumentiere akribisch und handle zielgerichtet – so schützt du nicht nur deine Patient:innen, sondern stärkst auch deine Rolle als unverzichtbare Expert:in im Herzteam.

Häufige Fragen zu Herzrhythmusstörungen

Wann den Notruf absetzen bei Rhythmusstörung?

Bei Synkope, Blutdruck <90 mmHg oder Kammertachykardie sofort ABCDE prüfen und Notruf wählen. Deine Vitalzeichenmessung (Puls, SaO2, Druck) ist der erste Schritt – lege Patient:innen flach hin und starte das Monitoring. Dokumentiere Auslöser und Zeitpunkt genau für die Übergabe.

Gibt es Risiken bei Vorhofflimmern?

Vorhofflimmern erhöht das Risiko für einen Schlaganfall, weil sich im Herzen Blutgerinnsel bilden können. Wie hoch dieses Risiko ist, beurteilt die Ärztin oder der Arzt. Aufgabe der Pflegefachkraft ist es, die verordnete Antikoagulation fachgerecht umzusetzen, Patient:innen zu beobachten und auf mögliche Nebenwirkungen – insbesondere Blutungszeichen – zu achten. Bei Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten wird der INR-Wert regelmäßig kontrolliert (Zielbereich meist 2,0–3,0). Auffälligkeiten oder Komplikationen werden umgehend ärztlich rückgemeldet.

Wie dokumentiere ich Rhythmusstörungen?

Notiere Pulsrate, Regelmäßigkeit, Dauer, Auslöser und Begleitsymptome (z.B. „unregelmäßig 110/min, Dyspnoe nach Treppen“). Fühle bilateral (Radialarterie) und messe Blutdruck/SaO2.

Welche Sofortmaßnahmen bei Tachykardie?

Bei stabiler Tachykardie (>120/min) Patient:in beruhigen, lagern und O2 bei SaO2 <94% geben. Vitalzeichen stündlich kontrollieren und Ärzt:in informieren. Bei Hypotonie oder Synkope Notfallteam rufen.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Deutsche Herzstiftung – „Herzrhythmusstörungen: Ursachen sind vielfältig, Abgerufen am 12.02.2026: https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/herzrhythmusstoerungen/ursachen​
  2. Toronto Notes 2023: C19 (Cardiac Arrhythmias)
  3. DZHK – „Herzrhythmusstörungen“, Abgerufen am 12.02.2026.https://dzhk.de/erkrankungen/ueberblick/herzrhythmusstoerungen​

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