Telemedizin: Wie funktioniert die digitale Fernbehandlung?
Veröffentlicht am 22.07.2025
Flexibel und unkompliziert: Sprechstunden über das Smartphone machen den Kontakt zu Ärzt:innen einfacher. Doch können sie die klassische Sprechstunde ersetzen? Quelle: Canva.de
In Zeiten zunehmender Digitalisierung, demografischer Veränderungen und eines akuten Fachkräftemangels gewinnt die Telemedizin immer mehr an Bedeutung. Sie deckt verschiedene Anwendungsbereiche ab. Mithilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien können medizinische Leistungen trotz räumlicher Distanz erbracht und somit verschiedene Anwendungsbereiche abgedeckt werden. Sie umfasst die Kommunikation zwischen Ärzt:innen, Pflegepersonal und Patient:innen. Von telefonischen Beratungen bis hin zum komplexen Telemonitoring chronisch Kranker stehen die unterschiedlichsten Leistungen durch die Telemedizin Patient:innen zur Verfügung.
Telemedizin umfasst die ärztliche Diagnostik, Beratung, Therapie und Verlaufskontrollen, die nicht mehr ausschließlich im direkten Kontakt stattfinden müssen. Hier können technische Mittel wie Videosprechstunden, elektronische Patientenakten oder die ferngesteuerte Überwachung medizinischer Werte zum Einsatz kommen. Das Ziel besteht darin, die medizinische Versorgung ortsunabhängig, effizient und patientenzentriert zu gestalten.
Das Konzept ist besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, chronischen Erkrankungen oder in ländlichen Regionen mit geringer Ärztedichte relevant. Doch auch in urbanen Räumen bietet Telemedizin neue Versorgungsmodelle, beispielsweise zur Entlastung überfüllter Wartezimmer oder für kurzfristige Konsultationen außerhalb der regulären Sprechzeiten.
Wo kommt Telemedizin zum Einsatz?
Telemedizin umfasst eine Vielzahl von Anwendungen:
Videosprechstunde: Direkte Kommunikation zwischen Arzt und Patient über sichere Videoverbindungen. Seit 2017 wird sie regulär vergütet und hat sich spätestens mit der Corona-Pandemie zunehmend im Praxisalltag etabliert.
Telemonitoring: Die Fernüberwachung von Gesundheitsparametern wie Blutdruck, Blutzucker oder Herzfrequenz. Dies ermöglicht frühzeitige Reaktionen bei Abweichungen, beispielsweise bei Herzinsuffizienz.
Telekonsil: Austausch zwischen Ärzt:innen verschiedener Fachrichtungen, etwa bei diagnostischen Unsicherheiten oder zur Therapieplanung.
Tele-Hausbesuch: Medizinische Fachangestellte besuchen Patient:innen vor Ort, führen Untersuchungen durch und stehen via Video mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt in Kontakt.
Forward-Triage: Besonders in Notaufnahmen eingesetzt, um Patient:innen per Video oder App vorab einzuschätzen – etwa während der Pandemie.
Telemedizin im deutschen Gesundheitssystem
Durch das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), das Digitalgesetz (DigiG) oder das Krankenhauspflegeentlastungsgesetz (KHPflEG) wurde die Telemedizin in Deutschland gesetzlich verankert und finanziell besser ausgestattet. Seitdem können Videosprechstunden, Telekonsile und Telemonitoring unter bestimmten Voraussetzungen in der Regelversorgung vergütet werden.
Anna Liebig
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Ein wichtiger Schritt war auch die gesetzliche Flexibilisierung. Ärzt:innen dürfen Videosprechstunden nun auch außerhalb ihrer Praxisräume, beispielsweise im Homeoffice, anbieten. Zudem wurde der rechtliche Rahmen für assistierte Telemedizin in Apotheken geschaffen. Dies war notwendig, um die Telemedizin umfassend in der medizinischen Versorgung einsetzen zu können.
Welche Vorteile hat die Telemedizin?
Zugang zu medizinischer Versorgung: Besonders in dünn besiedelten, ländlichen Regionen kann Telemedizin bestehende Versorgungslücken schließen.
Zeit- und Ressourcenschonung: Wegfall von Anfahrtswegen, kürzere Wartezeiten und eine effizientere Terminplanung.
Infektionsschutz: Weniger physische Kontakte reduzieren das Risiko von Ansteckungen, etwa in Wartezimmern.
Bessere Betreuung chronisch Kranker: Durch kontinuierliches Monitoring lassen sich gesundheitliche Verschlechterungen früher erkennen.
