Palliative Care Weiterbildung

Veröffentlicht am 05.11.2025

Ein Senior sitzt mit einer Pflegefachkraft auf einer Veranda.
AusbildungstypWeiterbildung
Ausbildungsdauer4 Wochen bis 12 Monate
Vorraussetzungabgeschlossene Ausbildung

Wenn Menschen unheilbar krank sind, zählt oft nicht mehr die Heilung, sondern die Lebensqualität, Würde und Linderung von Leid. Genau hier setzt Palliative Care an. Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet sinngemäß „umsorgende Pflege am Lebensende“. Dabei geht es nicht nur um die medizinische Behandlung von Schmerzen, sondern um ein ganzheitliches Konzept, das den Menschen in seiner letzten Lebensphase körperlich, seelisch, sozial und spirituell begleitet.

An wen richtet sich die Palliativ Care?

Palliative Care richtet sich an Patient:innen, die an einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung leiden, wie Krebs, Herzinsuffizienz oder einer neurologischen Erkrankung wie ALS. Ziel ist, Beschwerden zu lindern, Ängste zu nehmen und Lebensqualität zu erhalten, auch wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Dabei steht immer der Mensch im Mittelpunkt, nicht die Krankheit.

In diesem Bereich arbeiten speziell geschulte Pflegefachkräfte, Ärzt:innen, Therapeut:innen und Sozialarbeiter:innen eng zusammen. Eine besondere Rolle übernehmen dabei die Palliative-Care-Fachkräfte: Sie sind Expert:innen für die Pflege und Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen. Sie sorgen dafür, dass Patient:innen möglichst schmerzfrei, würdevoll und in vertrauter Umgebung leben und sterben können und dass auch die Angehörigen Unterstützung und Entlastung erfahren.

Die Weiterbildung in Palliative Care ist deshalb nicht nur ein beruflicher Schritt, sondern oft auch eine persönliche Entscheidung: Sie verlangt Einfühlungsvermögen, Stärke und eine besondere Haltung gegenüber dem Leben und dem Sterben.

Anna Liebig

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Was macht eine Palliative-Care-Fachkraft?

Das Ziel der Arbeit einer Palliative-Care-Fachkraft ist es, schwerkranke und sterbende Menschen so zu begleiten, dass sie trotz ihrer Erkrankung selbstbestimmt, möglichst schmerzfrei und würdevoll leben können.

Aufgaben einer Palliative-Care-Fachkraft

Aufgabenbereich Beschreibung
1. Symptomkontrolle und Schmerztherapie Ein zentraler Teil der Palliativpflege ist die Linderung belastender Symptome, etwa Schmerzen, Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Juckreiz oder Schwäche. Palliative-Care-Fachkräfte beobachten genau, wie sich der Zustand verändert, und passen die Pflege gemeinsam mit Ärzt:innen laufend an. Beispiele: – Schmerzmanagement: Medikamentengabe nach Schmerzskala, Wirkungskontrolle, Dokumentation, ggf. Anpassung in Absprache mit dem Arzt. – Atemnot lindern: Lagerung, Atemübungen, Sauerstoffgabe, beruhigende Ansprache. – Mundpflege: Befeuchtung, Lippenpflege, Hilfe beim Trinken – besonders wichtig bei Trockenheit.
2. Kommunikation und Begleitung In der Palliativpflege ist Kommunikation fast genauso wichtig wie medizinische Pflege. Fachkräfte führen Gespräche über Ängste, Hoffnungen und Wünsche, hören zu. Typische Aufgaben: – Gespräche führen: ehrlich, ruhig und in einfacher Sprache. – Ängste auffangen: Angst vor Schmerzen, Einsamkeit oder dem Sterben. – Ziele klären: Was ist dem Menschen wichtig? (Zeit mit Familie, Musik, Garten, Ruhe) – Angehörige begleiten: erklären, was im Sterbeprozess passiert, entlasten, trösten.
3. Organisation und Zusammenarbeit im Team Palliative Care funktioniert nur, wenn alle Berufsgruppen Hand in Hand arbeiten. Die Fachkraft ist dabei eine Art Koordinator:in, die den Überblick behält. Zu den Aufgaben gehören: – Pflegeplanung und Dokumentation (Symptome, Medikamente, Wünsche) – Austausch im multiprofessionellen Team (Pflege, Ärzt:innen, Sozialdienst, Seelsorge, Therapie) – Organisation von Hilfsmitteln (Pflegebett, Schmerzpumpe, Lagerungshilfen) – Abstimmung mit Hausärzt:innen, Pflegedienst oder Hospizteam – Begleitung von Übergängen (wie Entlassung nach Hause oder Aufnahme ins Hospiz).
4. Sterbebegleitung und Trauerarbeit Wenn das Lebensende näher rückt, verändert sich die Aufgabe der Pflegekraft: Dann steht das Dasein im Vordergrund, in Ruhe, mit Würde, ohne Hektik. Typische Aufgaben: – Sicherstellen, dass der Mensch nicht leidet: keine Schmerzen, keine Angst, keine Atemnot. – Unterstützung bei Ritualen oder letzten Wünschen (Musik, Kerze, vertraute Person). – Angehörige anleiten, was sie tun können, wenn der Mensch im Sterben liegt. – Nach dem Tod: Angehörige informieren, begleiten und ggf. den Körper versorgen.
5. Selbstfürsorge und Reflexion Die Arbeit in der Palliativpflege ist emotional fordernd. Deshalb gehört auch Selbstfürsorge zu den Aufgaben. – Austausch im Team, Supervision, regelmäßige Reflexion. – Bewusster Umgang mit Trauer und eigenen Grenzen. – Kleine Rituale nach dem Tod eines Menschen, um innerlich loszulassen. Nur wer auch auf sich selbst achtet, kann langfristig anderen Halt geben.

