Hitzewelle in der Pflege: Sieben Tipps für Pflegekräfte und Bewohner:innen
Veröffentlicht am 14.08.2025

Bei hohen Temperaturen sollten sich Pflegebedürftige nicht zu lange in der Sonne aufhalten. Quelle: Canva.de
Heiße Tage bedeuten für ältere und vorerkrankte Menschen, aber auch für Pflegepersonal eine besondere Belastung. Doch wann wird Hitze gefährlich? Und wie können sich Pflegende schützen?
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Wenn die Luft steht, der Kreislauf streikt und selbst das Wasser auf der Haut sofort verdunstet – dann hat der Sommer seinen Höhepunkt erreicht. Für viele ist das der Moment für den Sprung ins kühle Nass. Für die Pflege beginnt dann die anstrengendste Zeit des Jahres. Heiße Tage belasten vor allem ältere und pflegebedürftige Menschen, viele leben in Pflegeeinrichtungen. Die Bewohner:innen sind von längeren und intensiveren Hitzeperioden besonders betroffen. Aber auch Beschäftigte in der Pflege sind gefährdet. Um bei der Hitze gesund zu bleiben, solltest du dich daher an ein paar wichtige Tipps halten. Generell gilt: Auch wenn bei hohen Temperaturen meist mehr Arbeit anfällt, solltest du auf deinen Körper hören.
Hitzeschutz in der Pflege: Wer ist gefährdet?
Pflegeeinrichtungen müssen sich rechtzeitig auf Hitzewellen einstellen und vorbereiten. Denn hohe Temperaturen belasten ältere Menschen, chronisch Kranke und Menschen mit Vorerkrankungen besonders. Eine schlechtere Regulierung der Körpertemperatur, Stoffwechselbeschwerden und ein verringertes Durstgefühl können bei ihnen schneller dazu führen, dass der Körper überhitzt oder sogar austrocknet. Aber auch Beschäftigte in der Pflege sind laut dem Deutschen Ärzteblatt häufiger stark belastet.
Wer ist von Hitze besonders betroffen?
- Menschen ab 65 Jahren
- Menschen mit akuten oder chronischen Erkrankungen
- Menschen, die körperlich schwer arbeiten wie Pflegekräfte
Anhaltende Hitzeperioden: Wie wirkt sich Hitze auf Pflegende aus?
Tage mit starker Hitze belasten die Gesundheit enorm. Anhaltende Hitzeperioden bedeuten für den Körper und die Gesundheit großen Stress. Hitzeperioden machen die körperliche Arbeit anstrengender, die Konzentration lässt schneller nach und der Körper ist schneller erschöpft. Hitze erhöht nicht nur den körperlichen, sondern auch den psychischen Stress. Reizbarkeit, Erschöpfung und Schlafmangel können sich auf das Miteinander im Team und die Pflegequalität auswirken.

Anna Liebig
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Auch der Arbeitsaufwand erhöht sich für Pflegekräfte während einer Hitzeperiode. Sie müssen noch wachsamer sein, konsequent Buchführen und im Umgang mit den Patient:innen fallen durch die Hitzebelastung mehr Aufgaben an. Das ist körperlich anstrengend. Durch die Urlaubszeit, welche naturgemäß auf den Sommer fällt, müssen Einrichtungen zudem mit Personalengpässen rechnen. Für die verbliebenen Angestellten kommt es dadurch zusätzlich zur Belastung durch die Hitze zu einer Arbeitsverdichtung. Patient:innen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Lungenkrankheiten sowie Wundheilungsstörungen benötigen eine intensivere Pflege. Bewohner:innen müssen häufiger umgekleidet, gewaschen und geduscht werden als sonst. Und auch die Medikamentengabe wird komplizierter.
Wie können sich Pflegekräfte bei Hitze schützen?
Eine Klimaanlage können sich viele Pflegeeinrichtungen nicht leisten. Sie sind auf die Vergütung von den Krankenkassen angewiesen und die preisen die Klimakrise nicht ein, wie die Tagesschau berichtet. Eine Alternative würden lediglich mobile Klimageräte bieten, welche die Räume nach Bedarf im Wechsel kühlen könnten. Gemeinschafts- und Pausenräume sollten allerdings immer kühl gehalten werden.
