Kündigen oder bleiben? So triffst du die richtige Entscheidung

Veröffentlicht am 24.03.2026

Eine Frau schiebt einen Zettel über einen Tisch, vor ihr steht ein Karton mit Habseligkeiten.

Kündigen sollte gut überlegt sein. Quelle: Canva

Vielleicht hast du den Gedanken an eine Kündigung auch schon öfter gehabt. Kündigen oder bleiben? Viele Pflegekräfte stellen sich diese Frage nicht einmal, sondern unzählige Male. Nach einer besonders anstrengenden Schicht, einem Konflikt im Team, dem dritten Einspringen in Folge oder wenn der Körper wieder einmal signalisiert, dass es so nicht weitergeht. Gleichzeitig ist da oft auch das schlechte Gewissen und die Angst vor dem ungewissen Neuen. In diesem Beitrag möchten wir dir dabei helfen, deine Gedanken zu sortieren und danach vielleicht leichter eine Entscheidung treffen zu können. 

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Der Gedanke an die Kündigung 

Oft beginnt es schleichend. Die Freude an der Arbeit nimmt ab, kleine Ärgernisse werden größer, die Erschöpfung verschwindet auch an freien Tagen nicht. Die Pflege gehört zu den Berufsgruppen mit der höchsten emotionalen, körperlichen und organisatorischen Belastung. Personalmangel, Zeitdruck, Schichtdienste und eine große Verantwortung gehören zu deinem Arbeitsalltag. Dass unter diesen Bedingungen Zweifel an der eigenen Jobsituation entstehen, ist nicht ungewöhnlich.  

Typische Auslöser für die Kündigungsfrage sind: 

  • dauerhafte Unterbesetzung 
  • häufiges Einspringen und fehlende Erholung 
  • mangelnde Wertschätzung durch Leitung oder Träger 
  • Konflikte im Team 
  • gesundheitliche Beschwerden 
  • das Gefühl, den eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht zu werden 

Warum bleiben? 

Viele Pflegekräfte bleiben lange in belastenden Jobsituationen. Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Ein fester Arbeitsplatz bedeutet finanzielle und organisatorische Sicherheit. Diese kann beruhigend wirken, selbst wenn der Alltag belastend ist. Hinzu kommt oft die Sorge, dass ein Wechsel keine wirkliche Verbesserung bringt. Der Gedanke, dass sich auch an einer neuen Arbeitsstelle nur wenig verändert, hält vielleicht auch dich davon ab, überhaupt über Alternativen nachzudenken. 

Anna Liebig

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Eine starke Rolle spielt auch die emotionale Verbundenheit. Kolleg:innen, mit denen du schwierige Schichten gemeinsam gemeistert hast oder Patient:innen, zu denen du über Jahre Beziehungen aufgebaut hast, liegen dir am Herzen. Du möchtest sie nicht im Stich lassen. Für viele fühlt sich eine Kündigung deshalb nicht wie ein Jobwechsel, sondern wie ein Wegfall der sozialen Beziehung an. 

Praktische Gründe können ebenfalls ein ausschlaggebender Faktor sein. Die Nähe zum Wohnort, kurze Wege oder ein eingespielter Alltag können dich dazu veranlassen, trotz Unzufriedenheit zu bleiben. 

Geht es auch dir so?
Manchmal fehlt schlicht die Kraft, sich mit Stellenanzeigen, Bewerbungen, Gesprächen und Neuanfängen zu beschäftigen, besonders dann, wenn die eigene Energie ohnehin am Limit ist. 

Kündigung ernsthaft in Erwägung ziehen 

Wenn du merkst, dass dich die Kündigungsfrage über Wochen oder Monate begleitet, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Oft zeigt sich dann, dass es nicht um einzelne schlechte Tage geht, sondern um eine grundsätzliche Unzufriedenheit im Job. 

