Sommerhitze in der Pflege: 5 Medikamente können kritisch werden

Veröffentlicht am 12.08.2025

Es ist ein älterer Mann zu sehen.

Ältere Menschen und Pflegebedürftige haben meist besonders mit der Hitze zu kämpfen. Auch die Medikamentengabe kann dabei eine Rolle spielen.

Extreme Temperaturen machen Pflegebedürftigen sowie dem Pflegepersonal in vielerlei Hinsicht zu schaffen. Das gilt besonders für diejenigen, die Arzneimittel einnehmen. Denn die Wirkung von bestimmten verschreibungspflichtigen Medikamenten kann sich verändern, wenn die Temperaturen stark ansteigen. Auch Nebenwirkungen und das Zusammenspiel mit anderen Arzneimitteln können sich im Sommer anders als sonst bemerkbar machen. 

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Wirkung kann sich verändern: Vorsicht, bei 5 Medikamenten im Sommer

Viele ältere Menschen und chronisch Kranken müssen regelmäßig Arzneimittel einnehmen. Besonders Patient:innen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenschwäche, Diabetes mellitus oder Lungenerkrankungen laufen in den heißen Monaten Gefahr, dass ihre Medikamente bei steigenden Temperaturen nicht wie gewohnt wirken oder gar zu ungewohnten Nebenwirkungen führen. Ebenfalls betroffen sind Menschen, die an neurologischen Erkrankungen, Demenz oder Multipler Sklerose leiden.

Der Grund: Einige häufig verschriebene Medikamente greifen in das körpereigene “Kühlsystem” ein. Bei Hitze nutzt der Organismus verschiedene Mechanismen, um die Körpertemperatur trotz heißer Außentemperaturen konstant zu halten. Schwitzen und ein verstärkter Blutfluss zur Haut helfen dabei. Die Wirkung bestimmter Arzneimittel sorgt jedoch dafür, dass diese Prozesse nicht wie gewohnt ausgeführt werden können.

Wichtig!

Auf jeden Fall gilt: Medikamente keinesfalls eigenständig absetzen oder auf eigene Faust an der Dosierung schrauben. Die Unterbrechung der Medikamenteneinnahme stellt bei vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten ein Gesundheitsrisiko dar und sollte nur nach Rücksprache mit Arzt oder Ärztin geschehen.

Vorsicht Hitze: 1. Medikamente bei Herzerkrankungen

Bei Hitze erweitern sich die Blutgefäße, es fließt mehr Blut in die Haut, wodurch mehr Wärme über die Hautoberfläche abgegeben werden kann. Blutdruckmedikamente bewirken dagegen das Gegenteil, was im schlimmsten Fall zu einem gefährlich absinkenden Blutdruck führen kann. Ohnmacht und damit verbundene Sturzverletzungen könnten die Folge sein, wie das Robert Koch-Institut (RKI) warnt. 

Anna Liebig

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Neben Betablockern, die zur Behandlung von Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden, können auch sogenannte Diuretika an heißen Tagen Probleme bereiten. Die Medikamente, die häufig zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzinsuffizienz verschrieben werden, fördern die Ausscheidung von Wasser über die Nieren. Bei hohen Temperaturen kann dies Dehydration und Elektrolytstörungen auslösen. Die Folge: Bei Flüssigkeitsmangel schwitzt der Körper weniger. Starke Dehydrierung kann zudem dazu führen, dass das Durstgefühl nachlässt. Auch der Blutdruck kann gefährlich absinken, was zu Schwindel und Ohnmacht führen kann, berichtet The Conversation.

Nicht alle Arzneimittel sind gleichermaßen hitzeresistent:
Viele Medikamente brauchen Schutz vor steigenden Temperaturen, sonst können sie ihre Wirkung verändern oder verlieren. Temperaturschäden sind den meisten Produkten zudem nicht anzusehen. Für Tabletten gelten laut der Techniker Krankenkasse (TK) Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad als ideal. Zäpfchen, Cremes und Salben sollten im Sommer besser im abgedunkelten Flur oder Schlafzimmer gelagert werden. Kurzfristig kann auch der Kühlschrank ein geeigneter Ort sein. 