Mit einfachen Verhaltensempfehlungen können negative Gesundheitsfolgen von Hitze in vielen Fällen verhindert werden. Dazu gehören das Vermeiden körperlicher Anstrengung während der heißesten Tageszeit, das Fernhalten der Hitze vom Körper und viel trinken. Eine Befragung in der Schweiz durch das Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Bundesamts für Umwelt (BAFU) ergab, dass Menschen ab 50 sich zwar über gewisse Schutzmöglichkeiten bei Hitze gut informiert fühlen. Gleichzeitig waren jedoch viele wirksame Verhaltensmaßnahmen an heißen Tagen nicht bekannt oder wurden nicht aktiv umgesetzt. Darunter fällt zum Beispiel die Anpassung der Ernährung und Medikamentendosis. Hierzulande dürfte die Situation sehr ähnlich aussehen.
Hitze-Tipps: Was Pflegende nun beachten sollten
Die Hitze ist für den Körper sehr anstrengend. Herz-Kreislauf-System und Atmung müssen intensiver arbeiten, schlafen wird schwierig und die geistige Leistungsfähigkeit nimmt ab. Das ist besonders belastend für Ältere und chronisch Kranke. Pflegebedürftige Menschen sind bei extremer Hitze meist nicht in der Lage, sich selbst zu schützen. Auch die Kommunikation von Bedürfnissen kann oft schwer sein. Folgende Tipps sollten Pflegekräfte im Pflegealltag beachten:
- Ausreichend Trinken:
Im Alter nimmt die Schweißproduktion ab. Für den Körper ist Schweiß aber notwendig, damit er seine Temperatur regulieren kann. Der Körper von älteren Menschen gibt dadurch weniger Wärme ab, wodurch es zu einer Dehydrierung und Elektrolytverlust kommen kann. Pflegende und Pflegebedürftige sollten daher ausreichend trinken, möglichst über den Tag verteilt.
- Zeit im Freien einschränken:
Wichtigste Regel bei Hitze ist, sich den hohen Temperaturen möglichst zu entziehen. In der Praxis bedeutet dies: Sowohl Pflegende als auch Pflegebedürftige sollten möglichst viel Zeit im Schatten verbringen oder Innen bleiben.
- Hitze-freundliche Ernährung:
An heißen Tagen kann der Körper schwere, fettreiche Kost nur schwer verdauen. Besser ist es, auf deftige Gerichte zu verzichten und zu frischen Salaten oder Obst zu greifen. Wasserreiche Lebensmittel wie Gurken, Tomaten oder Äpfel liefern zusätzlich Wasser, viele Vitamine und Mineralstoffe. Für die Mittagspause oder als Snack sind Wassermelonen oder Erdbeeren perfekt. Kalte Suppen oder auch Joghurt mit Obst liegen nicht schwer im Magen. Kleinere Portionen sind ebenfalls hilfreich. Um einem möglichen Salzverlust entgegenzuwirken, kann etwas Brühe helfen.
- Statt eiskalt lieber nur lauwarm Duschen:
Wer nach der Arbeit zu Hause direkt unter die kalte Dusche springt, tut seinem Kreislauf keinen Gefallen. Denn zu kaltes Wasser lässt die Blutgefäße verengen, wodurch weniger Blut an die Hautoberfläche gelangen kann. Die Folge: der Körper kann die Hitze nicht mehr nach draußen transportieren und die Hitze bleibt gespeichert. Auch eisgekühlte Getränke sind nicht ideal. Um die Flüssigkeit auf Betriebstemperatur zu bringen, braucht er Energie und schwitzt dadurch mehr. Ideal sind daher an heißen Tagen lauwarme Duschen und Getränke.
