Morbus Crohn: Ursachen, Symptome, Behandlung
Veröffentlicht am 17.07.2025

Bei Morbus Crohn greift das Immunsystem die Darmwand an. Quelle: Canva.de
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die sich durch Bauchschmerzen, Durchfall und Entzündungen des Magen-Darm-Traktes äußert. Die Erkrankung gehört zusammen mit Colitis ulcerosa zu den beiden häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen. In diesem Artikel bekommst du einen verständlichen Überblick: Was ist Morbus Crohn? Wie erkennst du die Symptome? Welche Behandlungen gibt es? Und was solltest du als Pflegekraft wissen, um Betroffene gut zu unterstützen?
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Was ist Morbus Crohn?
Bei Morbus Crohn greift das Immunsystem die Darmwand an. Anders als bei der Colitis ulcerosa, die nur den Dickdarm betrifft, kann Morbus Crohn den gesamten Verdauungstrakt befallen, vom Mund bis zum After. Am häufigsten entzündet sich jedoch das terminale Ileum (letzter Teil des Dünndarms) und der erste Teil des Dickdarms.
Die Krankheit verläuft schubweise. Betroffene wechseln zwischen beschwerdefreien Phasen und akuten Entzündungsschüben.
Ursachen und Risikofaktoren
Morbus Crohn ist ein komplexes Krankheitsbild, dessen Ursachen bislang unklar sind. Forschende vermuten ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, einem fehlgesteuerten Immunsystem und Umweltfaktoren.

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Wichtige Risikofaktoren:
- Vererbung: Wenn Familienmitglieder betroffen sind, steigt das Risiko
- Fehlregulation der Immunabwehr
- Rauchen erhöht das Risiko für schwere Verläufe
- Dauerstress kann Schübe begünstigen
Eine kanadische prospektive Studie mit 152 Patient:innen ergab, dass Rauchen die Rückfallrate in eine aktive Phase bei Morbus Crohn sogar verdoppeln kann.
Typische Symptome bei Morbus Crohn
Die Beschwerden hängen davon ab, welche Darmabschnitte betroffen sind. Typisch ist ein schleichender Beginn. Unterschieden wird zwischen Intestinalen und Extraintestionalen (außerhalb des Darms) Symptomen bei chronischer Entzündung.
Häufige Anzeichen (Intestinal):
- Wiederkehrender Durchfall (meist nicht blutig)
- Krampfartige Bauchschmerzen, oft im rechten Unterbauch
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Appetitlosigkeit und Müdigkeit
- Fieber in Entzündungsschüben
- Fisteln oder Abszesse (vor allem im Afterbereich)
Anzeichen außerhalb des Darms (Extraintestinal):
- Gelenkschmerzen (Arthritis)
- Hautentzündungen (z. B. Erythema nodosum)
- Augenentzündungen (Uveitis)

