Richtiger Umgang mit einem zentralen Venenkatheter (ZVK): Hygienische Grundlagen für die Pflegepraxis

Veröffentlicht am 03.08.2026

Es ist ein zentraler Venenkatheter zu sehen.

Ein zentraler Venenkatheter muss regelmäßig kontrolliert werden. Bildquelle: Denise Wellhöfer

Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) ist ein wichtiger Bestandteil der modernen medizinischen Versorgung und ermöglicht die sichere Gabe von Medikamenten, Infusionen und speziellen Therapien. Gleichzeitig stellt er eine mögliche Eintrittspforte für Krankheitserreger dar. Der wichtigste Grundsatz lautet deshalb: Jeder Handgriff am ZVK muss geplant, hygienisch korrekt und aseptisch durchgeführt werden. Pflegefachpersonen tragen dabei eine besondere Verantwortung, da sie den Zugang regelmäßig beurteilen, Veränderungen frühzeitig erkennen und durch konsequente Hygienemaßnahmen zur Patientensicherheit beitragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • 🩺 Ein zentraler Venenkatheter (ZVK) erfordert eine konsequent hygienische Pflege: Jeder Handgriff am ZVK sollte aseptisch erfolgen, um katheterassoziierte Infektionen und andere Komplikationen zu vermeiden.
  • 👀 Die tägliche Kontrolle ist eine zentrale Aufgabe der Pflege: Rötungen, Schwellungen, Schmerzen, Sekretion, Fieber oder Funktionsstörungen des Katheters sollten frühzeitig erkannt, dokumentiert und ärztlich abgeklärt werden.
  • 🧼 Händehygiene und aseptisches Arbeiten sind entscheidend: Vor und nach jeder Manipulation am ZVK ist eine hygienische Händedesinfektion erforderlich. Sterile Arbeitsweisen und die Desinfektion von Anschlussstellen tragen maßgeblich zur Patientensicherheit bei.
  • 🩹 Der Verband muss regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gewechselt werden: Transparente Folienverbände sollten spätestens nach sieben Tagen, Gazeverbände in der Regel nach 48 bis 72 Stunden erneuert werden. Bei Durchfeuchtung, Verschmutzung, Ablösung oder Infektionsverdacht ist ein sofortiger Verbandswechsel notwendig.
  • ⚠️ Komplikationen frühzeitig erkennen: Zu den häufigsten Problemen zählen katheterassoziierte Infektionen, Okklusionen, Dislokationen, Leckagen und Thrombosen. Eine sorgfältige Beobachtung des Katheters und des Allgemeinzustands der Patient:innen hilft, Komplikationen frühzeitig zu erkennen.
  • 📋 Dokumentation und Kommunikation sind unverzichtbar: Der Zustand der Einstichstelle, Verbandswechsel, Auffälligkeiten und die Katheterfunktion sollten vollständig dokumentiert und im Team weitergegeben werden, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten.

Anna Liebig

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Zentraler Venenkatheter: Aufgabe der Pflege

Pflegefachpersonen sind im Alltag häufig die ersten, die Veränderungen am ZVK wahrnehmen. Daher gehört die tägliche Kontrolle des Katheters zu ihren zentralen Aufgaben.

Besondere Aufmerksamkeit gilt möglicher Warnsignale wie:

  • Rötung oder Überwärmung der Einstichstelle
  • Schmerz oder Druckempfindlichkeit
  • Schwellung oder Sekretion
  • Durchfeuchtung, Ablösung oder Verschmutzung des Verbandes
  • Fieber, Schüttelfrost oder unerklärliche Kreislaufveränderungen

Auch Veränderungen der Katheterfunktion, beispielsweise ein plötzlich erschwertes Durchspülen oder eine eingeschränkte Infusionslaufgeschwindigkeit, müssen ernst genommen werden. Frühzeitiges Erkennen und Weitergeben von Auffälligkeiten kann helfen, schwerwiegende Komplikationen zu vermeiden.

Hygiene und aseptisches Arbeiten

Die konsequente Händehygiene ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Vermeidung von ZVK-assoziierten Infektionen. Vor und nach jeder Manipulation am Katheter sowie vor und nach einem Verbandwechsel ist eine hygienische Händedesinfektion erforderlich. Das Tragen von Einmalhandschuhen ersetzt die Händedesinfektion nicht, sondern dient ausschließlich als zusätzlicher Schutz.

Alle Tätigkeiten am ZVK müssen aseptisch erfolgen. Dazu gehören:

  • Vorbereitung steriler Materialien
  • saubere Arbeitsfläche
  • Vermeidung unnötiger Unterbrechungen
  • Konsequente Trennung von sterilen und unsterilen Arbeitsschritten/Bereichen

Beim Verbandwechsel wird nach Standard der Einrichtung mit sterilen Handschuhen oder mittels Non-Touch-Technik gearbeitet. Entscheidend ist, dass sterile Komponenten wie die Einstichstelle oder Katheteranteile nicht unbeabsichtigt kontaminiert werden.