Was ist der Unterschied zwischen allgemeiner Pflege und Palliativpflege?

Während die allgemeine Pflege vor allem darauf ausgerichtet ist, Menschen wieder gesund oder möglichst selbständig zu machen, steht in der Palliativpflege das Wohlbefinden am Lebensende im Mittelpunkt. Es geht also nicht um Heilung, sondern um Linderung, Würde und Lebensqualität; egal, wie lange jemand noch lebt.

Die allgemeine Pflege findet meist in akuten Phasen statt, also im Krankenhaus, in der Reha oder bei kurzzeitiger Pflege. Palliativpflege hingegen beginnt oft viel früher, als viele denken: Sie setzt ein, sobald eine schwere, fortschreitende Erkrankung festgestellt wird.

Arbeitsorte als Palliative-Care-Fachkraft

Als Palliative-Care-Fachkraft kannst du überall dort tätig sein, wo Menschen mit schweren, unheilbaren oder lebensbegrenzenden Erkrankungen betreut werden. Dabei unterscheidet man zwischen stationären Einrichtungen (wie Hospiz, Krankenhaus, Pflegeheim) und ambulanten Diensten, die Menschen zu Hause begleiten.

Die Arbeit ist immer interdisziplinär, also im Team mit Ärzt:innen, Therapeut:innen, Psycholog:innen, Seelsorger:innen und Sozialarbeiter:innen. Ziel ist, dass schwerkranke Menschen unabhängig vom Aufenthaltsort die bestmögliche Lebensqualität erfahren.

Im Hospiz

Ein Hospiz ist ein besonderer Ort: Hier werden Menschen in ihrer letzten Lebensphase ganzheitlich begleitet. Heilung steht nicht mehr im Vordergrund, sondern Wohlbefinden, Ruhe und Geborgenheit.

Palliative-Care-Fachkräfte übernehmen hier die Rund-um-Betreuung: Sie kümmern sich um die Symptomkontrolle, gestalten den Alltag so angenehm wie möglich und sind rund um die Uhr für Patient:innen und Angehörige da.

Typische Merkmale:

  • Kleine, familiäre Einrichtung (meist 8–12 Plätze)
  • Zeit für Gespräche, Nähe und Rituale
  • Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen
  • Keine Hektik – der Mensch bestimmt das Tempo

Im Krankenhaus (Palliativstation oder Konsiliardienst)

Viele Krankenhäuser haben eigene Palliativstationen oder palliativmedizinische Dienste. Hier werden Patient:innen aufgenommen, deren Symptome so stark sind, dass sie im häuslichen Umfeld (noch) nicht kontrollierbar sind.

