Stromausfall in Berlin: Wie gut sind Pflege und Krankenhäuser wirklich auf den Ernstfall vorbereitet?

Veröffentlicht am 09.01.2026

Strommasten vor einem Sonnenuntergang.

Strom ist in allen medizinischen Bereichen wichtig. Quelle: Canva.de

Tagelang kein Strom – mitten in einer Millionenstadt. In Berlin bedeutete der Ausfall nicht nur Dunkelheit und ausgefallenes Internet, sondern massive Einschränkungen im Alltag. Heizungen fielen aus, Ampeln funktionierten nicht mehr, die Technik versagte. Für viele Menschen war das mehr als lästig – es war beängstigend.

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Besonders deutlich wurde dabei, wie abhängig unser Gesundheitssystem von funktionierender Infrastruktur ist. Was passiert, wenn in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder bei pflegebedürftigen Menschen zu Hause plötzlich der Strom weg ist? Wie gut sind diese Bereiche tatsächlich vorbereitet und wo beginnt das Risiko für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen?

Eine pflegebedürftige Frau starb während des Stromausfalls

Der Stromausfall hatte auch einen tragischen Einzelfall zur Folge: Eine 83-jährige Seniorin wurde während des Blackouts leblos in ihrer Wohnung im Berliner Südwesten aufgefunden. Die Frau lebte allein, die Heizung war ausgefallen und die Wohnung kalt. Rettungskräfte versuchten noch, sie zu reanimieren, doch sie starb wenig später.

Ob der Stromausfall unmittelbar zu ihrem Tod beigetragen hat, ist offiziell nicht abschließend geklärt. Genau dieser Fall macht jedoch deutlich, wie verwundbar ältere und pflegebedürftige Menschen in solchen Situationen sind – vor allem dann, wenn sie allein leben, auf medizinische Geräte oder regelmäßige Unterstützung angewiesen sind.

Anna Liebig

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Stromausfall bei Pflegebedürftigen: Soziale und psychologische Auswirkungen

Längere Stromausfälle belasten nicht nur die technische Versorgung, sondern haben auch soziale und psychologische Folgen – besonders für Seniorinnen und Senioren. Einsamkeit, Stress und Angst können schnell zunehmen, wenn Licht, Wärme oder gewohnte Geräte ausfallen.

In solchen Situationen spielen pflegende Angehörige und Nachbarschaften eine besonders wichtige Rolle: Sie bieten nicht nur praktische Hilfe, sondern auch emotionale Unterstützung. Ein kurzes Gespräch, ein Kontrollbesuch oder einfach die Präsenz kann den Betroffenen Sicherheit geben und Ängste deutlich reduzieren. Schau also im Ernstfall zwischendurch mal nach anderen – kleine Gesten können hier vieles bewirken.

Diese Bereiche sind beim längeren Stromausfall besonders gefährdet

Ein flächendeckender oder länger andauernder Stromausfall trifft nicht alle Bereiche der Pflege und Gesundheitsversorgung gleich. Besonders kritisch wird es dort, wo Menschen stark von Technik, regelmäßiger Unterstützung oder stabilen Umweltbedingungen abhängig sind. Fällt der Strom tagelang aus, gerät selbst die akkubasierte Technik an ihre Grenzen.

1.     Häusliche Pflege bei alleinlebenden Menschen
Am größten ist das Risiko für ältere oder pflegebedürftige Menschen, die allein leben und zu Hause versorgt werden. Fällt der Strom aus, funktionieren oft weder Hilfsmittel wie ein Treppenlift (bei einem längeren Ausfall wird der Akku schwach) noch Hausnotrufsysteme. Gleichzeitig kommen ambulante Pflegedienste unter Umständen verspätet oder gar nicht an, etwa weil digitale Einsatzpläne oder Telefonnetze ausfallen. Ohne Angehörige oder Nachbarschaftshilfe bleibt die Situation häufig lange unklar.

2.     Pflegebedürftige mit stromabhängigen medizinischen Geräten
Menschen, die auf Sauerstoffgeräte, Beatmung, Ernährungspumpen oder elektrisch verstellbare Pflegebetten angewiesen sind, geraten besonders schnell in Gefahr. Zwar verfügen viele Geräte über Akkus, diese reichen jedoch oft nur wenige Stunden. Hält der Stromausfall länger an, kann das zu medizinischen Notlagen führen.

3.     Pflegeeinrichtungen ohne leistungsfähige Notstromversorgung
Nicht alle Pflegeheime verfügen über Notstromaggregate, die den Betrieb über längere Zeit vollständig absichern. Häufig werden nur Basisfunktionen wie Beleuchtung oder einzelne Steckdosen versorgt. Heizung, Warmwasser, Aufzüge oder elektronische Dokumentation können dennoch ausfallen – mit direkten Folgen für Pflege, Mobilität und Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner.