Stärkung der interdisziplinären Zusammenarbeit: Fachärzt:innen können sich rasch und unkompliziert über Befunde und Behandlungsoptionen austauschen.
Flexibilität und Komfort für Patient:innen: Besonders Berufstätige oder Eltern profitieren von ärztlichen Beratungen, für die sie nicht anreisen müssen.
Herausforderungen und Grenzen der Telemedizin
Trotz vieler Chancen gibt es auch Herausforderungen:
Datenschutz und IT-Sicherheit: Der Schutz sensibler Gesundheitsdaten erfordert besonders hohe Sicherheitsstandards.
Technische Ausstattung: Nicht alle Patient:innen oder Einrichtungen verfügen über geeignete Geräte oder stabile Internetverbindungen.
Digitales Know-how: Die Nutzung telemedizinischer Angebote setzt gewisse digitale Kompetenzen auf Seiten der Behandler:innen und Patient:innen voraus.
Rechtlicher Rahmen: Die ärztliche Sorgfaltspflicht bleibt auch bei rein telemedizinischer Betreuung bestehen. Fernbehandlungen sind nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Verschreibungspflichtige Medikamente dürfen beispielsweise in der Regel nicht ausschließlich per Video verschrieben werden.
Persönlicher Kontakt: Nicht jede medizinische Fragestellung lässt sich auf Distanz klären. Die körperliche Untersuchung bleibt in vielen Fällen unerlässlich.
Welche Zukunft hat die Telemedizin?
In den Gutachten „Digitalisierung für Gesundheit“ (2021) und „Resilienz im Gesundheitswesen“ (2023) wird der wachsende Bedarf an medizinischer Expertise bei gleichzeitigem Fachkräftemangel betont. Telemedizin kann hier helfen, die Versorgung langfristig sicherzustellen – vorausgesetzt, sie wird gezielt, verantwortungsvoll und patientenorientiert eingesetzt.
Auch die Digitalstrategie im Gesundheitswesen setzt stark auf telemedizinische Innovationen, etwa durch die Anbindung kleinerer Kliniken an Spezialzentren oder den Ausbau vernetzter Versorgungsmodelle.
Fazit: Telemedizin als Chance und Ergänzung
Die Telemedizin ist inzwischen ein entscheidender Baustein für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Sie ergänzt die klassische Versorgung, ersetzt diese jedoch nicht vollständig. Der persönliche Kontakt zwischen Ärzt:innen und Patient:innen bleibt weiterhin wichtig. Doch gerade in einer zunehmend digitalisierten Welt kann Telemedizin dabei helfen, die Qualität, Zugänglichkeit und Effizienz der Versorgung zu verbessern.
Wichtig ist ein ausgewogener Einsatz mit Fürsorge, Datenschutzbewusstsein und Orientierung an den Bedürfnissen der Patient:innen. Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann Telemedizin ein echter Gewinn für alle Beteiligten sein.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
Bundesgesundheitsministerium. Gesundheit A-Z > Telemedizin. Abgerufen am 09. Juli 2025, von: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/t/telemedizin.html
Gesund.bund.de. Gesundheit digital > Telemedizin. Abgerufen am 09. Juli 2025, von: https://gesund.bund.de/telemedizin#austausch-unter-aerzten
Bundesärztekammer. Digitalisierung > Telemedizin / Fernbehandlung. Abgerufen am 09. Juli 2025, von: https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/digitalisierung/telemedizin-fernbehandlung
Kassenärztliche Bundesvereinigung. Themen A-Z > Telemedizin. Abgerufen am 09. Juli 2025, von: https://www.kbv.de/html/telemedizin.php
AMBOSS. Telemedizin. Abgerufen am 09. Juli 2025, von: https://next.amboss.com/de/article/S80yN3?q=telemedizin
Thieme. Chirurgie für die Pflege. Chirurgie der Zukunft > Telemedizin und E-Health. Paetz B, Hrsg. 24., Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.
Digitalisierung für Gesundheit – Ziele und Rahmenbedingungen eines dynamisch lernenden Gesundheitssystems. Bonn: Sachverständigenrat Gesundheit; 2021. Verfügbar unter: https://www.svr-gesundheit.de/fileadmin/Gutachten/Gutachten_2021/SVR_Gutachten_2021.pdf
Resilienz im Gesundheitswesen – Wege zur Bewältigung künftiger Krisen. Bonn: Sachverständigenrat Gesundheit; 2023. Verfügbar unter: https://www.svr-gesundheit.de/fileadmin/Gutachten/Gutachten_2023/SVR_Gutachten_2023.pdf