Anamnese: Ablauf und Inhalte

Veröffentlicht am 04.04.2026

Eine Person hält ein Klemmbrett und einen Stift in den Händen.

Die Anamnese sollte strukturiert und einfühlsam erfolgen. Quelle: Canva

Die Anamnese bildet eine wichtige Grundlage für eine professionelle und individuelle Pflege. Sie hilft dir dabei, die gesundheitliche Situation, die Bedürfnisse und die Lebensumstände einer pflegebedürftigen Person besser zu verstehen. Nur wenn du diese Informationen kennst, kannst du eine passende Pflege planen und durchführen. Während der Anamnese sammelst du gezielt Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand, bestehende Erkrankungen, Medikamente sowie über persönliche Gewohnheiten und Ressourcen. Gleichzeitig lernst du die Person näher kennen und baust eine erste Vertrauensbasis auf.

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Definition und Bedeutung: Was ist eine Anamnese in der Pflege?

Die Anamnese spielt eine zentrale Rolle in der professionellen Pflege. Durch gezielte Fragen und aufmerksame Beobachtungen sammelst du wichtige Informationen über den aktuellen Gesundheitszustand, bestehende Erkrankungen, persönliche Gewohnheiten und individuelle Bedürfnisse.

Diese Informationen bilden die Grundlage für den gesamten Pflegeprozess. Wenn du eine sorgfältige Anamnese durchführst, erkennst du frühzeitig mögliche Pflegeprobleme, Risiken oder Einschränkungen. Gleichzeitig kannst du vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten der Person feststellen. Dadurch wird es dir möglich, Pflegeziele realistisch zu formulieren und geeignete Pflegemaßnahmen zu planen.

Die Anamnese unterstützt dich außerdem dabei, eine individuelle und personenzentrierte Pflege umzusetzen. Jeder Mensch hat unterschiedliche Lebensgewohnheiten, Erfahrungen und Bedürfnisse. Indem du diese Aspekte während der Anamnese berücksichtigst, kannst du die Pflege besser an die jeweilige Situation anpassen.

Anna Liebig

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Darüber hinaus fördert die Anamnese eine vertrauensvolle Beziehung zwischen dir und der pflegebedürftigen Person. Wenn du aufmerksam zuhörst, respektvoll nachfragst und auf Sorgen oder Wünsche eingehst, fühlt sich die Person ernst genommen. Das kann die Zusammenarbeit im Pflegealltag deutlich erleichtern.

Gut zu wissen!
Auch für die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team ist eine sorgfältige Anamnese wichtig. Die gesammelten Informationen helfen Pflegekräften, Ärzt:innen sowie anderen Berufsgruppen dabei, Entscheidungen besser aufeinander abzustimmen und eine sichere Versorgung zu gewährleisten.

Was ist der Unterschied zwischen Anamnese und Diagnose?

Nachdem du die Bedeutung der Anamnese in der Pflege kennengelernt hast, ist es hilfreich, sie von anderen medizinischen Begriffen abzugrenzen. Besonders häufig wird die Anamnese mit der Diagnose verwechselt. Die folgende Tabelle zeigt dir die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.

Anamnese Diagnose
Bezeichnet das systematische Sammeln von Informationen über den Gesundheitszustand und die Lebenssituation einer Person. Beschreibt die medizinische Feststellung einer Krankheit oder eines Gesundheitsproblems.
Erfolgt meist durch Gespräche, Fragen und Beobachtungen. Wird auf Grundlage von Untersuchungen, Testergebnissen und der Anamnese gestellt.
Liefert wichtige Grundlagen und Hinweise für die weitere Einschätzung der Situation. Dient dazu, eine konkrete medizinische Einordnung vorzunehmen.
Wird häufig von Pflegefachkräften oder medizinischem Personal durchgeführt. Wird in der Regel von Ärzt:innen gestellt.

Ziele der Pflegeanamnese – Was wird bei der Anamnese erfragt?

Mit der Anamnese verfolgst du mehrere konkrete Ziele, die dir helfen, die Pflegesituation strukturiert zu erfassen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Dabei geht es nicht nur um das Sammeln von Informationen, sondern auch darum, ein umfassendes Verständnis für die individuelle Situation einer Person zu entwickeln.