Dem Kündigen haftet oft ein negativer Beigeschmack an. Häufig gilt es als Flucht oder als Aufgeben. Dabei kann ein klarer Schlussstrich für dich persönlich sehr wertvoll sein. Vor allem, wenn es darum geht, deine körperliche und mentale Gesundheit zu bewahren. 

Anhand dieser Checkliste kannst du einige ernsthafte Warnsignale erkennen. Je mehr Punkte auf dich zutreffen, desto konkreter solltest du den Gedanken an eine Job-Veränderung zulassen: 

  • ☐ Ich bin dauerhaft erschöpft, auch nach freien Tagen. 
  • ☐ Ich gehe mit einem widerwilligen Gefühl zur Arbeit. 
  • ☐ Ich bin häufiger krank als früher. 
  • ☐ Ich reagiere schneller gereizt oder emotional abgestumpft
  • ☐ Ich habe das Gefühl, nur noch zu funktionieren. 
  • ☐ Ich kann nach Feierabend kaum abschalten. 
  • ☐ Ich zweifle an meinem eigenen Können. 
  • ☐ Ich bin unzufrieden mit der Arbeit, die ich über den Tag leiste. 
  • ☐ Es gibt kaum mehr Tätigkeiten im Joballtag, die mir Freude bereiten. 
  • ☐ Ich fühle mich mit meinem Team nicht mehr verbunden.  

Vor der Kündigung im Pflegeberuf

Der Gedanke an Kündigung muss nicht gleich die Durchführung dieses Schritts bedeuten. Zwischen „weiter aushalten“ und „kündigen“ gibt es Zwischenschritte. Bevor du eine endgültige Entscheidung triffst, kann es sinnvoll sein, dir folgende Fragen zu stellen: 

  • Habe ich meine Belastung klar an den richtigen Stellen kommuniziert? 
  • Gab es konkrete Gespräche mit der Leitung und wurden deine Bedürfnisse ernstgenommen? 
  • Sind positive Veränderungen in realistischer Aussicht oder gibt es nur Durchhalteparolen? 

Denn manchmal können schon kleinere Veränderungen deinen Arbeitsalltag spürbar verbessern. Ein Wechsel der Station oder des Arbeitsbereichs kann bereits deutliche Verbesserungen bewirken. Nicht zu unterschätzen ist zudem der Einfluss der Dienstplangestaltung. Ein verlässlicherer oder gut planbarer Dienstplan kann Stress reduzieren und eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen. Auch eine (vorübergehende) Reduzierung der Arbeitszeit kann entlastend sein, weil sie dir wieder mehr Raum für Erholung und Privatleben schafft. 

In manchen Situationen kann auch professionelle Unterstützung helfen:
Supervision oder Coaching bieten die Möglichkeit, emotionale Belastungen einzuordnen, Konflikte zu lösen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Ein guter Plan ist wichtig 

Steht deine Entscheidung fest, dass du gehen möchtest, solltest du das möglichst nicht aus einem Impuls heraus machen. Wenn du vorher ein paar Schritte planst, sparst du dir hinterher viele Sorgen. 

Wichtige Fragen vor der Kündigung 

  • Möchte ich im Pflegeberuf bleiben oder etwas verändern? 
  • Habe ich eine neue Stelle in Aussicht? 
  • Reicht mir notfalls das Arbeitslosengeld I? 
  • Kann ich eine eventuelle Sperrzeit des Arbeitslosengeldes überbrücken? 
  • Was ist mir bei einer neuen Arbeitsstelle wichtig? 

Je klarer deine Antworten, desto sicherer wird sich deine Entscheidung anfühlen.

Arbeitslosengeld nach eigener Kündigung 

Wenn du selbst kündigst, verhängt die Agentur für Arbeit in der Regel eine Sperrzeit von bis zu 12 Wochen beim Arbeitslosengeld I. In dieser Zeit erhältst du kein ALG I, zudem verkürzt sich die Anspruchsdauer. 