4.     Krankenhäuser außerhalb der Intensiv- und OP-Bereiche
Zwar sind Krankenhäuser grundsätzlich besser vorbereitet, doch auch hier sind Notstromsysteme begrenzt. Während Intensivstationen priorisiert versorgt werden, können andere Stationen, Labore oder IT-Systeme eingeschränkt sein. Je länger der Ausfall dauert, desto stärker geraten auch Kliniken organisatorisch unter Druck.

5.     Kommunikation und Koordination in der Pflege
Ein oft unterschätzter Punkt ist der Ausfall der Kommunikation: Telefone, Internet, digitale Pflegedokumentation und Einsatzsteuerung funktionieren nicht mehr zuverlässig. Das erschwert Abstimmungen zwischen Pflegediensten, Angehörigen, Ärztinnen und Ärzten – gerade in ohnehin angespannten Situationen.

Stromausfälle: Wie gut sind Krankenhäuser vorbereitet?

  • Alle Krankenhäuser in Deutschland verfügen über Notstromaggregate, um kurzfristige Stromausfälle zu überbrücken.
  • Laut einer Umfrage unter 288 Krankenhäusern hierzulande können etwa 59 % der Kliniken einen Stromausfall nur für wenige Tage überbrücken, 21 % nur für wenige Stunden bis zu einem Tag und 21 % für eine Woche oder länger.
  • Nur etwa 14 % der Krankenhäuser könnten bei längerem Stromausfall die Patientenversorgung uneingeschränkt aufrechterhalten, rund 40 % könnten nur noch mit Einschränkungen arbeiten und etwa 7 % müssten den Betrieb vollkommen einstellen.
  • Die Notstromversorgung konzentriert sich primär auf kritische Bereiche wie Intensivstationen, Operationssäle und Notaufnahmen. Unterstützende Systeme wie Belüftung, Trinkwasserversorgung oder Dekontaminationssysteme sind oft nur begrenzt abgesichert.
  • Je länger der Stromausfall dauert, desto stärker geraten Kliniken organisatorisch und technisch unter Druck und geplante Behandlungen müssen möglicherweise verschoben werden.
Nicht alle Pflegeheime haben Notstromaggregate. Quelle: Canva.de (mit KI generiert)

Stromausfälle: Wie gut sind Pflegeheime vorbereitet?

  • Nicht alle Pflegeheime verfügen über eigene Notstromaggregate, eine flächendeckende Ausstattung wie bei Krankenhäusern ist gesetzlich nicht vorgeschrieben.
  • In regionalen Erhebungen, etwa im Kreis Soest, hatten weniger als die Hälfte der Pflegeheime eine Notstromversorgung.
  • Beim Berliner Stromausfall 2026 waren 64 von 74 Pflegeheimen mit Notstrom versorgt; die übrigen mussten erst angeschlossen werden.
  • Insgesamt zeigt sich, dass Pflegeeinrichtungen in der Stromversorgung sehr unterschiedlich aufgestellt sind und die Versorgung der Bewohner und Bewohnerinnen stark von der regionalen Ausgestaltung abhängt.

Stromausfall: Das kannst du als Angehörige(r) tun

Bei einem längeren Stromausfall sind vor allem pflegebedürftige Menschen, alleinlebende Seniorinnen und Senioren sowie Einrichtungen wie Pflegeheime oder Krankenhäuser besonders gefährdet. Damit du im Ernstfall schnell den Überblick behältst, zeigt die folgende Tabelle, welche Bereiche kritisch sind und welche Maßnahmen du als Angehörige oder Angehöriger ergreifen kannst, um Sicherheit und Versorgung zu gewährleisten.

Bereich Maßnahme Tipp für Angehörige / Angehörigen
Notfallplanung Wer kann im Ernstfall helfen? Telefonnummern von Nachbarinnen und Nachbarn, Familienmitgliedern, Pflegediensten aufschreiben; Notfallplan auf Papier bereithalten
Stromabhängige Geräte Sicherstellen, dass Geräte weiterlaufen Akkus aufladen, Ersatzgeräte oder Flaschen bereithalten (Sauerstoff, Ernährungspumpe, Beatmungsgerät, Pflegebett, Hausnotruf, Treppenlift)
Licht & Wärme Beleuchtung und Raumtemperatur sichern Taschenlampen, Kerzen, Decken; Unterkühlung im Winter und Überhitzung im Sommer beachten
Vorräte Medikamente, Wasser, Nahrung Vorrat für 2–3 Tage bereithalten; Kühlpflichtige Medikamente in Kühlbox oder mit Kühlakkus sichern
Kommunikation Erreichbarkeit sicherstellen Powerbank, Ersatzhandy, wichtige Informationen auf Papier notieren
Pflegeabläufe Pflege ohne Strom planen Manuelle Geräte, Handpumpen, alternative Hilfsmittel prüfen; Notfallpläne von Pflegediensten einholen
Zusammenarbeit Ärztinnen / Ärzte & Pflegedienste informieren Kritische Geräte oder Medikamente frühzeitig melden; Ersatzgeräte oder Unterstützung anfragen
Behörden & Kriseninfo Offizielle Informationen nutzen Lokale Hotlines, Webseiten, Infozentren; bei längerem Stromausfall über Notfallstellen oder Evakuierungen informiert bleiben
Gut zu wissen!
Wenn dein Angehöriger während eines Stromausfalls im Krankenhaus oder Pflegeheim liegt, musst du nicht automatisch losfahren. Die Einrichtungen verfügen in der Regel über Notstromaggregate und/oder Notfallpläne, um die Versorgung aufrechtzuerhalten. Wichtig ist, vorher telefonisch Kontakt aufzunehmen und zu klären, ob dein Angehöriger verlegt werden muss oder zusätzliche Unterstützung benötigt. Dein Handy funktioniert in der Regel weiter, solange der Akku und die Mobilfunkmasten Strom haben.