  • Ein vollständiges Bild der Pflegesituation gewinnen
    Du sammelst relevante Informationen aus verschiedenen Lebensbereichen, um die aktuelle Situation möglichst ganzheitlich zu erfassen.
  • Individuelle Pflegeziele ableiten
    Auf Grundlage der erhobenen Informationen kannst du realistische und nachvollziehbare Pflegeziele formulieren.
  • Den Unterstützungsbedarf einschätzen
    Du erkennst, in welchen Bereichen eine Person Hilfe benötigt und wo noch Selbstständigkeit besteht.
  • Risiken systematisch erfassen
    Die Anamnese hilft dir dabei, mögliche Gefährdungen frühzeitig wahrzunehmen und präventive Maßnahmen zu planen.
  • Wichtige Hintergrundinformationen sammeln
    Angaben zu Lebensgewohnheiten, bisherigen Erfahrungen oder zum sozialen Umfeld helfen dir, die Pflegesituation besser einzuordnen.
  • Eine strukturierte Dokumentationsgrundlage schaffen
    Die erhobenen Daten bilden eine wichtige Basis für die weitere pflegerische Dokumentation und für spätere Anpassungen der Pflege.
  • Den weiteren Pflegeprozess vorbereiten
    Die Ergebnisse der Anamnese unterstützen dich dabei, die nächsten Schritte im Pflegeprozess gezielt zu planen und umzusetzen.

Formen der Anamnese – welche Arten von Anamnese gibt es?

Bevor du eine Anamnese durchführst, solltest du wissen, dass sie in der Pflege in verschiedenen Formen auftreten kann. Je nach Situation, Gesundheitszustand der betroffenen Person und verfügbarer Informationsquelle nutzt du unterschiedliche Anamneseformen, um möglichst vollständige Angaben zu erhalten. Die folgende Übersicht zeigt dir die wichtigsten Formen der Anamnese und ihre Bedeutung in der pflegerischen Praxis.

Form der Anamnese Definition Anamnese-Beispiel
Eigenanamnese Die pflegebedürftige Person gibt selbst Auskunft über ihre Gesundheit, Beschwerden und Lebensgewohnheiten. Diese Form liefert oft die direktesten Informationen über das persönliche Erleben. Eine Patientin beschreibt ihre Schmerzen, ihre Schlafprobleme oder ihre bisherigen Erkrankungen selbst.
Fremdanamnese Informationen werden von anderen Personen eingeholt, wenn die betroffene Person selbst keine oder nur eingeschränkte Angaben machen kann. Angehörige berichten über den Alltag eines demenziell erkrankten Bewohners.
Pflegeanamnese Hier erfassen Pflegekräfte pflegespezifische Informationen, zum Beispiel zur Selbstständigkeit, zu Ressourcen oder zum Unterstützungsbedarf. Du fragst nach Mobilität, Körperpflege, Ernährung oder Ausscheidung.
Sozialanamnese Diese Form konzentriert sich auf das soziale Umfeld und die Lebenssituation der Person. Informationen über Wohnsituation, familiäre Unterstützung oder soziale Kontakte werden gesammelt.
Biografische Anamnese Hier geht es um wichtige Lebensereignisse, Gewohnheiten und persönliche Vorlieben, die für eine individuelle Pflege relevant sind. Ein Bewohner erzählt von früheren Berufen, Hobbys oder täglichen Ritualen.
Medikamentenanamnese Dabei erfasst du alle aktuell eingenommenen Medikamente sowie mögliche Unverträglichkeiten. Du dokumentierst Wirkstoffe, Dosierungen und Einnahmezeiten.

Inhalte der Pflegeanamnese – was gehört zur pflegerischen Anamnese?

Damit du die Pflegesituation umfassend einschätzen kannst, erfasst du während der Pflegeanamnese verschiedene Lebens- und Gesundheitsbereiche. Diese Informationen helfen dir dabei, die Situation einer Person ganzheitlich zu verstehen und die weitere Pflege darauf abzustimmen. Zu den wichtigsten Inhalten der Pflegeanamnese gehören:

