Eine Pflegefachausbildung wird unter Azubis mit nicht-deutschem Pass immer beliebter. Gerade in den letzten Jahren ist der Anteil internationaler Auszubildender im Gesundheitswesen enorm gestiegen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Bundesagentur für Arbeit zufolge der Anteil der Beschäftigten ohne deutsche Staatsbürgerschaft von 5 auf 16 Prozent erhöht. Das kommt vielen Einrichtungen in Deutschland zugute.
Gesundheits- und Pflegeberufe zunehmend international besetzt
Auch die Ausbildungsstätten des Gesundheitswesens verzeichnen einen wachsenden Anteil internationaler Auszubildender. In Berlin liegt der Anteil nicht-deutscher Azubis inzwischen bei rund 36 Prozent, in Brandenburg bei fast 18 Prozent, wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in einer aktuellen Pressemitteilung berichtete. Es sei somit ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren zu erkennen. Die meisten Auszubildenden mit ausländischer Staatsangehörigkeit wählen eine Ausbildung zur Pflegefachfrau oder Pflegefachmann. In Berlin machte sie im Jahr 2024 mit 3.076 Personen rund 47 Prozent der insgesamt 6.546 Auszubildenden in diesem Beruf aus. In Brandenburg lag der Anteil bei etwa 23 Prozent.
Laut Bundesagentur kommen dabei immer weniger Pflegekräfte aus dem Europäischen Wirtschaftsraum und der Schweiz. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr nur um 3.000. Arbeitgeber suchten daher schon länger Personal auch außerhalb der Europäischen Union, wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet. Viele der internationalen Pflege-Azubis stammen aus Ländern wie Vietnam, den Philippinen, Bosnien oder Kroatien.
Warum Fachkräfte aus dem Ausland in der Pflegebranche wichtig sind
Da der Personalmangel in der Pflege immer noch groß ist, sind Fachkräfte aus dem Ausland besonders wichtig für den Sektor. Der Bedarf an Pfleger:innen wächst seit Jahren. Als Hauptursache dafür gilt der demografische Wandel. Was in vielen Berufsfeldern spürbar ist, trifft auf die Pflege in besonderem Maße zu: Je älter die Bevölkerung wird, desto mehr wird die Arbeit. Zusätzlich gehen immer mehr ältere Angestellte in den nächsten Jahren in den Ruhestand.
Anna Liebig
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Ein weiteres Problem: Viele Azubis brechen ihre Ausbildung hierzulande in den ersten Jahren ab. Auch dies führt dazu, dass immer weniger erwerbstätige Menschen eine immer älter werdende Bevölkerung versorgen müssen. Die gezielte und faire Anwerbung von Pflegepersonal aus dem Ausland daher immer wichtiger wird.
Warum so viele Auszubildende in der Pflege abbrechen
Zahlen des Bundesfamilienministeriums zeigen, dass rund 30 Prozent der Auszubildenden ihre Arbeitsverträge vorzeitig auflösen. Obwohl dies nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass es sich um das Ende der Ausbildung handelt, ist die Abbrecherquote in der Pflege besorgniserregend, wie Dana Wiens, Leiterin des Geschäftsbereichs Pflegeschulen der Deutschen Angestellten-Akademie in Nordrhein-Westfalen, gegenüber der Tagesschau berichtete.
Die Gründe für die Abbrüche sind vielfältig. Häufig erleben die Schüler allerdings einen "Realitätsschock": Viele ältere Pflegekräfte sind durch die schwierigen Arbeitsbedingungen in der Pflege überlastet. Pflegebedürftige sind heute im Durchschnitt zudem älter und weisen häufig komplexere Krankheitsbilder auf. Auf der anderen Seite gibt es zu wenig Personal sowie Bewerber:innen, deren Ausbildungsniveau immer mehr sinkt. Auch die Arbeitszeiten durch den Schichtdienst scheinen abzuschrecken.
Lösungsvorschläge: Mehr Auszubildende aus dem Ausland und Sprachförderung
Um diese Lücken zu schließen, hat die bayerische Staatsregierung 2023 die Einreise von Pflegekräften aus Nicht-EU-Ländern durch die schnellere Anerkennung von Berufsabschlüssen erleichtert. Aber auch unter ausländischen Azubis ihnen gibt es eine ähnliche Abbrecherquote, jedoch zum Teil aus anderen Gründen. So spielen oft sprachliche Barrieren eine Rolle.
Manche Pflegeschulen setzen bereits erfolgreich auf Mentoring-Programme, die neuen Azubis den Einstieg erleichtern – insbesondere bei sprachlichen und kulturellen Herausforderungen. Nicht nur Sprachkurse vor der Ausbildung sind wichtig – auch begleitende Angebote während der Ausbildung. Besonders effektiv erweisen sich berufsbezogene Deutschkurse, die parallel zur Ausbildung stattfinden. Auch Tandem-Programme mit deutschsprachigen Azubis können helfen.
Mehr ausländische Fachkräfte in der Pflege: Strukturelle Probleme angehen
Langfristig sind jedoch auch strukturelle Verbesserungen nötig: Bessere Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung und mehr gesellschaftliche Anerkennung für Pflegeberufe können dazu beitragen, dass mehr junge Menschen – egal welcher Herkunft – in der Pflege bleiben.
Die Pflege ist auf internationale Nachwuchskräfte angewiesen. Damit diese langfristig bleiben, braucht es nicht nur bürokratische Erleichterungen, sondern auch echte Willkommenskultur, Bildungsoffensiven und bessere Arbeitsbedingungen. Nur so kann der Pflegeberuf auch in Zukunft attraktiv bleiben.
Vorteile der Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland
Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland bietet zahlreiche Vorteile für Wirtschaft und Gesellschaft. Unternehmen können dringend benötigte Stellen schneller besetzen und dem Fachkräftemangel gezielt entgegenwirken – insbesondere in Branchen wie Pflege, IT oder Handwerk. Internationale Fachkräfte bringen nicht nur fachliches Know-how, sondern auch neue Perspektiven, interkulturelle Kompetenzen und oft mehrsprachige Fähigkeiten mit, die die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Betrieben stärken. Gleichzeitig fördert die gezielte Zuwanderung den kulturellen Austausch und trägt langfristig zu einer vielfältigeren und offenen Gesellschaft bei.
Quellen:
Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. (2025). Pflegekräfte in Berlin und Brandenburg: Daten 2024. Abgerufen am 21. Juli 2025, von https://www.statistik-berlin-brandenburg.de/100-2025
Deutsches Ärzteblatt. (2025). Bundesagentur: Pflege würde ohne ausländische Kräfte kollabieren. Abgerufen am 21. Juli 2025, von https://www.aerzteblatt.de/news/bundesagentur-pflege-wurde-ohne-auslandische-krafte-kollabieren-3b63e4d8-7073-40e1-9043-442a1ba75522
Tagesschau. (2024). Hohe Abbruchquote bei Pflegeausbildung – Viele verlassen den Beruf frühzeitig. Abgerufen am 21. Juli 2025, von https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/pflege-ausbildung-abbrecher-100.html