PH-Wert: Was bedeutet der Laborwert?
Veröffentlicht am 19.10.2025

Der pH-Wert lässt Rückschlüsse auf den Säure-Basen-Haushalt zu. Quelle: Canva.de

Anna Liebig
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Oft gibt der pH-Wert erste Hinweise darauf, ob wir gesund sind oder ob etwas im Körper aus dem Gleichgewicht geraten ist. Er beschreibt, wie sauer oder basisch eine Flüssigkeit ist, und spielt eine zentrale Rolle für viele lebenswichtige Funktionen im Körper. In der medizinischen Diagnostik ist der pH-Wert daher ein wichtiger Messwert – sei es zur Beurteilung des Säure-Basen-Haushalts, zur Kontrolle der Atmung, bei Nierenfunktionsstörungen oder zur Beobachtung von Stoffwechselprozessen. Auch in der Vorsorge oder bei chronischen Erkrankungen kann die regelmäßige Kontrolle des pH-Werts Aufschluss über den Zustand des Körpers geben.
Doch was genau sagt der pH-Wert aus? Warum ist er so entscheidend für unsere Gesundheit?
Was ist der PH-Wert und wie wird er gemessen?
Vom Blut über den Magen bis hin zum Urin: In fast allen Bereichen des Körpers gibt es einen optimalen pH-Bereich, der möglichst konstant bleiben muss. Schon geringe Abweichungen können wichtige Abläufe stören oder auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Der pH-Wert ist eine Maßeinheit, die angibt, wie sauer oder basisch (alkalisch) eine wässrige Lösung ist. Die Abkürzung „pH“ steht für potentia Hydrogenii – also das „Maß der Wasserstoffionen-Konzentration“.
Die pH-Skala reicht von 0 bis 14:
- pH 0–6,9: sauer (z. B. Magensäure, Zitronensaft)
- pH 7: neutral (z. B. reines Wasser)
- pH 7,1–14: basisch/alkalisch (z. B. Seife, Natronlösung)
Gemessen wird der pH-Wert auf unterschiedliche Weise. Für einfache Tests, zum Beispiel zu Hause, kann man sogenannte pH-Teststreifen verwenden. Diese Papierstreifen verfärben sich beim Kontakt mit einer Flüssigkeit - anhand einer Farbskala lässt sich dann der ungefähre pH-Wert ablesen, zum Beispiel beim Urin. In der ärztlichen Praxis oder im Krankenhaus wird der pH-Wert meist mit elektronischen Messgeräten oder im Labor bestimmt, zum Beispiel im Rahmen einer Blutgasanalyse. Das ist besonders wichtig bei schwereren Erkrankungen, um den Säure-Basen-Haushalt des Körpers genau beurteilen zu können.
Welche Bedeutung haben die Wasserstoffionen in Bezug auf den pH-Wert?
Der pH-Wert zeigt an, wie viele Wasserstoffionen in einer Flüssigkeit, zum Beispiel im Blut, enthalten sind. Je mehr Wasserstoffionen vorhanden sind, desto niedriger ist der pH-Wert und die Flüssigkeit wird saurer. Sind weniger Wasserstoffionen da, steigt der pH-Wert und die Flüssigkeit wird weniger sauer. Der Körper sorgt deshalb dafür, dass die Menge dieser Teilchen immer genau richtig ist, damit alles gut funktioniert.
Bedeutung des PH-Werts für den Körper und die Gesundheit
Der pH-Wert ist für unseren Körper von zentraler Bedeutung, weil er das Gleichgewicht zwischen Säuren und Basen angibt – einen Zustand, der als Säure-Basen-Haushalt bezeichnet wird. Dieses Gleichgewicht beeinflusst viele lebenswichtige Prozesse, darunter den Sauerstofftransport im Blut, die Funktion von Enzymen und die Kommunikation zwischen Zellen.
Ein stabiler pH-Wert sorgt dafür, dass biochemische Reaktionen optimal ablaufen und unsere Organe richtig arbeiten können. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot, können verschiedene Beschwerden und Krankheiten entstehen. Zum Beispiel kann ein zu saurer pH-Wert im Blut (Azidose) zu Müdigkeit, Kopfschmerzen und sogar schwerwiegenden Organproblemen führen. Umgekehrt kann ein zu basischer pH-Wert (Alkalose) Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen oder Verwirrung verursachen.
Der Körper hat daher verschiedene Mechanismen, um den pH-Wert konstant zu halten, etwa durch die Lunge, die Kohlendioxid ausscheidet, und die Nieren, die überschüssige Säuren oder Basen regulieren. Diese Regulation ist so wichtig, dass Störungen des Säure-Basen-Haushalts oft sofort medizinisch behandelt werden müssen.
Welche Bereiche des Körpers werden durch den PH-Wert beeinflusst?
