Sturzprophylaxe: Definition, wichtige Maßnahmen und Übungen
Veröffentlicht am 07.08.2025

Verschiedene Vorsichtsmaßnahmen können Pflegebedürftigen helfen, Stürze zu verhindern. Quelle: Canva.de
Ein Moment der Unachtsamkeit, ein falscher Tritt oder einfach ausgerutscht – und schon ist es passiert. Insbesondere für ältere Menschen kann ein solcher Vorfall schwerwiegende Folgen haben. Während ein junger Mensch sich bei einem Sturz vielleicht nur erschrickt oder mit einem blauen Fleck davonkommt, kann derselbe Vorfall bei einer älteren Person zu Brüchen, Krankenhausaufenthalten oder sogar bleibender Pflegebedürftigkeit führen. Um diese Risiken zu minimieren, ist die Sturzprophylaxe von großer Bedeutung.
Sturzprophylaxe Definition - Was ist Sturzprophylaxe?
Zur Sturzprophylaxe zählen alle Maßnahmen, die das Risiko eines Sturzes reduzieren sollen. Dabei geht es einerseits darum, die Umgebung der Person sicherer zu gestalten, und andererseits darum, gesundheitliche und persönliche Faktoren zu betrachten. Das Ziel besteht darin, Stürze zu verhindern und mögliche Verletzungen, wie beispielsweise Knochenbrüche, zu vermeiden.
Die Maßnahmen richten sich an Pflegekräfte, Angehörige, Ärzt:innen, Therapeut:innen sowie die Betroffenen selbst. Eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ist entscheidend für den Erfolg.
Warum sind Stürze so gefährlich?
Vor allem im höheren Lebensalter kann ein Sturz den Beginn einer Negativspirale markieren. Neben schmerzhaften Prellungen und Hämatomen kommt es vermehrt zu Knochenbrüchen. Besonders häufig sind Oberschenkelhals- oder Oberarmfrakturen. Tückisch sind zudem Kopfverletzungen wie ein subdurales Hämatom, da sie nicht immer sofort erkannt werden.

Anna Liebig
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Darüber hinaus haben viele Stürze psychische Folgen: Aus Angst vor einem erneuten Sturz vermeiden viele Betroffene Bewegung. Dadurch bauen sie Muskeln ab, verlieren an Kraft und Gleichgewicht. Damit steigt das Risiko für den nächsten Sturz.
Sturzprophylaxe Risikofaktoren
Durch sorgfältige Beobachtung und gezielte Fragen lässt sich das Sturzrisiko gut einschätzen. Besonders wichtig ist es, regelmäßig auf Veränderungen zu achten, beispielsweise nach einem Krankenhausaufenthalt, bei einer neuen Medikation oder bei kognitiven Veränderungen.
Typische Anzeichen für ein erhöhtes Sturzrisiko sind:
- Unsicheres Gehen oder Gleichgewichtsprobleme
- Frühere Stürze oder sogenannte Beinahe-Stürze
- Schwierigkeiten beim Aufstehen, Hinsetzen oder Treppensteigen
- Verwirrtheit oder Vergesslichkeit
- Einnahme mehrerer Medikamente gleichzeitig (Polypharmazie)
- Nachlassende Sehkraft oder ungeeignete Brillen
In Pflegeeinrichtungen ist ein sogenannter Sturzrisikobogen hilfreich, der die Risiken strukturiert erfasst. Aber auch im privaten Umfeld können eine aufmerksame Beobachtung und ein offenes Gespräch mit den Betroffenen und ihren Angehörigen dabei helfen, Gefahren frühzeitig zu erkennen.
Was sind die Ursachen?
Stürze passieren in den meisten Fällen nicht nur zufällig, sondern sind das Ergebnis vieler kleiner Risikofaktoren. Diese können entweder bei der Person selbst liegen (intrinsische Faktoren) oder von außen kommen (extrinsische Faktoren).
Zu den intrinsischen Faktoren zählen beispielsweise Schwindel, Muskelschwäche, Sehprobleme, Gangunsicherheit oder Nebenwirkungen von Medikamenten. Besonders ältere Menschen reagieren empfindlich auf Schlaf- oder Beruhigungsmittel, da diese auch am nächsten Morgen noch wirken können. Auch chronische Erkrankungen wie Parkinson, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen das Risiko.
Extrinsische Risikofaktoren sind beispielsweise Stolperfallen wie Teppichkanten, Kabel, schlecht ausgeleuchtete Räume oder rutschige Böden. Auch unpassendes Schuhwerk, zu lange Kleidung oder schlecht angepasste Brillen können eine Rolle spielen. Verändert sich die gewohnte Umgebung, beispielsweise durch einen Umzug, kann dies zu Unsicherheiten führen und das Risiko eines Sturzes erhöhen.
Maßnahmen zur Sturzprophylaxe - Was kann man dagegen tun?
Durch gezielte Maßnahmen können viele Risiken deutlich reduziert werden. Eine sichere Umgebung ist dabei ein wichtiger erster Schritt. Dazu gehört, lose Teppiche zu entfernen, Kabel zu sichern, für ausreichende Beleuchtung zu sorgen und Haltegriffe im Bad und im Flur anzubringen. Auch die Anpassung von Möbeln und Betthöhen an die individuellen Bedürfnisse kann hilfreich sein.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist körperliche Aktivität. Regelmäßiges Bewegungstraining, wie Physiotherapie, Spaziergänge oder Übungen zu Hause, stärkt die Muskulatur und den Gleichgewichtssinn. Bereits kleine Übungen wie häufiges Aufstehen und Hinsetzen auf einen Stuhl haben eine große Wirkung. Besonders wirksam ist ein kombiniertes Kraft- und Balancetraining.