Verbandswechsel und Kontrolle der Einstichstelle

Der Verband schützt die Eintrittsstelle vor Keimen, Feuchtigkeit und mechanischer Reizung. Deshalb muss er täglich kontrolliert werden und bei Auffälligkeiten sofort gewechselt werden.

Ein Verbandswechsel ist notwendig bei:

  • Durchfeuchtung
  • Verschmutzung
  • Lockerung oder Ablösung
  • Schmerzen oder Verdacht auf Infektion

Nach den Empfehlungen der KRINKO sollen transparente semipermeable Folienverbände an der ZVK-Einstichstelle spätestens nach 7 Tagen gewechselt werden. Gazeverbände sind in kürzeren Intervallen (in der Regel nach 48 bis 72 Stunden) zu wechseln. Unabhängig vom Wechselintervall gilt: Bei klinischem Bedarf muss der Verband sofort erneuert werden.

Beim Verbandwechsel wird die Haut um die Insertionsstelle entsprechend dem lokalen Hygienestandard beurteilt, bei Bedarf mit steriler NaCl-0,9%-Lösung gereinigt und anschließend mit einem geeigneten Hautantiseptikum desinfiziert. In der SOP „Zentraler Venenkatheter (ZVK)“ von Bank und Lemmen (2017) werden hierfür chlorhexidin- oder octenidinbasierte Präparate als mögliche Antiseptika genannt. Antimikrobielle Salben oder Cremes sollten nicht routinemäßig an der Einstichstelle angewendet werden, da kein nachgewiesener zusätzlicher Schutz vor ZVK-assoziierten Infektionen besteht.

Transparente Folienverbände ermöglichen eine regelmäßige Sichtkontrolle der Einstichstelle und sind deshalb häufig geeignet. Die Auswahl des Verbandmaterials richtet sich jedoch nach Patientensituation, Hautzustand und den Standards der jeweiligen Einrichtung.

Merke:

  • Verband täglich kontrollieren.
  • Wechsel bei Feuchtigkeit, Verschmutzung, Ablösung oder Schmerz sofort.
  • Transparente Folienverbände spätestens nach 7 Tagen wechseln.
  • Gazeverbände in der Regel nach 48 bis 72 Stunden wechseln.
  • Insertionsstelle in der Dokumentation festhalten.

Pflege der Anschlussstellen und Konnektoren beim Zentralen Venenkatheter (ZVK)

Katheterhubs, Dreiwegehähne und nadelfreie Konnektionsventile gehören zu den besonders sensiblen Bereichen eines ZVK. Durch Manipulationen können Mikroorganismen in das Kathetersystem gelangen.

Es ist ein zentraler Venenkatheter zu sehen.
Bei einem zentralen Venenkatheter mit Dreiwegehähne müssen die Anschlussstellen nach Vorschrift desinfiziert werden. Bildquelle: Denise Wellhöfer

Vor jeder Konnektion oder Diskonnektion ist deshalb eine hygienische Händedesinfektion erforderlich. Anschließend müssen die jeweiligen Anschlussstellen entsprechend dem gültigen Standard desinfiziert werden.

Grundsätzlich gilt:

  • unnötige Manipulation vermeiden
  • Anschlüsse vor jeder Nutzung konsequent desinfizieren
  • sterile Verschlussstopfen nur einmal verwenden
  • Materialverträglichkeiten der verwendeten Präparate beachten

In Empfehlungen der KRINKO wird für Dreiwegehähne eine Sprühdesinfektion mit Hautantiseptikum und eine Einwirkzeit von 15 Sekunden beschrieben.

Merke:
Kleine Hygienefehler an diesen Stellen können erhebliche Folgen haben, weshalb eine konsequente Routine besonders wichtig ist.

Spülung und Infusionsmanagement des Zentralen Venenkatheters (ZVK)

Eine Spülung des ZVK erfolgt nur nach medizinischer Notwendigkeit und nach den Vorgaben der Einrichtung. Wenn eine Spülung erforderlich ist, wird eine sterile, frisch aufgezogene 0,9%ige NaCl-Lösung verwendet.

Pflegefachpersonen müssen die hausinternen Standards zu Infusionssystemen, Wechselintervallen und dem Umgang mit Konnektoren kennen. Infusionsleitungen und Anschlüsse müssen korrekt beschriftet, sauber gehalten und regelmäßig kontrolliert werden.

Merke:
Improvisationen oder Abweichungen vom Standard erhöhen das Risiko für Komplikationen und sollten vermieden werden.

Komplikation frühzeitig erkennen

Zu den häufigsten ZVK-Komplikationen gehören:

  • katheterassoziierte Infektionen
  • Okklusionen
  • Dislokation
  • Leckagen
  • thrombotische Komplikationen

Ein unauffälliger Verband bedeutet nicht automatisch einen komplikationslosen Verlauf. Deshalb ist immer die Gesamtsituation der Patient:innen entscheidend. Neben der Kontrolle des Zugangs gehören auch die Beobachtung des Allgemeinzustandes und die Beurteilung der Katheterfunktion zur professionellen Pflege.

