Tiergestützte Therapie in der Pflege: Wie Tiere den Alltag von Pflegebedürftigen bereichern

Veröffentlicht am 08.08.2025

Es ist ein Hund im Altenheim zu sehen.

Tiere wie Hunde oder Katzen können auch in Pflegeeinrichtungen therapeutisch eingesetzt werden. Quelle: Canva.de

Für viele Senioren gehören Tiere zu ihrem Leben dazu. Im Alter können die Vierbeiner von Sorgen ablenken, geben eine Aufgabe und verhelfen sogar zu einer besseren Gesundheit. Mit dem Umzug in eine Pflegeeinrichtung müssen sich ältere Menschen allerdings häufig schweren Herzens von ihren Lieblingen trennen. Dabei können Tiere das Leben von pflegebedürftigen Menschen auch in Pflege- und Altenheimen bereichern - in Form der tiergestützten Therapie oder als privat gehaltene Begleiter. Immer mehr Einrichtungen ermöglichen ihren Bewohner:innen daher den regelmäßigen Kontakt zu Tieren.

Formen der Begegnung

Viele Tiere haben dabei ein besonderes Gespür für Menschen und dadurch eine beruhigende Wirkung. Für die Unterbringung in Heimen oder den gelegentlichen Kontakt zu Bewohner:innen sind Vögel, Fische, kleine Nagetiere wie Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen sowie Schildkröten, Katzen und Hunde am besten geeignet. Folgende Formen der Tiergestützten Therapie gibt es:

  • Therapeutische Begleitung: Tiere werden als Teil eines geplanten Therapieprogramms eingesetzt.
  • Privat gehaltene Tiere: Tiere, die in Pflegeeinrichtungen leben und regelmäßig mit den Bewohner:innen interagieren. In manchen Pflegeeinrichtungen ist es möglich, dass Heimbewohner beim Umzug in das Pflegeheim ihre Haustiere mitnehmen dürfen.
  • Besuchstiere: Tiere, die regelmäßig zu Besuchen in Pflegeeinrichtungen kommen.
Doch:
Nicht jedes Tier ist für den Einsatz in der Pflege geeignet, da die Tiere viel Geduld aufbringen und Nähe zulassen müssen.

Anna Liebig

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Positive Effekte der tiergestützten Therapie

Für viele Bewohner sind Tier-Besuche ein echtes Highlight, denn die Vierbeiner bringen nicht nur Abwechslung in den Heim-Alltag. Tiere haben auch nachweislich positive Effekte auf die psychische und physische Gesundheit von Bewohner:innen und Patient:innen: Tiere fördern das Selbstwertgefühl, bringen Anreiz zu körperlicher Bewegung, vermitteln den Eindruck, noch gebraucht zu werden, verbessern den Kontakt zu anderen Heimbewohnern und mildern die Empfindung von Einsamkeit. Gerade Menschen mit Demenz oder bettlägerige Personen profitieren zudem von der Nähe und dem Austausch mit einem Haustier.

Positive Effekte durch den Kontakt zu Tieren:

  • Reduzierung von Stress und Angst
  • Förderung von Selbstbewusstsein und Körperbewusstsein
  • Anreiz zu Bewegung und Erweiterung des Beschäftigungsangebots
  • Integration der Bewohner:innen in die Heimumgebung und in die Gemeinschaft
  • Verbesserung der Stimmung und des Wohlbefindens
  • Förderung von sozialen Interaktionen

Wie wirkt die Therapie mit Tieren?

Tiere strahlen oft Sicherheit und Geborgenheit aus. Sie fühlen die Stimmung der Menschen und reagieren sehr direkt auf deren Verhalten. Heimbewohner:innen können sich den Vierbeinern daher häufig ungezwungener zuwenden, sie sind aufmerksamer und reflektieren deren Körpersprache. Verschiedene Studien haben gezeigt: Der Spiegel des Stresshormons Cortisol sinkt und der Puls verlangsamt sich, wenn Menschen sich Tieren widmen. Und viele Menschen sprechen zu Tieren auch spontaner und freier. Auch gibt es Fälle in der Therapie mit Hunden, die bei einer Alzheimer-Erkrankung zum Sprechen anregen.

In einer Untersuchung in drei Altersheimen im US-Bundesstaat Mississippi fühlten sich betagte Menschen bereits weniger einsam, wenn sie während einer halben Stunde pro Woche Besuch von einem Hund erhielten. Befragt wurden dabei allerdings nur Bewohner:innen, die den Kontakt zu Tieren wünschten. Doch das waren die meisten – nur ungefähr jede achte Person gab an, weder Hunde noch Katzen zu mögen. Manche Forscher:innen vermuten sogar, dass Tiere Depressionen bei Senior:innen lindern könnten. Bisher ist allerdings noch zu wenig erforscht, welche Therapieform bei psychischen Erkrankungen am besten geeignet ist.

Eine positive Wirkung auf die Psyche des Menschen kann aber schon die reine Anwesenheit eines Tieres haben. In einer Studie zeigten Senior:innen, die einmal wöchentlich von einer Krankenschwester mit Hund besucht wurden, nach einem Monat tiefere Blutdruckwerte als jene, die ohne Hund besucht wurden. In einer anderen Studie zeigte sich, dass Demenzpatient:innen, die Kontakt zu Hunden haben, weniger unruhig und weniger aggressiv waren. Die Gegenwart von Hunden regte aber auch den Kontakt zwischen den Patient:innen untereinander sowie zwischen Patient:innen und Personal an. Die Dementen lächelten und lachten, berührten und sprachen mehr als gewohnt. Katzen und Pferde habe eine ähnliche Wirkung auf Demenzpatient:innen.