- Am Morgen Lüften:
Scheint die Sonne auf die Fenster und ist die Außentemperatur bereits aufgeheizt, sollte unbedingt auf das Lüften verzichtet werden. Im Laufe des Tages gehören die Fenster also geschlossen. Das Pflegenetzwerk Deutschland empfiehlt dagegen vor allem am Morgen zu Lüften, wenn die Kühle der Nacht noch für eine frische Brise sorgt. Rollos und Vorhänge sollen die direkte Sonneneinstrahlung reduzieren. Das Lüften sollte vom Pflegepersonal koordiniert werden: Der Nachtdienst ist beispielsweise dafür zuständig, in den frühen Morgenstunden querzulüften und so die kalte Morgenluft in die Innenräume zu lassen.
- Kühlende Maßnahmen:
Feuchte Tücher können auf Stirn, Handgelenke oder Nacken gelegt werden. Am Abend kann ein kühlendes Fußbad mit Pfefferminze oder Wasser angenehm sein.
- Medikation beachten:
Hohe Temperaturen können die Wirksamkeit von Medikamenten beeinträchtigen. Es sollte daher auf eine ordnungsgemäße Lagerung von Medikamenten geachtet werden. Die Hitze kann auch die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Bespreche vorab mit den behandelnden Ärzt:innen, ob und wie eine Anpassung der Medikation nötig ist. Für Bewohner:innen und Pflegebedürftige gilt dies gleichermaßen.
Was hilft bei Hitze? Die Tipps für die Pflegepraxis im Überblick
Folgende Tipps helfen dir als Pflegekraft deine Patient:innen auch bei sommerlichen Temperaturen zu schützen:
- Ausreichend Trinken sicherstellen: Pflegebedürftige haben ein geringeres Durstgefühl. Motiviere deine Bewohner:innen daher regelmäßig zum Trinken, stelle Getränke sichtbar und erreichbar bereit und dokumentiere die Trinkmenge sorgfältig.
- Räume kühl halten: Räumlichkeiten möglichst frühmorgens und nachts lüften, Fenster tagsüber schließen und abdunkeln. Für zusätzliche Erfrischung können Ventilatoren und mobile Klimageräte genutzt werden.
- Körper entlasten: Pflegebedürftige sollten bei Hitze leichte und luftige Kleidung tragen. Decken und Kissen sollten aus leichten Materialien sein.
- Auf Warnsignale achten: Pflegekräfte kennen ihre Patient:innen in der Regel am besten. Erste Warnzeichen wie Schwindel, Verwirrtheit oder trockene Haut sollten daher unbedingt ernst genommen werden. Steigen die Temperaturen an, sollten Pflegekräfte die Medikamente ihrer Patient:innen unbedingt überprüfen. Die Wirkung kann bei großer Hitze verändert sein.
- Abstimmung im Team: Risiken und Beobachtungen sollten im Dienstübergabe-Protokoll geteilt werden. Besonders gefährdete Personen müssen zudem eng begleitet werden.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
Tagesschau – ARD; Klimawandel trifft Pflegekräfte besonders hart; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.tagesschau.de/wissen/klimawandel-berufe-pfleger-100.html
Akademien der Wissenschaften Schweiz (SCNAT); Befragung zur Hitzekompetenz der Bevölkerung in der Schweiz; abgerufen am 01.07.2025 von https://scnat.ch/de/uuid/i/3bedde8a-7fde-5f37-a584-5d115415d5e8-Befragung_zur_Hitzekompetenz_der_Bev%C3%B6lkerung
Pflegenetzwerk Deutschland – Bundesministerium für Gesundheit; Hitzeschutz: Informationen für Pflegeeinrichtungen und ambulante Pflegedienste; abgerufen am 01.07.2025 von https://pflegenetzwerk-deutschland.de/thema-hitzeschutz/hitzeschutz-informationen-fuer-pflegeeinrichtungen-und-ambulante-pflegedienste
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG); Hitzeschutz in Pflege- und Betreuungseinrichtungen; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.klima-mensch-gesundheit.de/hitzeschutz/pflege-und-betreuungseinrichtungen/
Deutsches Ärzteblatt; Pflege unter Hitzestress: Gesundheitliche Risiken für Beschäftigte; abgerufen am 01.07.2025 von https://www.aerzteblatt.de/search/result/61c3f224-2b30-40fc-a8ad-7337fa4095c5?q=pflege