Auch die Medikamenteneinnahme sollte regelmäßig überprüft werden. Werden viele Medikamente gleichzeitig eingenommen (Polypharmazie), können Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit oder Kreislaufprobleme auftreten. Hier ist ein enger Austausch mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin wichtig.
Hilfsmittel und Unterstützung
Rollatoren, Gehstöcke oder Hüftprotektoren können für zusätzliche Sicherheit sorgen – vorausgesetzt, sie sind gut angepasst und werden richtig benutzt. Zudem sollten sie regelmäßig gewartet werden. Auch technische Hilfsmittel wie Notrufarmbänder oder Sturzsensoren bieten Schutz. In Pflegeeinrichtungen oder bei zunehmender Unsicherheit ist eine professionelle Sturzberatung sinnvoll.
Die Pflegeversicherung unterstützt unter bestimmten Voraussetzungen Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds finanziell, etwa mit Zuschüssen für Haltegriffe oder Treppenlifte.
Sturzprophylaxe - Maßnahmen in der Pflegeplanung
Jeder Sturz – selbst wenn er harmlos verläuft – sollte ernst genommen werden. Wichtig ist:
- Eine ärztliche Abklärung auf mögliche Verletzungen
- Eine neue Einschätzung des Sturzrisikos
- Dokumentation des Sturzereignisses (besonders in Einrichtungen)
- Gemeinsame Planung präventiver Maßnahmen
Fazit
Sturzprophylaxe ist weit mehr als nur das Vermeiden eines Unfalls. Sie ist ein zentraler Bestandteil der Gesundheitsförderung im Alter und dient dem Erhalt von Selbstständigkeit, Lebensqualität und Würde. Durch die Kombination aus Bewegung, einem sicheren Umfeld, einem gezielten Medikamentenmanagement und geeigneten Hilfsmitteln kann das Risiko deutlich gesenkt werden.
Besonders wichtig ist dabei die Zusammenarbeit: Pflegekräfte, Ärzt:innen, Angehörige und Betroffene müssen gemeinsam an einem Strang ziehen. Nur so lässt sich eine Umgebung schaffen, in der sich ältere Menschen sicher und selbstständig bewegen können und möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können.
Die wichtigsten Fragen zur Sturzprophylaxe
Welche Maßnahmen gibt es zur Sturzprophylaxe?
Zur Sturzprophylaxe gehören alle Maßnahmen, die das Risiko eines Sturzes gezielt reduzieren. Dazu zählen vor allem die Sicherung der Wohnumgebung (z. B. Entfernen von Stolperfallen, Anbringen von Haltegriffen, gute Beleuchtung), regelmäßige Bewegung zur Stärkung von Muskeln und Gleichgewicht, die Überprüfung der Medikamenteneinnahme sowie der gezielte Einsatz von Hilfsmitteln. Wichtig ist auch die Einschätzung individueller Risikofaktoren – etwa durch Sturzrisikobögen oder Gespräche mit Pflegekräften, Ärzt:innen und Angehörigen.
Was sind die 3 Ziele der Sturzprophylaxe?
Die drei zentralen Ziele der Sturzprophylaxe sind: 1. Stürze möglichst zu verhindern, 2. schwere Verletzungen wie Knochenbrüche zu vermeiden und 3. die Selbstständigkeit und Lebensqualität von älteren Menschen zu erhalten. Darüber hinaus dient Sturzprophylaxe dem Schutz vor einem langfristigen Verlust der Mobilität und Pflegebedürftigkeit – und trägt damit entscheidend zur Gesundheitsförderung im Alter bei.
Welche Übungen zur Sturzprophylaxe?
Besonders wirksam zur Sturzprophylaxe sind Übungen, die Kraft und Gleichgewicht fördern – wie regelmäßiges Aufstehen und Hinsetzen vom Stuhl, Standwaagen, Beinheben oder kontrolliertes Gehen auf der Stelle. Auch Spaziergänge oder gezielte physiotherapeutische Programme helfen, die Muskulatur zu kräftigen und das Gleichgewicht zu schulen. Bereits kurze, tägliche Einheiten können das Sturzrisiko deutlich senken.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- Thieme. I care – PflegeExamen KOMPAKT. Heiligmann S, Herbers T, Klimek L, Komander-Wergner G, Lauber A, Ludwig J, Schleyer D, Adelt H, Cecconi L et al., Hrsg. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.
- Thieme. Gerontopsychiatrie für die Pflege. > Spezielle Prophylaxen. Perrar K, Sirsch E, Kutschke A, Hrsg. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Stuttgart: Thieme; 2021.
- Doccheck. Flexikon. Sturzprophylaxe. Abgerufen am 23. Juli 2025, von: https://flexikon.doccheck.com/de/Sturzprophylaxe
- Gesund.bund.de. Stürze bei älteren Menschen. Abgerufen am 23. Juli 2025, von: https://gesund.bund.de/stuerze-aeltere-menschen