Deine Aufgaben:

  • Symptome stabilisieren (Schmerz, Atemnot, Angst)
  • Gespräche mit Patient:innen und Angehörigen führen
  • Überlegen, ob eine Entlassung nach Hause oder ins Hospiz möglich ist
  • Zusammenarbeit mit Ärzt:innen, Sozialdienst und Psycholog:innen

In der ambulanten Palliativversorgung (SAPV, Pflegedienste)

Nicht jeder Mensch möchte im Krankenhaus oder Hospiz sterben: Viele wünschen sich, zu Hause zu bleiben. Hier kommt die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) ins Spiel. Palliative-Care-Fachkräfte besuchen die Patient:innen regelmäßig zu Hause, überwachen Symptome, beraten Angehörige und koordinieren mit Ärzt:innen und Pflegediensten.

Aufgabenbeispiele:

  • Schmerztherapie und Symptomkontrolle vor Ort
  • Angehörigenanleitung (zum Beispiel bei Lagerung, Medikamenten, Ernährung)
  • 24-Stunden-Rufbereitschaft bei Krisen
  • Unterstützung bei Fragen zur Pflege, Ernährung, Vorsorge oder Trauer

Im Pflegeheim

Auch in Pflegeheimen spielt Palliative Care eine immer wichtigere Rolle, weil viele Bewohner:innen dort ihre letzte Lebensphase verbringen. Palliative-Care-Fachkräfte sind hier oft Schlüsselpersonen, die das Pflegeteam anleiten und dafür sorgen, dass Sterbebegleitung fachlich und menschlich gut gelingt.

Typische Aufgaben:

  • Schulung der Kolleg:innen in palliativen Themen
  • Einschätzung, wann palliative Maßnahmen notwendig sind
  • Zusammenarbeit mit Hausärzt:innen und Hospizdiensten
  • Begleitung von Bewohner:innen und Angehörigen in der letzten Lebensphase

Weiterbildung zur Palliative-Care-Fachkraft

Die Weiterbildung in Palliative Care richtet sich an Menschen, die bereits im Gesundheits- oder Sozialwesen arbeiten, also an Fachkräfte, die Erfahrung im Umgang mit Patient:innen haben und ihre Kompetenzen vertiefen möchten. Sie ist keine Erstausbildung, sondern eine Zusatzqualifikation, die auf einer bestehenden Berufsausbildung aufbaut.

Zulassungsvoraussetzungen für die Weiterbildung zur Palliative-Care-Fachkraft

Du kannst dich zur Palliative-Care-Fachkraft weiterbilden, wenn du eine staatlich anerkannte Ausbildung in einem der folgenden Berufe abgeschlossen hast:

Viele Anbieter verlangen zusätzlich mindestens ein Jahr Berufserfahrung in der direkten Pflege oder Betreuung schwerkranker Menschen. So wird sichergestellt, dass du schon ein grundlegendes Verständnis von Pflegeabläufen, Kommunikation und Belastungssituationen mitbringst.

Gut zu wissen!
Manche Bildungseinrichtungen öffnen die Weiterbildung auch für Personen, die ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig sind oder im sozialen Bereich mit Sterbenden zu tun haben, etwa Mitarbeitende in Hospizdiensten, Bestattungswesen oder Pflegeberatung. In solchen Fällen erfolgt meist ein individuelles Auswahlgespräch, um zu prüfen, ob du die nötige Reife und Erfahrung für diese Ausbildung mitbringst.

Persönliche Voraussetzungen für die Weiterbildung zur Palliative-Care-Fachkraft

Neben den formalen Kriterien spielt deine persönliche Eignung eine entscheidende Rolle. Palliative Care ist nicht nur Fachwissen, sondern vor allem Haltung. Du arbeitest mit Menschen, die wissen, dass sie nicht mehr gesund werden und begleitest sie auf einem Weg, der oft emotional, herausfordernd und zugleich sehr erfüllend ist. Deshalb achten Weiterbildungsträger (und später auch Arbeitgeber) darauf, dass du bestimmte persönliche Eigenschaften mitbringst.