Ausnahmen gibt es bei wichtigen Gründen. Dazu zählen vor allem gesundheitliche Probleme, etwa wenn du deine Arbeit aus körperlichen oder psychischen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Voraussetzung ist ein ärztlicher Nachweis. Auch unzumutbare Arbeitsbedingungen, belegbares Mobbing oder ein geplanter Jobwechsel, der kurzfristig scheitert, können eine Sperrzeit verhindern. 

Wichtig:
Sobald du die Kündigung eingereicht hast, musst du dich arbeitslos melden. Expert:innen empfehlen das sogar dann, wenn du bereits im direkten Anschluss eine neue Stelle in Aussicht hast. Dabei geht es vor allem darum, mögliche Lücken in der Sozialversicherung zu vermeiden, wenn du die Stelle doch nicht antreten solltest.

Vielfalt des Pflegeberufs 

Du denkst vielleicht, dass es in deinem Beruf für immer so weitergehen muss wie im Moment. Dass du deinen gelernten Beruf komplett verlassen musst, um eine Veränderung zu spüren. Doch der Pflegeberuf bietet unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten.

Ob stationär oder ambulant, Akutversorgung oder Beratung, direkter Patientenkontakt oder Verwaltung, junge oder ältere Patient:innen – es lohnt sich, sich umzusehen. Viele Berufsverbände bieten die Möglichkeit, sich beruflich beraten zu lassen. Auch Fortbildungen können dein Einsatzgebiet im Pflegebereich deutlich erweitern. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt sogar die Arbeitsagentur die Kosten.  

Häufige Fragen zum Thema Kündigen oder Bleiben

Soll ich kündigen, auch wenn ich noch keine neue Stelle habe? 

Das hängt stark von deiner persönlichen Situation ab. Wenn die körperliche und mentale Belastung an deiner jetzigen Arbeitsstelle nicht mehr auszuhalten ist, ist manchmal ein klarer Schnitt nötig. Solltest du ein großes Sicherheitsbedürfnis oder einen engen finanziellen Rahmen haben, ist es besser, sich vor der Kündigung in Ruhe nach einer neuen Stelle umzusehen. 

Ist es normal, in der Pflege ständig ans Aufhören zu denken? 

Viele Pflegekräfte kennen den Gedanken an Kündigung. Entscheidend ist, ob er nur während besonders belastender Zeiten auftaucht oder ob er dich dauerhaft begleitet. 

Wird es woanders wirklich besser? 

Ein Jobwechsel ist keine Garantie dafür, dass sich deine berufliche Situation verbessert, aber er bietet eine reale Chance. Es kann gut sein, dass du dich in anderen Strukturen mit anderen Kolleg:innen und Patient:innen besser zurechtfindest. 

Kann ich den Pflegeberuf lieben und trotzdem kündigen?

Eine Kündigung muss nicht automatisch eine Abwendung von der Pflege bedeuten. Wenn dir der Bereich eigentlich liegt, lohnt es sich, zu gucken, welche Veränderungen innerhalb dieses Berufsfeldes möglich sind.

Bin ich weniger belastbar als andere, wenn ich gehen will? 

Menschen haben unterschiedliche Energielevel und individuelle Grenzen. Deshalb bringen Vergleiche mit anderen nichts. Entscheide nach deinen eigenen Bedürfnissen, ohne dich mit Kolleg:innen zu messen. 

Quellen

Kununu, soll-ich-kündigen, news.kununu.com, abgerufen am 04.02.26 unter https://news.kununu.com/soll-ich-kuendigen/

Arbeitsagentur, Kündigung, Abfinden, Freistellung, Arbeitsagentur.de, abgerufen am 04.02.26 unter https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/arbeitslosengeld/das-muessen-sie-beachten/kuendigung-abfindung-freistellung

Dekra-Akademie, Sperrzeit-Arbeitslosengeld, dekra-akademie.de, abgerufen am 04.02.26 unter https://www.dekra-akademie.de/content/sperrzeit-arbeitslosengeld

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