  • Allgemeine Personendaten
    Name, Alter, Geschlecht, Kontaktpersonen, Angehörige oder gesetzliche Betreuung.
  • Aktuelle gesundheitliche Situation
    Bestehende Diagnosen, aktuelle Beschwerden, Schmerzen oder kürzlich aufgetretene gesundheitliche Veränderungen.
  • Vorerkrankungen und medizinische Vorgeschichte
    Chronische Erkrankungen, frühere Operationen, Krankenhausaufenthalte oder relevante medizinische Behandlungen.
  • Medikamente
    Aktuell eingenommene Medikamente, Dosierungen, Einnahmezeiten sowie mögliche Nebenwirkungen.
  • Allergien und Unverträglichkeiten
    Bekannte Reaktionen auf Medikamente, Lebensmittel oder andere Stoffe.
  • Mobilität und Bewegung
    Fähigkeit zur selbstständigen Fortbewegung, Nutzung von Hilfsmitteln oder bestehende Bewegungseinschränkungen.
  • Körperpflege und Selbstversorgung
    Grad der Selbstständigkeit bei alltäglichen Aktivitäten wie Waschen, Ankleiden oder Zähneputzen.
  • Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme
    Essgewohnheiten, besondere Ernährungsformen, Appetit sowie mögliche Probleme beim Essen oder Trinken.
  • Ausscheidung
    Informationen zur Blasen- und Darmfunktion sowie mögliche Unterstützungsbedarfe.
  • Schlaf und Ruhe
    Schlafrhythmus, Schlafqualität oder mögliche Schlafstörungen.
  • Vegetative Anamnese
    Dabei erfasst du grundlegende Körperfunktionen wie Schlaf, Appetit, Verdauung, Schwitzen oder Gewichtsentwicklung. Veränderungen in diesen Bereichen können wichtige Hinweise auf gesundheitliche Probleme geben und unterstützen dich bei der Einschätzung der Gesamtsituation.
  • Psychische und kognitive Situation
    Orientierung, Gedächtnis, Stimmung sowie mögliche kognitive Einschränkungen.
  • Soziale Situation
    Wohnsituation, familiäre Unterstützung, soziale Kontakte und vorhandene Hilfsangebote.
  • Ressourcen und Fähigkeiten
    Fähigkeiten, Stärken und Aktivitäten, die die Person weiterhin selbstständig ausführen kann.

Ablauf einer Anamnese in der Pflege – Beispiel aus der Praxis

Eine Anamnese folgt einem klaren Ablauf. Der erste Schritt besteht in der Vorbereitung. Dazu gehört, dass du alle notwendigen Unterlagen bereitlegst, den Ablauf des Gesprächs planst und einen ruhigen, ungestörten Rahmen für das Gespräch sicherstellst. Auch Datenschutz und Schweigepflicht solltest du von Beginn an beachten, um die pflegebedürftige Person zu schützen.

Im Anschluss erfolgt die Durchführung des Gesprächs. Hier stellst du gezielte Fragen, hörst aufmerksam zu und beobachtest die Person genau. Offene Fragen helfen, ausführliche Antworten zu erhalten, während geschlossene Fragen gezielt Details klären. Zusätzlich zu den verbalen Informationen achtest du auf Körpersprache, Mimik und mögliche Einschränkungen, die Hinweise auf den Gesundheitszustand oder den Unterstützungsbedarf geben können.

Parallel zur Gesprächsführung werden oft ergänzende Beobachtungen gemacht. Dazu gehört zum Beispiel die Einschätzung der Mobilität, der Feinmotorik oder der allgemeinen körperlichen Verfassung. Auch das Verhalten während des Gesprächs oder Anzeichen von Unwohlsein können wichtige Hinweise liefern. Diese Beobachtungen ergänzen die Informationen aus dem Gespräch und tragen zu einem vollständigen Bild bei.

Der letzte Schritt im Ablauf ist die Dokumentation. Alle erhobenen Daten werden strukturiert und nachvollziehbar festgehalten, entweder in standardisierten Anamnesebögen, Pflegeformularen oder in digitaler Form. Eine sorgfältige Dokumentation ist entscheidend, damit alle beteiligten Pflegekräfte und Fachkräfte die Informationen nutzen können und der Pflegeprozess darauf abgestimmt wird. So stellst du sicher, dass die Pflege individuell, sicher und professionell umgesetzt werden kann.

Hinweis für den Alltag!
Plane genug Zeit ein, bereite alle Unterlagen vor und schaffe eine ruhige Gesprächsatmosphäre – so gelingt eine strukturierte und vollständige Anamnese.

Methoden und Instrumente der Anamnese

Bevor du mit der Anamnese beginnst, ist es wichtig zu wissen, welche Methoden und Instrumente dir dabei helfen können, Informationen systematisch zu erfassen. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über die gängigsten Werkzeuge und Vorgehensweisen, die in der Pflegepraxis eingesetzt werden.