Der pH-Wert hat Einfluss auf viele verschiedene Bereiche unseres Körpers und ist entscheidend für deren optimale Funktion. Im Folgenden ist eine Übersicht wichtiger Körperbereiche und wie ihr pH-Wert die Gesundheit und Leistungsfähigkeit beeinflusst.
| Körperbereich | Typischer pH-Wert | Bedeutung/Funktion | Mögliche Störungen bei Abweichungen |
|---|---|---|---|
| Blut | 7,35–7,45 (leicht basisch) | Sichert Sauerstofftransport und Zellfunktion | Azidose (zu sauer), Alkalose (zu basisch), beeinträchtigte Organfunktion |
| Magen | 1,0–3,0 (stark sauer) | Zersetzt Nahrung, tötet Keime | Magenschleimhautentzündung, Sodbrennen, Reflux |
| Haut | 4,5–5,5 (leicht sauer) | Schützt vor Bakterien und Pilzen | Trockene Haut, Ekzeme, Infektionen |
| Mundraum | 6,2–7,6 (leicht sauer bis neutral) | Verhindert Bakterienwachstum, schützt Zahnschmelz | Karies, Zahnfleischentzündungen, Mundgeruch |
| Darm (Dickdarm) | 5,5–7,0 (je nach Abschnitt) | Fördert gesunde Darmflora und Verdauung | Blähungen, Reizdarm, Störung der Nährstoffaufnahme |
| Nieren | – (regulierend, nicht messbar) | Regulieren pH im Blut durch Ausscheidung | Störung des Säure-Basen-Haushalts, chronische Nierenerkrankung |
| Lunge | – (indirekt über CO₂) | Atmung beeinflusst den pH-Wert im Blut | Ateminsuffizienz, Übersäuerung (bei Atemstillstand oder Lungenerkrankungen) |
| Urin | 4,5–8,0 (schwankt individuell) | Spiegelt Stoffwechsel, Ernährung und pH-Regulation wider | Harnsteine, Infekte, Hinweis auf Stoffwechselstörungen |
| Muskelgewebe | ca. 6,0–7,0 (variiert bei Belastung) | Wichtig für Muskelkraft und Ausdauer | Übersäuerung, Muskelkrämpfe, schnelle Ermüdung |
Ursachen für Abweichungen im pH-Wert
Der pH-Wert im Körper kann durch verschiedene innere und äußere Einflüsse aus dem Gleichgewicht geraten.
Stoffwechselbedingte Ursachen
- Diabetes mellitus (besonders Typ 1): Kann zu einer sogenannten Ketoazidose führen, einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes.
- Nierenerkrankungen: Die Nieren können überschüssige Säuren nicht mehr ausreichend ausscheiden, was zu einer chronischen Azidose führt.
- Störungen im Elektrolythaushalt: Ein Ungleichgewicht von Mineralstoffen (z. B. Kalium, Natrium) beeinflusst den pH-Wert.
Atmungsbedingte Ursachen
- Lungenerkrankungen (z.B. COPD, Asthma): Eine unzureichende Abatmung von Kohlendioxid (CO₂) erhöht den Säuregehalt im Blut.
- Hyperventilation: Durch zu schnelles Atmen wird zu viel CO₂ abgeatmet, der pH-Wert steigt (respiratorische Alkalose).
Ernährung und Lebensstil
- Flüssigkeitsmangel: Erschwert die Ausscheidung von Säuren über die Nieren.
- Alkohol- und Nikotinkonsum: Wirkt sich negativ auf die pH-Regulation aus.
Medikamente und medizinische Behandlungen
- Entwässerungstabletten (Diuretika): Können den Elektrolythaushalt stören.
- Langfristige Einnahme von Säureblockern oder Antazida: Kann das Gleichgewicht im Magen verändern.
- Infusionstherapien oder künstliche Ernährung: Können bei falscher Zusammensetzung den pH-Wert verschieben.
Akute körperliche Belastung
- Intensiver Sport: Führt kurzfristig zu einer erhöhten Milchsäureproduktion im Muskel, dadurch kann der pH-Wert im Muskelgewebe sinken (Muskelübersäuerung).
- Fieber oder schwere Infektionen: Können den Stoffwechsel stark beeinflussen.
Wie kann man den pH-Wert regulieren und ausbalancieren?
Der pH-Wert ist im Körper eng mit dem Säure-Basen-Haushalt verknüpft und wird durch verschiedene physiologische Systeme stabil gehalten. Das Puffersystem im Körper, wie zum Beispiel der Bicarbonat-Puffer, reagiert innerhalb von Sekunden und kann kurzfristige Schwankungen des pH-Werts effektiv ausgleichen. Die Lunge trägt ebenfalls zur Regulation des pH-Werts bei, indem sie Kohlendioxid (CO₂), ein saures Stoffwechselprodukt, abatmet. Eine gesteigerte Atmung führt dabei zu einer Senkung des CO₂-Gehalts im Blut und damit zu einer Erhöhung des pH-Werts, also einer Alkalisierung. Langfristig übernehmen die Nieren die Regulation, indem sie überschüssige Säuren oder Basen über den Urin ausscheiden und so den Säure-Basen-Haushalt nachhaltig stabilisieren.