Nicht alle Arzneimittel sind gleichermaßen hitzeresistent. Viele Medikamente brauchen Schutz vor steigenden Temperaturen, sonst können sie ihre Wirkung verändern oder verlieren. Temperaturschäden sind den meisten Produkten zudem nicht anzusehen. Für Tabletten gelten laut der Techniker Krankenkasse (TK) Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad als ideal. Zäpfchen, Cremes und Salben sollten im Sommer besser im abgedunkelten Flur oder Schlafzimmer gelagert werden. Kurzfristig kann auch der Kühlschrank ein geeigneter Ort sein. 

Medikamente im Sommer - 2. Antidepressiva

Psychopharmaka können dazu führen, dass der Körper weniger Schweiß produziert. Der körpereigene „Kühleffekt“ geht dadurch verloren. Auch einige Antidepressiva können daher bei Hitze ein höheres Risiko von Nebenwirkungen haben. Dazu zählen vor allem anticholinerge Arzneimittel, wie Medikamente gegen Schlafstörungen, Übelkeit, Parkinson und Harninkontinenz oder Antihistaminika. Laut Stiftung Warentest gehören dazu vor allem tetra- und trizyklische Antidepressiva, die bei Depressionen, Angst- und Zwangs­störungen sowie Amit­riptylin, welche auch bei chro­nischen Schmerzen einge­setzt werden. 

Sommerhitze - 3. Antipsychotika

Vorsichtig sollten Pflegekräfte auch bei der Gabe von Antipsychotika sein, welche zur Behandlung von Psychosen eingesetzt werden. Diese Medikamente blockieren den Neurotransmitter Dopamin, der wiederum einen Einfluss auf den Serotoninspiegel hat. Die Folge: Patient:innen nehmen Hitze nicht mehr deutlich wahr oder fühlen sich nicht durstig. Antipsychotika erschweren zudem das Schwitzen.

Unterschätzte Wirkung - 4. Schlafmittel

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Benzodiazepine, die als Schlaf- oder Beruhigungsmittel dienen. Diese werden häufig von älteren Patient:innen eingenommen, um das Schlafen zu erleichtern. Den Experten von Stiftung Warentest zufolge sollten Pflegende zudem bei rezeptfreien Schlafmitteln wie Diphenhydramin und Doxylamin sowie Dimenhydrinat aufhorchen. Diese Arzneimittel senken den Blutdruck ab, was schnell zu Schwindel führen kann. Müdigkeit kann sich durch die Mittel deutlich verstärken.

Hitzewelle - 5. Insulin

Damit die Körpertemperatur nicht zu sehr ansteigt, erweitern sich die Blutgefäße. Wer Insulin einnimmt, sollte daher bei hohen Temperaturen vorsichtig sein. Insulin wird durch die erweiterten Blutgefäße schneller in den Blutkreislauf aufgenommen. Der Blutzuckerspiegel kann dadurch schneller absinken als erwünscht. Dies kann zu Hypoglykämie (Unterzuckerung) führen, die wiederum Schwindel, Zittern, Schwitzen, Reizbarkeit und sogar Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle zur Folge haben kann. Menschen mit Diabetes sollten an den heißen Tagen unbedingt ihren Blutzuckerspiegel häufiger kontrollieren.  

Quellen

  1. Stiftung Warentest. Medikamente bei großer Hitze – Von trockenem Mund bis Schwindel. Veröffentlicht am 26.07.2022. Abgerufen am 11.08.2025 von: https://www.test.de/Medikamente-bei-grosser-Hitze-Von-trockenem-Mund-bis-Schwindel-5763540-0/
  2. Techniker Krankenkasse (TK). Medikamente und Hitze – Darauf sollten Sie achten. Abgerufen am 11.08.2025 von: https://www.tk.de/techniker/magazin/article/themen/spezial/extreme-hitze-wie-sie-sich-am-besten-schuetzen/medikamente-hitze-2038484
  3. The Conversation. Five prescription drugs that can make it harder to cope with the heat. Veröffentlicht am 22.07.2024. Abgerufen am 11.08.2025 von: https://theconversation.com/five-prescription-drugs-that-can-make-it-harder-to-cope-with-the-heat-259479
  4. Robert Koch-Institut (RKI). Hitze – Sachstandsbericht zu Klimawandel und Gesundheit. Journal of Health Monitoring 2023; Special Issue S4. Abgerufen am 11.08.2025 von: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health-Monitoring/GBEDownloadsJ/Focus/JHealthMonit_2023_S4_Hitze_Sachstandsbericht_Klimawandel_Gesundheit.html

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