Methode / Instrument Definition Praxisbeispiel
Strukturierte Anamnesebögen Vorgefertigte Fragebögen, die alle wichtigen Themenbereiche systematisch abdecken. Du nutzt einen standardisierten Bogen, um Mobilität, Ernährung und Schlafgewohnheiten zu erfassen.
Pflegeanamnesemodelle Wissenschaftlich fundierte Modelle wie AEDL, ATL oder ABEDL, die verschiedene Lebens- und Funktionsbereiche berücksichtigen. Du wendest das AEDL-Modell an, um Aktivitäten des täglichen Lebens gezielt zu erfassen.
Offene Gespräche / Interviews Freie Gesprächsführung, bei der die Person über ihre Situation, Wünsche und Erfahrungen erzählt. Du führst ein persönliches Gespräch, um persönliche Vorlieben oder Sorgen zu erfahren.
Beobachtung Systematische Beobachtung von Verhalten, Bewegungen und körperlichen Anzeichen während der Pflege oder im Alltag. Du stellst fest, dass eine Person beim Aufstehen unsicher ist und zusätzliche Unterstützung benötigt.
Assessmentinstrumente Standardisierte Tests oder Skalen zur Bewertung bestimmter Bereiche, z. B. Sturzrisiko, Schmerz oder Ernährung. Verwendung der Braden-Skala zur Einschätzung des Dekubitusrisikos oder der Mini-Mental-Status-Test für kognitive Fähigkeiten.
Dokumentation / elektronische Systeme Erfassung und Speicherung der Anamnesedaten in Pflegeunterlagen oder digitalen Pflegesystemen. Alle Ergebnisse werden in der elektronischen Patientenakte dokumentiert und für das Team zugänglich gemacht.

Wer darf eine Anamnese machen?

In der Pflege wird die Anamnese in der Regel von qualifizierten Pflegefachkräften durchgeführt. Sie verfügen über die notwendige Ausbildung, um gesundheitliche, pflegerische und soziale Informationen systematisch zu erfassen und richtig einzuordnen.

Je nach Situation können auch Ärzt:innen, Therapeut:innen oder andere Fachkräfte ergänzende anamnestische Informationen erheben, die anschließend in die weitere Versorgung einfließen.

Herausforderungen in der Anamnese

Die Durchführung einer Anamnese ist ein zentraler Bestandteil der Pflege, bringt aber auch einige Herausforderungen mit sich, die du kennen solltest. Eine der größten Schwierigkeiten besteht darin, dass nicht alle Personen in der Lage sind, vollständige oder verlässliche Auskünfte über ihre Gesundheit zu geben. Gründe dafür können Sprachbarrieren, kognitive Einschränkungen wie Demenz oder akute Erkrankungen sein. In solchen Fällen musst du auf alternative Informationsquellen wie Angehörige oder medizinische Unterlagen zurückgreifen und besonders aufmerksam beobachten.

Ein weiteres Hindernis kann die Kommunikation selbst sein. Manche Personen fühlen sich unwohl, sind schüchtern oder misstrauisch und geben deshalb nur begrenzte Informationen preis. Hier ist es wichtig, Vertrauen aufzubauen, offene Fragen zu stellen und aktiv zuzuhören, um die relevanten Informationen dennoch zu erhalten. Gleichzeitig musst du sensibel sein, welche Fragen wann angemessen sind, um die Privatsphäre der Person zu respektieren.

Zeitdruck und organisatorische Rahmenbedingungen stellen ebenfalls eine Herausforderung dar. In einem vollen Pflegealltag ist es oft schwierig, ausreichend Zeit für ein ausführliches Anamnesegespräch einzuplanen. Dennoch ist eine sorgfältige Erhebung notwendig, um Fehlentscheidungen oder unzureichende Pflege zu vermeiden.

Schließlich kann die Dokumentation der Anamnese ebenfalls problematisch sein, insbesondere wenn Informationen unvollständig oder inkonsistent erfasst werden. Eine strukturierte Vorgehensweise, standardisierte Bögen und digitale Systeme können dabei helfen, die Qualität der Daten sicherzustellen und die Zusammenarbeit im Pflegeteam zu erleichtern.

Die bewusste Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen hilft dir, die Anamnese professionell und sorgfältig durchzuführen, auch unter schwierigen Bedingungen, und trägt so zu einer sicheren und individuellen Pflege bei.

Hinweis für den Alltag:
Nutze alternative Informationsquellen wie Angehörige oder Beobachtungen und baue durch offene Fragen Vertrauen auf – das hilft, auch bei eingeschränkter Auskunftsfähigkeit alle relevanten Informationen zu erfassen.