Eine pH-Wert-Störung kann entweder metabolisch (z.B. durch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Niereninsuffizienz) oder respiratorisch (z.B. durch Atemwegserkrankungen) bedingt sein. Die medizinische Unterscheidung erfolgt in Azidose (Übersäuerung, pH < 7,35) und Alkalose (Basenüberschuss, pH > 7,45).
Zur Diagnostik wird eine Blutgasanalyse durchgeführt, bei der pH-Wert, Bicarbonat (HCO₃⁻) und Kohlendioxid-Partialdruck (pCO₂) bestimmt werden. Dies ermöglicht die Einordnung der Ursache und Art der Störung (metabolisch oder respiratorisch).
Therapie Azidose
| Typ | Symptome | Therapie |
|---|---|---|
| Metabolische Azidose | Übelkeit, Atemnot (Kussmaul-Atmung), Schwäche, Verwirrtheit | • Bicarbonatgabe (oral/intravenös, je nach Schwere) • Grunderkrankung behandeln • Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich |
| Respiratorische Azidose | CO₂-Retention (erhöhter Kohlendioxidgehalt im Blut, meist infolge unzureichender Atmung), Müdigkeit, Kopfschmerz, Bewusstseinsstörung | • Verbesserung der Ventilation (z. B. Sauerstoffgabe, Beatmung) • Atemwegstherapie • Medikamente (z. B. Bronchodilatatoren) |
Therapie Alkalose
| Typ | Symptome | Therapie |
|---|---|---|
| Metabolische Alkalose | Muskelkrämpfe, Reizbarkeit, Herzrhythmusstörungen | • Ausgleich von Kalium und Chlorid • Volumengabe (NaCl) • Diuretika anpassen oder absetzen |
| Respiratorische Alkalose | Schwindel, Kribbeln, Benommenheit | • Atemtherapie • Beruhigung / Rückatmung (z. B. in Tüte) • ggf. psychologische Betreuung |
Hinweis: Diese Tabellen geben eine vereinfachte Übersicht. In der klinischen Praxis muss die Therapie immer individuell nach Ursache, Laborwerten und Begleiterkrankungen abgestimmt werden.
Fazit
Der pH-Wert ist ein zentraler Parameter für viele lebenswichtige Funktionen im Körper. Ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt ist entscheidend für die Stabilität des inneren Milieus, die Funktion von Enzymen, die Zellgesundheit und den Stoffwechsel. Störungen – sei es in Form von Azidose oder Alkalose – können ernsthafte gesundheitliche Folgen haben und erfordern eine gezielte medizinische Abklärung und Behandlung. Neben körpereigenen Regulationsmechanismen spielen auch Atmung, Nierenfunktion und Lebensstil eine wichtige Rolle bei der pH-Balance.
Häufige Fragen zum pH-Wert
Kann man den pH-Wert selbst messen?
Ja, den pH-Wert kann man in bestimmten Körperflüssigkeiten wie Urin oder Speichel selbst messen – zum Beispiel mit pH-Teststreifen aus der Apotheke. Diese Selbsttests geben jedoch nur einen groben Hinweis und ersetzen keine medizinische Diagnostik, insbesondere nicht bei Blutwerten.
Welcher pH-Wert ist bedenklich?
Ein Blut-pH-Wert unter 7,35 (Azidose) oder über 7,45 (Alkalose) gilt als bedenklich und kann auf eine ernsthafte Störung des Säure-Basen-Haushalts hinweisen. Solche Abweichungen sollten medizinisch abgeklärt und behandelt werden, da sie die Körperfunktionen stark beeinträchtigen können.
Welcher pH-Wert im Urin ist gefährlich?
Ein stark saurer Urin mit einem pH-Wert unter etwa 4,5 oder ein sehr basischer Urin über etwa 8,0 kann auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Solche Werte sollten ärztlich untersucht werden, da sie auf Infektionen, Stoffwechselstörungen oder andere Erkrankungen hindeuten können.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- AMBOSS SE, Kapitel: Säure-Basen-Haushalt; Kapitel zuletzt aktualisiert am 04.06.2025, Stand: 28.09.2025; https://next.amboss.com/de/article/Io0YWS?q=pH-wert
- Duale Reihe, Jan C. Behrends et. al.,4. Auflage (2021), Thieme, Kapitel: Säure-Basen-Haushalt, S. 730-733
- DocCheck Flexikon, Dr. Frank Antwerpes et. al., pH-Wert; abgerufen am 28.09.2025 von https://flexikon.doccheck.com/de/PH-Wert
- DocCheck Flexikon, Georg Graf von Westphalen et. al., Säure-Basen-Haushalt; abgerufen am 28.09.2025 von https://flexikon.doccheck.com/de/S%C3%A4ure-Basen-Haushalt
- netDoktor, Lena Machetanz, pH-Wert; abgerufen am 28.09.2025 von https://www.netdoktor.de/laborwerte/ph-wert/
- Berufsverband deutscher Internistinnen und Internisten, Internisten im Netz, Ihre Experten für Innere Medizin, pH-Wert; abgerufen am 28.09.2025 von https://www.internisten-im-netz.de/mediathek/blutbild-erklaerung/ph-wert.html











