Hitzeschutz in der Pflege: Wie gut sind wir vorbereitet?

Veröffentlicht am 11.08.2025

Mann fährt Seniorin in einem Rollstuhl nach draußen

Hohe Temperaturen machen älteren Menschen und chronisch Kranken besonders zu schaffen. Aber auch die Pflegenden leiden unter der Hitze. Quelle: Canva.de

Klimaforscher warnen seit Jahren, dass der Klimawandel Hitzewellen weltweit nicht nur häufiger, sondern auch länger und intensiver werden lässt. Ein Trend, der sich voraussichtlich auch in Zukunft weiter fortsetzen dürfte. Die gesundheitlichen Folgen andauernder Hitze sind gravierend: Kreislaufbeschwerden wie Schwindel und Erschöpfung, bis hin zu Verwirrtheit und Hitzeschlag. Besonders gefährdet sind ältere Menschen ab 65 Jahren, chronisch Kranke und Pflegebedürftige. Zwischen 2018 und 2020 starben laut dem Deutschen Ärzteblatt in Deutschland insgesamt rund 19.300 Menschen an den Folgen von Hitze.

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Die wachsende Bedrohung durch Hitzewellen macht lang- und kurzfristige Schutzstrategien notwendig. Um die Zahl der hitzebedingten Todesfälle zu senken, gibt es daher in Deutschland verschiedene Maßnahmen im Rahmen eines nationalen Hitzeschutzplanes und Empfehlungen für Pflegeeinrichtungen. Doch obwohl viele Pflegeheime Hitzeaktionspläne vorweisen, hapert es bislang an der Umsetzung.  

Was bedeutet das für den Pflegealltag? Wie gut sind wir im Gesundheits- und Pflegebereich tatsächlich auf extreme Hitzewellen vorbereitet? Und was können wir von anderen Ländern lernen?  

Auswirkungen der Hitzewelle - Wie hohe Temperaturen den Körper belasten

Hohe Temperaturen, lange und intensive Hitzewellen, tropische Nächte, in denen die Temperaturen hoch bleiben und wichtige Erholungsphasen damit verkürzen: Besonders bei Risikogruppen wie älteren Menschen, chronisch Kranken oder Kleinkindern kann extreme Hitze zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen – bis hin zum Tod. Auch Menschen ohne festen Wohnsitz oder solche, die im Freien arbeiten, sind laut dem IPCC-Bericht 2022 zum Klimawandel und seinen Folgen besonders gefährdet.

Anna Liebig

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Mehr als zwei Jahrzehnte Forschung, sowohl national als auch international, zeigen: Neben akuten Auswirkungen wie Hitzeschlag oder Erschöpfung kann Hitze auch chronische Erkrankungen Herz-Kreislauf- und Atemwegsystems sowie psychische Leiden verschlimmern. Auch die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz und das Risiko für Frühgeburten steigt.

Hohe Temperaturen gelten deshalb als „stille Killer“. Anders als bei Unwettern oder Naturkatastrophen sind die Folgen einer Hitzewelle oft verzögert sichtbar: etwa in Form erhöhter Sterberaten bei älteren Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern. Kurzfristige Schutzmaßnahmen können helfen, ältere und gefährdete Menschen vor den Gesundheitsfolgen von akuter Hitze zu schützen. Auf lange Sicht braucht es jedoch mehr: Hitzeschutz muss in Pflegeeinrichtungen strukturell verankert werden durch bauliche, organisatorische und personelle Maßnahmen.

Wann spricht man von einer Hitzewelle?

Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) handelt es sich um eine Hitzewelle, sobald die Temperaturen an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über 28 Grad liegen. Der DWD ruft die erste Hitzewarnstufe aus, wenn eine starke Wärmebelastung erwartet wird und Wohnräume nachts nicht mehr ausreichend auskühlen können. Die erste Warnstufe wird herausgegeben, wenn die gefühlte Temperatur zwei Tage in Folge 32 Grad übersteigt. Übersteigt die gefühlte Temperatur 38 Grad, gilt die zweite Warnstufe.

Dabei liegen die Schwellenwerte am Ende des Sommers etwas höher als am Anfang des Sommers, da sich der Körper über den Sommer hinweg an höhere Temperaturen gewöhnt. Gefährlich können auch „Tropennächte“ sein, in denen die die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt und der Körper sich dadurch weniger gut erholen kann. 

Hitzeschutz in Deutschland - Was tun Politik und Pflegeeinrichtungen?