Voraussetzung Was das bedeutet Warum es wichtig ist
Einfühlungsvermögen und Mitgefühl Du solltest dich in andere Menschen hineinversetzen können, ohne dich selbst zu verlieren. Sterbende und ihre Angehörigen brauchen jemanden, der versteht, zuhört und aushält, auch wenn es schwer wird. Du kannst mit Emotionen umgehen und begegnest jedem Menschen mit Respekt, unabhängig von Alter, Kultur oder Lebensgeschichte. In der Palliativpflege zählt nicht, wie viel du tust, sondern wie du da bist. Einfühlungsvermögen schafft Vertrauen und ermöglicht Nähe, selbst in schwierigen Momenten.
Kommunikationsfähigkeit Palliative Care erfordert ehrliche, klare und empathische Kommunikation. Du musst offen, aber sensibel über Themen wie Sterben, Prognosen oder Ängste sprechen können. Du hörst aktiv zu, sprichst in einfacher Sprache und kannst Konflikte moderieren, etwa wenn Angehörige unterschiedliche Vorstellungen haben. Beispiel: Ein Patient sagt: „Ich will keine Schläuche mehr.“ Du fragst nicht nur „Warum?“, sondern: „Was genau macht Ihnen Angst? Was wäre Ihnen stattdessen wichtig?“ Kommunikation ist die Grundlage für Vertrauen. Nur wer zuhört und respektvoll fragt, kann wirklich verstehen, was Patient:innen brauchen.
Belastbarkeit und emotionale Stabilität Du begleitest Menschen beim Sterben, siehst Leid und Abschied. Das erfordert innere Stärke und die Fähigkeit, Dich professionell abzugrenzen. Du darfst berührt sein, aber nicht zerbrechen. Du erkennst deine eigenen Grenzen, nutzt Supervision oder Teamgespräche und reflektierst regelmäßig deine Arbeit. Nur wer selbst stabil bleibt, kann Halt geben. Selbstfürsorge ist keine Schwäche, sondern Voraussetzung, um langfristig in der Palliativpflege arbeiten zu können.
Offenheit für ethische und spirituelle Fragen In der Palliativpflege geht es oft um mehr als Medizin: um Sinn, Werte und Glauben. Du musst keine Antworten geben, aber du solltest bereit sein, zuzuhören und Raum für diese Fragen zu lassen. Egal, ob jemand religiös, spirituell oder atheistisch ist: Du begegnest allen Haltungen mit Respekt. Viele Patient:innen suchen am Lebensende Orientierung. Offenheit und Respekt helfen ihnen, Frieden zu finden, unabhängig von Religion oder Weltanschauung.
Teamfähigkeit und Kooperationsbereitschaft Du arbeitest eng mit Ärzt:innen, Psycholog:innen, Seelsorger:innen und Therapeut:innen zusammen. Das erfordert Toleranz, Geduld und gegenseitige Wertschätzung. Du teilst dein Wissen, übernimmst Verantwortung und bist bereit, auch mal zurückzutreten, wenn jemand anderes die bessere Lösung hat. Palliative Care lebt vom Teamgedanken. Nur wenn alle Berufsgruppen zusammenarbeiten, kann die Versorgung ganzheitlich gelingen.
Reflexionsfähigkeit und Haltung zum Leben Du setzt dich aktiv mit Krankheit, Verlust und Tod auseinander. Du kennst deine eigenen Grenzen, Ängste und Werte und kannst sie reflektiert einordnen. Viele Teilnehmende berichten, dass sie durch die Weiterbildung auch persönlich wachsen und achtsamer mit dem Leben umgehen. Selbstreflexion stärkt deine innere Haltung. Wer sich selbst kennt, kann anderen authentisch begegnen – das ist die Basis jeder palliativen Begleitung.

Dauer und Aufbau der Weiterbildung zur Palliative-Care-Fachkraft

Die Weiterbildung in Palliative Care ist so konzipiert, dass sie sich gut in den Berufsalltag integrieren lässt, denn viele Teilnehmende absolvieren sie berufsbegleitend. Je nach Anbieter, Bundesland und Zielgruppe kann die Struktur leicht variieren, aber der grundsätzliche Aufbau ist bundesweit ähnlich geregelt. Die Weiterbildung orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands (DHPV). Sie legt großen Wert auf Praxisnähe, persönliche Reflexion und multiprofessionelles Lernen.