Bei Verdacht auf eine Komplikation muss frühzeitig ärztlich informiert und die Beobachtung dokumentiert werden.

Sicherheit, Dokumentation und Kommunikation

Ein ZVK muss vor Zugbelastung, Knicken und unnötigen Manipulationen geschützt werden. Bei Mobilisation und Lagerung ist darauf zu achten, dass keine Spannung auf den Katheter entsteht. Dementsprechend sind Kleidung, Drainagen, Infusionsleitungen und Bewegungsabläufe so zu organisieren, dass der Zugang nicht belastet wird.

Besondere Aufmerksamkeit benötigen Kinder, unruhige oder bewusstseinsveränderte Patient:innen, da hier ein erhöhtes Risiko für unbeabsichtigtes Ziehen oder eine eingeschränkte Beurteilbarkeit bestehen kann.

Eine vollständige Dokumentation gehört ebenfalls zur sicheren ZVK-Versorgung. Festgehalten werden sollten unter anderem:

  • Zustand der Einstichstelle
  • Verbandsart und Verbandszustand
  • durchgeführte Maßnahmen
  • Auffälligkeiten und Veränderungen
  • Funktion des Katherters

Ebenso wichtig ist eine klare Übergabe im Team. Informationen über kleine Veränderungen können entscheidend sein, um Komplikationen rechtzeitig zu erkennen.

Fazit

Der sichere Umgang mit einem ZVK basiert auf wenigen, aber konsequent einzuhaltenden Grundprinzipien: tägliche Notwendigkeitsprüfung, konsequente Händehygiene, aseptisches Arbeiten, sorgfältige Pflege der Anschlussstellen und frühzeitiges Erkennen von Komplikationen.

Pflegefachpersonen spielen dabei eine Schlüsselrolle. Durch ihre tägliche Beobachtung und ihre hygienische Arbeitsweise tragen sie wesentlich dazu bei, Infektionen und andere Komplikationen zu vermeiden. Ein ZVK ist nicht nur ein technischer Zugang, sondern ein Bereich, in dem pflegerische Qualität unmittelbar zur Patientensicherheit beiträgt.

Eine geplante S1-Leitlinie zu zentralvenösen Kathetern (ZVK) in der Intensiv- und Notfallmedizin geplant, deren Fertigstellung für September 2026 vorgesehen ist, soll künftig aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zur Prävention, Diagnostik und Therapie ZVK-assoziierter Infektionen bündeln und evidenzbasierte Empfehlungen für die Versorgung kritisch kranker Patient:innen bereitstellen.

Häufige Fragen zum Umgang mit einem ZVK

Wie oft muss ein ZVK kontrolliert werden?

Ein ZVK sollte täglich kontrolliert werden. Dazu gehören die Überprüfung der weiteren Notwendigkeit des Katheters, die Beurteilung der Einstichstelle, des Verbandes und der Anschlussstellen sowie die Beobachtung der Patient auf mögliche Hinweise einer Komplikation.

Wann muss der Verband gewechselt werden?

Ein Verbandwechsel ist sofort erforderlich, wenn der Verband verschmutzt, durchfeuchtet, gelockert oder abgelöst ist oder wenn Schmerzen beziehungsweise ein Verdacht auf eine Infektion bestehen. Erfolgt kein akuter Anlass, richtet sich das Wechselintervall nach dem verwendeten Verbandmaterial und dem lokalen Standard. Transparente semipermeable Folienverbände sollten gemäß KRINKO-Empfehlungen spätestens nach sieben Tagen gewechselt werden, Gazeverbände in der Regel nach 48 bis 72 Stunden.

Was ist die wichtigste Maßnahme gegen ZVK-Infektionen?

Die wichtigste Maßnahme ist eine konsequente Händehygiene vor jeder Manipulation sowie aseptisches Arbeiten an allen Katheterkomponenten, insbesondere an Hub, Konnektoren und beim Verbandwechsel.

Was ist bei Verdacht auf eine ZVK-assoziierte Infektion zu tun?

Bei Anzeichen wie Rötung, Schmerzen, Sekretion, Fieber oder Schüttelfrost muss die Situation zeitnah beurteilt, dokumentiert und ärztlich abgeklärt werden.

Quellen:

Bank, C. & Lemmen, S. (2017): SOP Zentraler Venenkatheter (ZVK) – Anlage und Pflege. Krankenhaushygiene up2date, 12(3), S. 222-226. DOI: 10.1055/s-0043-104019.

Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) (2023): Zentralvenöse Katheter (ZVK) in der Intensiv- und Notfallmedizin. AWMF-Leitlinienregister, Registernummer 113-003. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/113-003 (Zugriff: 27.07.2026).

KRINKO beim Robert Koch-Institut. Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen. Teil 1: Nichtgetunnelte zentralvenöse Katheter. Bundesgesundheitsblatt. 2017; 60:171-206.

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