Seit einigen Jahren arbeitet die deutsche Politik gezielt daran, auf die zunehmenden gesundheitlichen Risiken durch Hitze zu reagieren. Bereits 2017 veröffentlichte das Bundesumweltministerium eine Richtlinie mit Empfehlungen für die Erstellung kommunaler Hitzeaktionspläne. Diese Pläne sollen nicht nur Hitzewarnsystem etablieren, sondern auch akute Maßnahmen für das Vorgehen bei Hitze sowie die Stadtplanung enthalten. Außerdem sollen Zuständigkeiten klar definiert und die Wirksamkeit der Maßnahmen regelmäßig überprüft werden. Einige Städte und Bundesländer haben entsprechende Pläne inzwischen erarbeitet und beginnen mit der Umsetzung. Eine bundesweite Verpflichtung gibt es bislang jedoch nicht, wie das Science Media Center Germany berichtet.

Zu den wichtigsten Maßnahmen der Hitzevorsorge in Pflegeeinrichtungen zählen Verhaltensmaßnahmen im Hitzefall für die Pflegebedürftigen sowie Pflegekräfte. Auch bauliche Veränderungen und die Entwicklung eines Hitzemaßnahmenplans sind wichtig. Konkret bedeutet dies: Es müssen kühlere Aufenthaltsräume zur Verfügung gestellt, Temperaturen gemessen und ausreichend Getränke angeboten werden. Pflegekräfte sollen an heißen Tagen körperlich entlastet und geschult werden, um Anzeichen von Hitzestress früh zu erkennen.

Doch der Alltag sieht oft anders aus. In vielen Einrichtungen fehlt bislang eine ausreichende Ausstattung, die gerade bei den gestiegenen Temperaturen für die Pflegebedürftigen und Pflegenden dringend notwendig sind.

Hitzewelle - Mehr Geld für Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen gefordert

Während manche Einrichtungen bereits sehr gut auf Extremwetterereignisse vorbereitet sind, fehlen in vielen Pflege- und Altenheimen entsprechende Maßnahmen. Nur ein Bruchteil der Pflegeeinrichtungen hat einen umfassenden Hitzeschutzplan umgesetzt. Häufig fehlt es an Personal, klaren Zuständigkeiten oder räumlichen Möglichkeiten – etwa an ausreichend kühlen Rückzugsräumen. Angesichts der Hitzewelle haben Verbände wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) daher mehr Geld zur Umrüstung von Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Schulen in Deutschland gefordert.

Eine Analyse der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hat zudem ergeben, dass Deutschland bisher zu wenig auf extreme Hitzeereignisse vorbereitet ist. Dies könnte schwerwiegende Konsequenzen haben: So könnten innerhalb weniger Tage, zehntausende vermeidbare Todesfälle auftreten, falls die Hitzeversorgung nicht wesentlich verbessert wird. Auch der Sozialverband VdK kritisiert den Zustand der Pflegeeinrichtungen in Deutschland. Viele Pflegeeinrichtungen seien noch nicht ausreichend auf extreme Hitze vorbereitet. Neben baulichen Maßnahmen wie Rollos, Markisen und gekühlte Räume sollte auch das Personal regelmäßig geschult werden, um frühzeitig Anzeichen von Hitzestress zu erkennen.

Pflegekräfte am Limit:

Pflegekräfte stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, Menschen bei Hitze zu schützen. Sie beobachten Symptome, motivieren zum Trinken, organisieren kühlende Maßnahmen. Doch viele berichten: Die Hitze belastet auch sie selbst – körperlich und psychisch. In überhitzten Räumen, oft ohne Klimaanlage, geraten sie an ihre Grenzen.

Hinzu kommt der steigende Arbeitsaufwand: Muss jede verabreichte Flüssigkeit festgehalten werden? Wie regelmäßig soll das Trinkverhalten kontrolliert werden? Und wie lässt sich das im Alltag überhaupt umsetzen? 

Hitzeschutz in Europa - Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor hohen Temperaturen

Die Auswirkungen der Hitze stellen eine zusätzliche Belastung für die ohnehin überlasteten Gesundheitssysteme Europas dar. Schon 2003 starben bei einer der schwersten Hitzewellen rund 70.000 Menschen. In den Jahren seither mehren sich die Hinweise darauf, dass Hitzeereignisse nicht nur häufiger, sondern auch folgenreicher werden. So stiegen in Portugal die täglichen Krankenhauseinweisungen während Hitzewellen zwischen 2000 und 2018 um 19 Prozent, wie eine Studie aus dem Jahr 2024 herausfand. In Frankreich verdoppelten sich nach Angaben des Sommerberichts der französischen Gesundheitsbehörde Santé publique France im Jahr 2022 während heißer Tage die Besuche in der Notaufnahmen und in Arztpraxen.

 In vielen Ländern wurden als Reaktion auf die steigenden Temperaturen und häufigeren Hitzewellen Hitzeschutzpläne in die Wege geleitet. Zwei Jahrzehnte nach der Jahrhundert-Hitzewelle von 2003 sollen Präventionsmaßnahmen in Sozialdiensten, Pflegeheimen und Krankenhäusern pflegebedürftige Menschen und Pflegende vor den Folgen der hohen Temperaturen schützen.