Schübe und stille Phasen - Verlauf
Morbus Crohn verläuft in Schüben. In einer aktiven Phase ist die Entzündung stark, die Symptome ausgeprägt. Dann folgen Phasen, in denen Patient:innen wenig oder keine Beschwerden haben.
Im Lauf der Jahre können Betroffene verschiedene Komplikationen entwickeln:
- Narben und Verengungen im Darm (Stenosen)
- Abszesse oder Fisteln (Verbindungsgänge zu anderen Organen)
- Mangelernährung, da der Darm Nährstoffe schlechter aufnimmt
- Krebs (durch chronische Entzündung)
Formen des Morbus Crohn:
| Form | Typische Lokalisation | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Ileumtyp | Terminales Ileum | ca. 40 % |
| Kolontyp | Nur Dickdarm betroffen | ca. 25 % |
| Ileokolischer Typ | Dünn- und Dickdarm | ca. 30 % |
| Oberer Verdauungstrakt | Zum Beispiel Magen, Speiseröhre | ca. 5 % |
| Perianaler Typ | Fisteln am After | häufig zusätzlich (etwa 30 %) |
Wie wird Morbus Crohn festgestellt?
Die Diagnose stellt immer eine Ärztin oder ein Arzt. Meist in Form einer Ausschlussdiagnose. Zuerst werden alle anderen nachweisbaren Darmkrankheiten ausgeschlossen (Blutbild, Zöliakie, Laktoseintoleranz). Anschließend erfolgt die definitive Diagnose beispielsweise durch eine Darmspiegelung mit der Präsenz der „Skip-Läsionen und Gewebeproben gestellt.
Für Pflegekräfte ist es aber wichtig, zu wissen, wie der Weg zur Diagnose aussieht:
- Anamnese: Symptome, Verlauf, Familiengeschichte
- Blutuntersuchung: Entzündungswerte (CRP), Blutbild, Eisenmangel
- Stuhluntersuchung: Calprotectin-Test für Entzündung im Darm
- Koloskopie (Darmspiegelung): Entzündungsherde sichtbar machen, Gewebe entnehmen
- MRT oder Ultraschall: Zeigt Fisteln oder Abszesse
- Kapselendoskopie: Für schwer zugängliche Dünndarmabschnitte
Behandlung
Morbus Crohn lässt sich zwar nicht heilen. Die gute Nachricht für Betroffene ist jedoch, dass es sich gut behandeln lässt. Ziel ist es, Entzündungen zu bremsen, Komplikationen zu verhindern und die Lebensqualität zu sichern.
Häufig eingesetzte Medikamente zur Behandlung von Morbus Crohn:
- Kortisonpräparate: Wirken schnell bei akuten Schüben
. - Immunsuppressiva wie Azathioprin: Dämpfen die Abwehr langfristig
. - Biologika (z. B. Infliximab - monoklonaler Antikörper): Blockieren gezielt Entzündungsstoffe
e. - Antibiotika: Bei Fisteln oder Abszessen
. - 5-ASA-Präparate (Aminosalicylate) sind hier weniger wirksam als bei Colitis ulcerosa
.
Operationen
Etwa die Hälfte aller Betroffenen wird im Lauf ihres Lebens einmal operiert. Operationen sind nötig, wenn zum Beispiel Verengungen (Stenosen) den Darm blockieren, Fisteln entstehen oder sich Abszesse bilden, die nicht mehr mit Medikamenten behandelbar sind. Dann können stark betroffene Darmabschnitte entfernt werden, um Komplikationen zu vermeiden.
Zum Beispiel, wenn Verengungen, Fisteln oder Abszesse auftreten, können Teile des Darms resektiert werden. Diese Operationen werden durchgeführt, um die Lebensqualität der Patient:innen zu erhalten. Operationen können Morbus Crohn nicht heilen, da Entzündungen an neuen Stellen auftreten können. Im Vergleich zur Ulcerativen Kolitis, bei welcher die komplette Enddarm-Resektion (Totale Kolektomie) auch die Heilung der Krankheit darstellt.
Ernährung und Pflege
Was kannst du als Pflegekraft tun?
- Beobachte den Stuhlgang deiner Patient:innen: Farbe, Konsistenz, Häufigkeit
- Achte auf Symptome wie Bauchschmerzen, Fieber, Abszesse
- Ermutige zu ausgewogener Ernährung: leicht verdaulich, individuell angepasst
- Unterstütze bei der Trinkmenge, um Austrocknung zu verhindern
- Informiere über den Zusammenhang zwischen Rauchen und Schubrisiko
- Hole frühzeitig Ärzt:innen dazu, wenn sich Beschwerden verschlimmern
Tipps für Patient:innen: Bei Engstellen keine groben Ballaststoffe wie Körner oder Nüsse essen. Führe am besten ein Ernährungstagebuch und achte auf Stressabbau. Yoga, Bewegung oder Gespräche können bei der Entspannung helfen.
Die wichtigsten Fragen zu Morbus Crohn
Wie lange lebt man mit Morbus Crohn?
Mit guter Behandlung ist die Lebenserwartung fast normal.
Kann Morbus Crohn Krebs auslösen?
Ja, Langandauernde chronische Darmentzündungen, wie sie bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auftreten können, sind ein erwiesener Risikofaktor für Darmkrebs: je länger die Erkrankung besteht, desto höher steigt das Krebsrisiko. Zu diesem Schluss kam eine Studie aus dem Jahr 2023, erschienen im Fachmagazin Frontiers of Medicine. Regelmäßige Kontrollen und Darmspiegelungen sind daher äußerst wichtig.
Darf man während eines Schubs arbeiten?
Ob man während eines akuten Schubs arbeiten darf oder sollte, hängt vom Schweregrad und der Verfassung der einzelnen Patient:innen ab. Viele brauchen während eines Schubs Ruhe.
Was sollten Pflegekräfte wissen?
Beobachte Stuhl, Fieber, Gewicht und Nährstoffmangel. Motiviere Patient:innen zu Arztbesuchen.
Fazit: Leben mit Morbus Crohn
Morbus Crohn kann das Leben verändern, aber mit guter Therapie und Unterstützung können Betroffene lange beschwerdefrei bleiben. Als Pflegekraft hilfst du, Schübe früh zu erkennen und Patient:innen zu motivieren, ihre Therapie einzuhalten und auf deren Ernährung zu achten. So leistest du einen wichtigen Beitrag für ein gutes Leben mit der Erkrankung.
Medizinische und rechtliche Hinweise
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- AWMF-Leitlinienregister. S3-Leitlinie „Morbus Crohn“ – Diagnostik und Therapie. Version 3.0; gültig bis 2028. Abgerufen am 24.06.2025 von https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/021-004
- DGVS. Patienteninformation Morbus Crohn – Ursachen, Verlauf, Behandlung. Stand 2024. Abgerufen am 24.06.2025 von https://www.dgvs.de/patienten/erkrankungen-des-darms/morbus-crohn/
- DCCV e. V. (Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung). Leben mit Morbus Crohn. Infoblatt 2024. Abgerufen am 24.06.2025 von https://www.dccv.de/morbus-crohn/
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Infothek 2023. Abgerufen am 24.06.2025 von https://www.infektionsschutz.de/erregersteckbriefe/chronisch-entzuendliche-darmerkrankungen/
- Sartor RB. Mechanisms of Disease: pathogenesis of Crohn’s disease and ulcerative colitis. Nature Clinical Practice Gastroenterology & Hepatology. 2006;3(7):390–407. Abgerufen am 16.07.2025 von https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3180011/
- Wang Y, Lin Y, Xie W, He Y, He W. The global, regional, and national burden of inflammatory bowel disease in 204 countries and territories, 1990–2019: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2019. Frontiers in Medicine. 2023;10:1225616. Abgerufen am 16.07.2025 von https://www.frontiersin.org/journals/medicine/articles/10.3389/fmed.2023.1225616/full