Dauer der Weiterbildung

Je nach Format gibt es verschiedene Modelle:

Modell Dauer Beschreibung
Berufsbegleitende Weiterbildung (Standardmodell) ca. 6 bis 12 Monate Das häufigste Modell. Der Unterricht findet in Blockform statt (zum Beispiel eine Woche Kurs, dann mehrere Wochen Arbeitspause). So kannst du die Weiterbildung neben deinem Beruf absolvieren.
Vollzeitmodell ca. 4 bis 6 Wochen Kompakte Form, meist mit täglichem Unterricht. Eignet sich für Pflegekräfte, die für den Zeitraum freigestellt werden können.
Modulare Weiterbildung individuell (zum Beispiel 2×80 Stunden) Aufbau aus zwei Modulen: „Grundkurs“ (80 Std.) und „Vertiefungskurs“ (weitere 80 Std.). Zwischen den Modulen liegt meist ein Praxisabschnitt, in dem du das Gelernte anwendest.
Erweiterte Fachweiterbildung (beispielsweise für SAPV oder Pädiatrische Palliativpflege) bis zu 18 Monate Spezialisierte Lehrgänge mit zusätzlichen Inhalten zu komplexer Symptomkontrolle, Ethik und Koordination. Vor allem für erfahrene Pflegekräfte und Fachkräfte aus SAPV-Teams.
Tipp:
Wenn du berufstätig bist, ist die berufsbegleitende Variante die gängigste und flexibelste Lösung. Viele Arbeitgeber unterstützen dich durch Freistellungstage oder Kostenübernahme.

Aufbau und Struktur

Die Weiterbildung kombiniert Theorie, Praxis und Reflexion. Ziel ist, dich nicht nur fachlich, sondern auch menschlich auf die Arbeit in der Palliativpflege vorzubereiten.

Typischer Aufbau:

  1. Theoretischer Unterricht (mind. 160 Stunden)
    Du lernst die Grundlagen der palliativen Pflege:
    • Medizinische Grundlagen und Symptomkontrolle
    • Schmerztherapie und Pharmakologie
    • Kommunikation mit Sterbenden und Angehörigen
    • Ethische Entscheidungsfindung
    • Umgang mit Tod, Trauer und Spiritualität
    • Rechtliche Aspekte (Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Dokumentation)
    • Teamarbeit, Fallbesprechungen, Selbstfürsorge
  2. Praxisanteil / Projektarbeit
    Zwischen den Theorieblöcken wendest du das Gelernte in deinem beruflichen Alltag an. Viele Kurse verlangen eine Fallarbeit oder Projektarbeit, zum Beispiel:
    • Analyse eines konkreten Palliativfalls
    • Verbesserung eines pflegerischen Prozesses (beispielsweise Schmerzassessment)
    • Reflexion eines eigenen Begleitungsprozesses
  3. Selbsterfahrung und Reflexion
    Ein wichtiger Bestandteil ist die Auseinandersetzung mit eigenen Erfahrungen zu Sterben, Verlust und Trauer. Das geschieht in Gruppengesprächen, Rollenspielen oder schriftlichen Reflexionsaufgaben. Ziel: die eigene Haltung festigen und emotionale Stabilität entwickeln.
  4. Abschluss und Zertifikat
    Am Ende steht meist:
    • eine schriftliche oder mündliche Prüfung,
    • die Präsentation einer Fallarbeit oder
    • ein Abschlussgespräch mit Reflexionsteil.
  5. Nach erfolgreichem Abschluss erhältst du ein anerkanntes Zertifikat „Palliative Care“, das bundesweit als Qualifikationsnachweis gilt.
Gut zu wissen!
Das Zertifikat „Palliative Care“ ist bundesweit anerkannt, wenn der Kurs folgende Kriterien erfüllt:
- mindestens 160 Unterrichtsstunden,
- Inhalte nach den Empfehlungen der DGP / DHPV,
- Dozent:innen mit palliativer Fachqualifikation.

In manchen Bundesländern (zum Beispiel Bayern und NRW) ist die Weiterbildung auch Voraussetzung, um in bestimmten Einrichtungen (Hospiz, SAPV) eingesetzt werden zu dürfen.