Fallbeispiel: Weniger Medikamente dank Therapiehund

Wie eine Biografie-orientierte Pflege und tiergestützte Angebote wirken können, zeigt folgendes Fallbeispiel deutlich. Herr L., geboren 1948, war dement, aber körperlich fit. Er sprach kaum, zeigte jedoch häufig aggressives Verhalten: Zwischen November 2019 und Oktober 2020 kam es zu 57 Vorfällen – von Beleidigungen über Drohungen bis hin zu körperlichen Übergriffen gegenüber Pflegepersonal und Mitbewohner:innen. In diesem Zeitraum erhielt er insgesamt 197 Bedarfsgaben zur Beruhigung, wie das Fachmagazin Springer Pflege berichtete.

Ein Wendepunkt war die Erkenntnis, dass Herr L. früher Tiere geliebt hatte und besonders auf Therapiehündin Nora positiv reagierte. Ab März 2020 wurde daher vor jeder Bedarfsmedikation eine tiergestützte Intervention angeboten – mit großem Erfolg: Die Zahl der Bedarfsgaben sank deutlich, viele konnten ganz vermieden werden.

Vorteile für Pflegekräfte

Tiere können den Alltag von Bewohner:innen und Patient:innen, aber auch von Pflegekräften bereichern - egal ob als therapeutische Maßnahme oder als alltägliche Begegnung.

Tiere bieten nicht nur den Bewohner:innen und Patient:innen viele Vorteile, sondern auch Pflegekräften:

  • Förderung von Empathie und positiven Emotionen
  • Unterstützung bei der Entlastung von stressigen Arbeitssituationen, beispielsweise bei aggressiven Bewohner:innen, um diese zu beruhigen
  • Stärkung der Bindung zwischen Pflegekräften, Bewohner:innen und Tieren

Um die tiergestützte Therapie sach- und fachgerecht durchführen zu können, brauchen Menschen - und manche Tiere - allerdings eine entsprechende Ausbildung, schreibt Springer Pflege. Wer sich auf dem Gebiet weiterbilden möchte, sollte daher eine adäquate Fortbildung besuchen. Bewusst und gezielt eingesetzt können Tiere so dabei helfen, therapeutische Ziele zu erreichen.

Bedenken beim Einsatz von Tieren in Pflegeeinrichtungen:

Immer wieder kommen beim Einsatz von Hunden, Katzen, Kaninchen und Co. Bedenken in Bezug auf die Hygiene auf. Tatsächlich sollten Einrichtungen, die eine tiergestützte Therapie oder das Halten von Tieren anbieten, entsprechende hygienische Anforderungen erfüllen. Eine mögliche Gefährdung der Bewohner:innen kann jedoch ausgeschlossen werden. "Zusammenfassend erlaubt die Auswertung der verfügbaren Daten den Schluss, dass der positive Einfluss der Heimtierhaltung auf Menschen die mögliche Gefährdung übersteigt", erklärt das Robert Koch-Institut (RKI).

Wichtig!
Häufig handelt es sich bei tiergestützten Angeboten jedoch nicht um klassische Therapie, sondern um tiergestützte Aktivitäten – denn im eigentlichen Sinne gibt es keine „Therapietiere“. Entscheidend ist der gezielte und professionelle Einsatz von Tiergestützten Interventionen, etwa im Rahmen eines Pflegeplans.

Fazit

Tiere können im Pflegealltag weit mehr sein als bloße Begleiter – sie wirken beruhigend, fördern soziale Kontakte, steigern das Wohlbefinden und tragen sogar zur Reduktion von Medikamenten bei. Ob als Teil einer tiergestützten Therapie, als Besuchstier oder als privat gehaltener Vierbeiner: Der gezielte Einsatz von Tieren kann die Lebensqualität von pflegebedürftigen Menschen spürbar verbessern – und auch Pflegekräfte entlasten. Damit das gelingt, braucht es klare hygienische Standards und gut geschulte Teams. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, steht einem liebevollen Miteinander von Mensch und Tier im Pflegeheim nichts im Weg.

Quellen

  1. Springer Pflege; Mit Tieren therapeutische Ziele verbessern – Tiergestützte Interventionen in der Pflegepraxis; abgerufen am 30.07.2025 von https://www.springerpflege.de/mit-tieren-therapeutische-ziele-verbessern/25492548
  2. Robert Koch-Institut (RKI); Tiergestützte Interventionen im Gesundheitswesen – Wissenschaftlicher Literaturüberblick zu Wirksamkeit und Einsatzmöglichkeiten; abgerufen am 30.07.2025 von https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/3168/25uDLpnVUj7Y_53.pdf
  3. Universität Zürich – Psychologisches Institut; Tierische Therapie: Überblick über Wirkmechanismen und Anwendungsbereiche tiergestützter Interventionen; abgerufen am 30.07.2025 von https://www.psychologie.uzh.ch/dam/jcr:e94f5637-2cda-4edd-b481-b11e51003f79/2018_02_Tierwelt.pdf

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