Hitzeschutz - Was können wir von anderen Ländern lernen?

Hitzeschutzpläne gelten als wichtiges Instrument im Umgang mit extremen Temperaturen. Viele europäische Großstädte wie Paris verfügen mittlerweile über umfassende Überwachungssysteme und spezielle Hitzeaktionspläne. Insgesamt gibt es laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in mindestens 21 der 28 befragten europäischen Länder Gesundheitspläne für Hitze auf nationaler, regionaler oder lokaler Ebene. Ein angemessener Hitzeschutzplan beinhaltet dabei unter anderem Warnsysteme, Maßnahmen zur Reduzierung der Hitzebelastung in Innenräumen, eine langfristige Stadtplanung sowie eine besondere Betreuung gefährdeter Bevölkerungsgruppen

Hitzeschutz konkret - Was europäische Länder tun

Ungarn

Ungarn empfiehlt sozialen Einrichtungen und Kinderheimen konkrete bauliche und organisatorische Maßnahmen gegen Hitze. Dazu zählen Außenbeschattung, Klimaanlagen und der Zugang zu kühlen Innenräumen (unter 26 °C). Pflegebedürftige sollen regelmäßig überwacht, mit ausreichend Flüssigkeit versorgt und im Hinblick auf hitzesensible Medikamente beobachtet werden.

Italien

Italien setzt im nationalen Hitzeaktionsplan auf Prävention bei besonders gefährdeten Gruppen wie älteren Menschen oder Alleinlebenden. Pflegekräfte sollen hydratisierende Ernährung fördern und Risikopatient:innen engmaschig betreuen. Hausärzt:innen erhalten vor dem Sommer Listen gefährdeter Personen, um frühzeitig reagieren zu können – auch außerhalb stationärer Pflege.

Nordmazedonien

Nordmazedonien legt den Fokus auf kurz- und langfristige Maßnahmen in Einrichtungen: Klimageräte, Trinkwasserzugang, Vorhänge und Kühlräume gehören ebenso dazu wie Gebäudesanierungen und Begrünungen zur Temperaturregulierung.

Schweden

Schweden arbeitet mit detaillierten Checklisten für Pflege-, Bildungs- und Sozialeinrichtungen. Der Aktionsplan der Stadt Kristianstad empfiehlt, gefährdete Personen systematisch zu erfassen, Kühleinrichtungen zu identifizieren und Hydratationsmittel bereitzuhalten. Medizinisches Personal wird sensibilisiert, frühzeitig Symptome wie Hitzeschlag zu erkennen. 

Quellen

  1. WHO. Heat and health in the WHO European Region: updated evidence for effective prevention. Abgerufen am: 03. Juli 2025, Verfügbar unter: https://iris.who.int/bitstream/handle/10665/339462/9789289055406-eng.pdf
  2. France : bilan de l'été 2022, 2022. Abgerufen am: 03. Juli 2025, Verfügbar unter: https://www.santepubliquefrance.fr/determinants-de-sante/climat/fortes-chaleurs/documents/rapport-synthese/canicule-et-sante-effets-sanitaires-des-vagues-de-chaleur-en-france-bilan-de-l-ete-2022
  3. Alho J, Hassi J, Holmér I, et al. Heat and health in the changing climate: Impact on vulnerable populations in Europe, 2024. Abgerufen am: 03. Juli 2025, Verfügbar unter: https://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0004/512471/Heat-and-health-vulnerable-populations-Europe.pdf
  4. DGG – Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. Deutschland drastisch unvorbereitet auf extreme Hitzeereignisse: Zehntausende Todesfälle binnen Tagen sind zu vermeiden!, 01. Juli 2025. Abgerufen am: 09. Juli 2025, Verfügbar unter: https://www.dggeriatrie.de/ueber-uns/aktuelle-meldungen/2451-deutschland-drastisch-unvorbereitet-auf-extreme-hitzeereignisse-zehntausende-todesfaelle-binnen-tagen-sind-zu-vermeiden
  5. Deutsches Ärzteblatt. Hitzebedingte Mortalität in Deutschland zwischen 1992 und 2021, Abgerufen am: 09. Juli 2025, Verfügbar unter: https://www.aerzteblatt.de/archiv/hitzebedingte-mortalitaet-in-deutschland-zwischen-1992-und-2021-a2a70f7c-64bf-454c-b771-11491d8630d4
  6. Deutscher Wetterdienst (DWD). Hitzewarnungen in Deutschland, Abgerufen am: 09. Juli 2025, Verfügbar unter: https://www.dwd.de/DE/leistungen/hitzewarnung/hitzewarnung.html
  7. Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC). Climate Change 2022: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Contribution of Working Group II to the Sixth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge: Cambridge University Press; 2022. Verfügbar unter: https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg2/

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