Fazit – Stromausfall in Krankenhäusern, Pflegeheimen und zu Hause

Stromausfälle sind mehr als eine unangenehme Unterbrechung: Sie können die Versorgung von Seniorinnen, Senioren und pflegebedürftigen Menschen ernsthaft beeinträchtigen. Krankenhäuser sind meist gut auf kritische Situationen vorbereitet, während Pflegeheime deutlich heterogener aufgestellt sind. Auch im häuslichen Umfeld hängen Sicherheit und Versorgung stark von Vorsorge, Geräten und Routinen ab. 

Für Angehörige bedeutet das: Frühzeitig informieren, Geräte prüfen, Vorräte sichern und in Kontakt mit Personal bleiben. Auch soziale Unterstützung und psychische Sicherheit spielen eine große Rolle – manchmal sind schon kleine Gesten entscheidend. Mit klaren Notfallplänen, einfachen Routineänderungen und guter Kommunikation lässt sich das Risiko deutlich verringern und Stress für alle Beteiligten reduzieren.

Häufige Fragen zu Stromausfällen in Krankenhäusern und der Pflege

Wie gut sind Krankenhäuser und Pflegeheime auf Stromausfälle vorbereitet?

Krankenhäuser verfügen in der Regel über Notstromaggregate, die vor allem kritische Bereiche wie Intensivstationen, Operationssäle und Notaufnahmen absichern. Pflegeheime sind dagegen unterschiedlich ausgestattet: Manche haben Notstrom, andere nicht.

Wer ist beim Stromausfall besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Seniorinnen und Senioren, pflegebedürftige Menschen und Patientinnen und Patienten, die auf stromabhängige Geräte angewiesen sind, wie Sauerstoff, Beatmungsgeräte oder Ernährungspumpen. Auch alleinlebende Personen oder Bewohner und Bewohnerinnen in Einrichtungen ohne vollständige Notstromversorgung sind stark betroffen.

Was kann ich tun, wenn mein Angehöriger im Krankenhaus oder Pflegeheim liegt?

Am wichtigsten ist, telefonisch Kontakt aufzunehmen und den Zustand des Angehörigen abzuklären. Halte Medikationspläne und wichtige Unterlagen bereit, informiere dich über die Notfallpläne der Einrichtung und unterstütze das Personal nach Möglichkeit.

Quellen

SPIEGEL: 83-Jährige in Berlin tot in Wohnung gefunden. Zuletzt abgerufen am 08.01.2026. https://www.spiegel.de/panorama/berlin-83-jaehrige-waehrend-stromausfall-tot-in-wohnung-gefunden-a-9139b760-b00b-4f33-9035-40a750007933

Care Inside: Stromausfall in Berlin offenbart Fragilität von Pflegeheimen. Zuletzt abgerufen am 08.01.2026. https://www.carevor9.de/care-inside/stromausfall-in-berlin-offenbart-fragilitaet-von-pflegeheimen

Deutsches Krankenhausinstitut (DKI): DKI Blitzumfrage: Mögliche Ausfälle der Energieversorgung und Notfallpläne in den Krankenhäusern. Zuletzt abgerufen am 08.01.2026. https://www.dki.de/forschungsprojekt/dki-blitzumfrage-mogliche-ausfalle-der-energieversorgung-und-notfallplane-in-den-krankenhausern

Landtag NRW: Drucksache 17/6458 – Gesetzliche Notstrom‑Pflicht für alle Einrichtungen mit Beatmungspatienten. Zuletzt abgerufen am 08.01.2026. https://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-6458.pdf

Deutsches Krankenhausinstitut (DKI): Investitionsbedarfe zur Herstellung der Resilienz deutscher Krankenhäuser. Zuletzt abgerufen am 08.01.2026. https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/1_DKG/1.7_Presse/1.7.1_Pressemitteilungen/2025/Studie_Resilienz.pdf

Soester-Anzeiger: Bei Stromausfall wird es dunkel: Weniger als die Hälfte der Altenheime ist Notstrom-versorgt. Zuletzt abgerufen am 08.01.2026. https://www.soester-anzeiger.de/lokales/kreis-soest/blackout-weniger-als-die-haelfte-der-altenheime-ist-notstrom-versorgt-91967048.html

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