Fazit: Anamnese als Grundlage professioneller Pflege

Die Anamnese ist weit mehr als das Abfragen von Daten, sie legt den Grundstein für eine ganzheitliche und personenzentrierte Pflege. Durch den gezielten Einsatz verschiedener Methoden und Instrumente kannst du die Situation einer Person umfassend einschätzen und auf Veränderungen flexibel reagieren.

Auch wenn Kommunikation, Zeitdruck oder eingeschränkte Auskunftsfähigkeit Herausforderungen darstellen, hilft eine strukturierte Vorgehensweise dabei, alle relevanten Aspekte zu berücksichtigen. Wer aufmerksam beobachtet, empathisch nachfragt und sorgfältig dokumentiert, schafft eine sichere Basis für fundierte Entscheidungen und eine Pflege, die individuell auf die Bedürfnisse jeder Person zugeschnitten ist.

Häufige Fragen zur Anamnese

Was ist der Unterschied zwischen Eigen- und Fremdanamnese?

Die Eigenanamnese basiert auf den Informationen, die die pflegebedürftige Person selbst gibt. Bei der Fremdanamnese werden Informationen von Angehörigen, Betreuenden oder medizinischem Personal eingeholt. Beide Formen ergänzen sich, um ein vollständiges Bild zu erhalten.

Was bedeutet „Anamnese“ auf Deutsch?

Der Begriff „Anamnese“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Erinnerung“ oder „Zurückerinnern“. In der Pflege bezeichnet er das gezielte Erheben von Informationen über den Gesundheitszustand, die Lebensumstände und Bedürfnisse einer Person. So erhält die Pflegekraft eine Grundlage für eine individuelle und sichere Pflegeplanung.

Wie lange sollte eine Anamnese dauern?

Die Dauer hängt von der Komplexität der Situation und der Kommunikationsfähigkeit der Person ab. Ein ausführliches Gespräch kann zwischen 30 und 60 Minuten dauern. Wichtig ist, dass ausreichend Zeit für Fragen, Beobachtungen und Dokumentation bleibt.

Welche Informationen sind für die Pflege am wichtigsten?

Neben Diagnosen und Medikamenten zählen Selbstständigkeit, Ressourcen, Lebensgewohnheiten und soziale Unterstützung zu den zentralen Informationen. Auch Beobachtungen zu Mobilität, Ernährung und psychischem Zustand sind entscheidend. Sie bilden die Grundlage für eine individuelle Pflegeplanung.

Welche Hilfsmittel unterstützen eine strukturierte Anamnese?

Strukturierte Anamnesebögen, Pflegeanamnesemodelle wie AEDL oder ATL und digitale Dokumentationssysteme erleichtern die Erfassung. Zusätzlich helfen Beobachtungen und standardisierte Assessments, relevante Daten zu ergänzen. So stellst du sicher, dass keine wichtigen Informationen verloren gehen.

Was tun, wenn die Person keine Auskunft geben kann?

Greife auf Fremdanamnese durch Angehörige oder Betreuende zurück und ergänze die Informationen durch gezielte Beobachtungen. Standardisierte Assessments können weitere Hinweise liefern. Dokumentiere alle Quellen sorgfältig, um die Pflege nachvollziehbar und sicher zu gestalten.

Wer darf eine Anamnese durchführen?

Grundsätzlich führen professionell ausgebildete Pflegekräfte die Pflegeanamnese durch, da sie speziell geschult sind, gesundheitliche, pflegerische und soziale Aspekte zu erfassen. Ergänzend können Ärzt:innen, Therapeut:innen oder andere Fachkräfte relevante Informationen beisteuern. Wichtig ist, dass die Person, die die Anamnese macht, die Ergebnisse korrekt dokumentiert und für den Pflegeprozess nutzbar macht.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. AMBOSS SE, Kapitel: Anamnese; zuletzt aktualisiert am 22.05.2025, Stand: 10.03.2026; https://next.amboss.com/de/article/En08Eg?q=anamnese
  2. DocCheck Flexikon, Dr. Frank Antwerpes et. al., Anamnese; aufgerufen am 10.03.2026 von https://flexikon.doccheck.com/de/Anamnese
  3. DocCheck Flexikon, Dr. Frank Antwerpes et. al., Pflegeanamnese; aufgerufen am 10.03.2026 von https://flexikon.doccheck.com/de/Pflegeanamnese
  4. Universitätsklinikum Gießen, Leitfaden „Pflegeanamnese“; aufgerufen am 10.03.2026 von https://www.ukgm.de/ugm_2/deu/ugi_pfl/PDF/leitfaden.pdf

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