Inhalte der Weiterbildung: Palliative Care

Themenbereich Inhalte Lernziele / Kompetenzen
1. Grundlagen der Palliativpflege - Geschichte und Philosophie der Hospiz- und Palliativbewegung
- Grundprinzipien der Palliativpflege: Ganzheitlichkeit, Würde, Selbstbestimmung
- Abgrenzung zu kurativer Pflege
- Rollenverständnis der Palliative-Care-Fachkraft
Du verstehst die ethischen und pflegerischen Grundlagen der Palliativversorgung, kannst den Unterschied zu kurativer Pflege erklären und entwickelst ein professionelles Selbstverständnis in der Begleitung schwerkranker Menschen.
2. Symptomkontrolle und Schmerztherapie - Schmerzphysiologie, Schmerzerfassung (zum Beispiel mit Schmerzskalen)
- Medikamentöse und nicht-medikamentöse Schmerztherapie
- Symptommanagement bei Atemnot, Übelkeit, Schwäche, Angst, Appetitlosigkeit
- Zusammenarbeit mit Ärzt:innen bei Medikamenteneinstellung
Du lernst, Symptome zu erkennen, zu beurteilen und zu lindern. Du kannst Pflege- und Behandlungsmaßnahmen individuell planen und wirkungsvoll mit dem ärztlichen Team abstimmen.
3. Kommunikation und Gesprächsführung - Grundlagen empathischer Kommunikation
- Aktives Zuhören, nonverbale Signale
- Umgang mit „schwierigen Gesprächen“ (wie schlechte Nachrichten, Todeswünsche)
- Begleitung von Angehörigen in Krisen
- Deeskalation bei Konflikten
Du kannst Gespräche wertschätzend führen, Ängste und Konflikte verstehen und sprachlich begleiten. Du entwickelst Sicherheit, auch über Sterben, Tod und Trauer offen zu sprechen.
4. Psychosoziale und spirituelle Begleitung - Bedeutung von Spiritualität und Lebenssinn
- Umgang mit Angst, Einsamkeit, Depression
- Einbindung von Seelsorge und Ehrenamt
- Bedürfnisse von Angehörigen
- Trauerprozesse verstehen und begleiten
Du lernst, Menschen in emotionalen und spirituellen Krisen zu begleiten, ohne zu urteilen. Du erkennst, wann professionelle oder seelsorgerische Unterstützung nötig ist.
5. Ethische und rechtliche Aspekte - Ethische Entscheidungsfindung in Grenzsituationen (etwa bei Therapiebegrenzung, Patientenverfügung)
- Rechtliche Grundlagen: Vorsorgevollmacht, Betreuungsrecht, Dokumentation
- Sterbehilfe-Debatte und Grenzen professionellen Handelns
Du entwickelst ethische Urteilsfähigkeit, kennst rechtliche Rahmenbedingungen und kannst Entscheidungen im Team und mit Angehörigen verantwortungsvoll diskutieren.
6. Pflege in der letzten Lebensphase - Bedürfnisse sterbender Menschen
- Wahrnehmung und Begleitung des Sterbeprozesses
- Körperliche Pflege am Lebensende (wie Mundpflege, Lagerung, Hautpflege)
- Umgang mit Symptomen wie Rasselatmung oder Unruhe
- Versorgung Verstorbener, Rituale nach dem Tod
Du kannst Sterbende würdevoll und symptomorientiert pflegen, erkennst Veränderungen im Sterbeprozess und gestaltest Abschied und Nachsorge respektvoll.
7. Trauer, Verlust und Selbstfürsorge - Formen und Phasen der Trauer
- Trauer bei Angehörigen und im Team
- Umgang mit eigener Betroffenheit
- Methoden der Selbstfürsorge (Achtsamkeit, Abgrenzung, Supervision)
Du lernst, Trauerprozesse zu verstehen, Angehörige zu begleiten und dich selbst vor Überlastung zu schützen. Du entwickelst Strategien, um langfristig gesund und empathisch zu bleiben.
8. Teamarbeit und multiprofessionelle Kooperation - Rollenverständnis im multiprofessionellen Team
- Fallbesprechungen, Supervision, kollegiale Beratung
- Zusammenarbeit mit Ärzt:innen, Therapeut:innen, Seelsorge, Sozialdienst
- Netzwerkarbeit mit Hospizdiensten und SAPV-Teams
Du arbeitest sicher im Team, kannst Fälle strukturiert besprechen und interdisziplinäre Zusammenarbeit aktiv gestalten.
9. Praxis- und Projektarbeit - Erstellung einer Fallarbeit aus der eigenen Praxis
- Reflexion palliativer Situationen und ethischer Entscheidungen
- Dokumentation und Präsentation im Abschlusskolloquium
Du kannst Theorie und Praxis verknüpfen, Erfahrungen reflektieren und eigene Begleitungen fachlich begründen.

Fazit zur Palliative Care Weiterbildung

Als Palliative-Care-Fachkraft begleitest du Menschen in einer der sensibelsten Phasen ihres Lebens. Du hilfst, Schmerzen zu lindern, Ängste zu nehmen und Ruhe zu schenken. Du bist Gesprächspartner:in, Stütze, Vermittler:in und oft auch einfach ein Mensch, der da ist – ohne zu urteilen, ohne zu eilen.

Diese Arbeit fordert viel Empathie, Belastbarkeit, Mut und Selbstreflexion. Aber sie gibt auch viel zurück. Du erlebst echte Begegnungen, Sinnhaftigkeit und das Bewusstsein, dass Deine Zeit und Zuwendung einen Unterschied machen.

Palliative Care verändert, wie Du über Pflege denkst und oft auch, wie Du über das Leben denkst. Sie lehrt Dich, dass gute Pflege nicht nur verlängert, sondern vertieft: das Leben, den Kontakt, das Vertrauen. Wenn Du bereit bist, Pflege auf einer tieferen, menschlicheren Ebene zu leben, ist diese Weiterbildung genau der richtige Schritt.

Häufige Fragen zur Palliative Care Weiterbildung

Wie wird man Palliative-Care-Fachkraft?

Um Palliative-Care-Fachkraft zu werden, brauchst Du zuerst eine abgeschlossene Ausbildung im Gesundheits- oder Sozialwesen, zum Beispiel als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, Hebamme, Therapeutin oder Therapeut oder Sozialarbeiterin bzw. Sozialarbeiter.

Anschließend absolvierst Du eine anerkannte Weiterbildung in Palliative Care bei einem Bildungsträger, etwa einer Pflegeakademie, einem Krankenhaus oder einem Hospizverein. Nach erfolgreichem Abschluss erhältst Du ein Zertifikat, das bundesweit als Qualifikationsnachweis gilt.

Welche Ausbildung braucht man für die Palliativversorgung?

Für die Palliativversorgung benötigst du eine staatlich anerkannte Berufsausbildung in einem pflegerischen, medizinischen oder sozialen Beruf. Typische Grundberufe sind Pflegefachfrau oder Pflegefachmann, Kinderkrankenpflege, Hebamme, Arzt oder Ärztin, Sozialarbeit, Sozialpädagogik sowie therapeutische Berufe wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Logopädie.

Viele Anbieter verlangen zusätzlich mindestens ein Jahr Berufserfahrung in der Betreuung schwerkranker Menschen. Erst mit dieser Grundlage kannst Du die Weiterbildung beginnen.

Wie lange dauert die Weiterbildung Palliative Care?

Die Weiterbildung umfasst mindestens 160 Unterrichtsstunden. Je nach Anbieter dauert sie zwischen sechs und zwölf Monaten, wenn Du sie berufsbegleitend absolvierst, oder vier bis sechs Wochen in Vollzeit.

Was verdient man als Palliative-Care-Fachkraft?

Das Gehalt hängt davon ab, bei welchem Träger Du arbeitest, wie viel Berufserfahrung Du hast und in welcher Region Du tätig bist.

Im öffentlichen Dienst liegt das durchschnittliche Bruttogehalt zwischen 3.500 und 4.800 Euro im Monat. Kirchliche Arbeitgeber wie Caritas oder Diakonie zahlen ähnlich, meist zwischen 3.400 und 4.600 Euro. In privaten Einrichtungen bewegen sich die Gehälter häufig zwischen 3.200 und 4.500 Euro. Mit steigender Berufserfahrung oder in spezialisierten Bereichen wie der ambulanten Palliativversorgung (SAPV) sind auch bis zu 5.000 Euro brutto im Monat möglich.

Quellen

Bundesagentur für Arbeit. (o. D.). BERUFENET – Palliative Care Fachkraft. Abgerufen am 20. Oktober 2025, von https://web.arbeitsagentur.de/berufenet/beruf/69688#ueberblick

Caritasverband für das Bistum Essen e. V. (o. D.). Palliative Care für Pflegefachkräfte. Abgerufen am 20. Oktober 2025, von https://www.caritas-essen.de/berufe/fort-weiterbildungsboerse/palliative-care-fuer-pflegefachkraefte-8100e5f0-915c-45e8-bb8c-78b0484bfbf0

Universitätsklinikum Münster (UKM). (o. D.). Palliative Care. Abgerufen am 20. Oktober 2025, von https://www.ukm.de/pflege/karriere/fort-und-weiterbildung/palliative-care

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