Tag der Ersten Hilfe 2026: Was Pflegekräfte im Notfall wissen sollten

Veröffentlicht am 12.09.2026

Ein Rettungssanitäter zeigt wie eine Reanimation an einer Puppe funktioniert.

Schnelle Hilfe kann im Notfall Leben retten. Bildquelle: Canva.de

Ein Sturz, eine bewusstlose Person oder ein Herz-Kreislauf-Stillstand: In solchen Notfallsituationen zählt oft jede Minute. Gerade in der Pflege bist du häufig eine der ersten Personen, die Veränderungen bemerkt und reagieren kann. Der Tag der Ersten Hilfe im September erinnert deshalb daran, wie wichtig es ist, Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig aufzufrischen, um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

Der Internationale Tag der Ersten Hilfe findet jedes Jahr am zweiten Samstag im September statt. 2026 fällt er auf den 12. September. Der Aktionstag wurde im Jahr 2000 von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften ins Leben gerufen. Ziel ist es, das Bewusstsein für Erste Hilfe zu stärken und Menschen dazu zu ermutigen, in Notfallsituationen zu handeln.

Das Wichtigste in Kürze

 
- 📅 Der Tag der Ersten Hilfe findet 2026 am 12. September statt: Der internationale Aktionstag wird jedes Jahr am zweiten Samstag im September begangen und macht auf die Bedeutung schneller Hilfe in Notfällen aufmerksam.
 
- 🚨 Pflegekräfte müssen Veränderungen schnell erkennen: Atemnot, Bewusstseinsveränderungen, Sprachstörungen oder Kreislaufprobleme können auf einen akuten Notfall hinweisen und schnelles Handeln erfordern.
 
- ❤️ Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute: Ist eine Person nicht ansprechbar und atmet nicht normal, müssen umgehend die Rettungskette aktiviert und Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.
 
- 🏥 Gute Notfallversorgung braucht klare Abläufe: Pflegekräfte sollten wissen, wo sich Notfallwagen und AED befinden, wie das Notfallteam alarmiert wird und wer im Ernstfall welche Aufgaben übernimmt.
 
- 🔄 Erste-Hilfe-Wissen sollte regelmäßig aufgefrischt werden: Praktische Übungen zu Reanimation, stabiler Seitenlage und AED-Anwendung helfen dabei, im Notfall sicherer zu handeln.

Anna Liebig

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Was bedeutet Erste Hilfe eigentlich?

Erste Hilfe umfasst alle Maßnahmen, die Menschen in einer Notfallsituation bis zum Eintreffen professioneller Hilfe leisten können. Dazu gehören beispielsweise das Erkennen einer akuten Gefahr, das Absetzen eines Notrufs, die Versorgung von Verletzungen, die Blutstillung, die stabile Seitenlage und die Wiederbelebung. Welche Maßnahmen notwendig sind, hängt immer von der jeweiligen Situation ab. Ein wichtiger Grundsatz lautet dabei: Eigenschutz geht vor. Du solltest dich nicht selbst in Gefahr bringen, um einer anderen Person zu helfen. Auch im beruflichen Umfeld müssen Erste-Hilfe-Maßnahmen an die konkrete Situation und die eigenen Kompetenzen angepasst werden.

Erste Hilfe in der Pflege: Wichtige Sofortmaßnahmen im Überblick

Notfallsituation Wichtige erste Maßnahme
Bewusstlose Person mit normaler Atmung Atemwege sichern, stabile Seitenlage, Atmung beobachten
Bewusstlose Person mit fehlender oder nicht normaler Atmung Notruf 112 und sofortige Reanimation
Starke Blutung Blutung schnellstmöglich stillen
Akute Verschlechterung Person beurteilen, Hilfe holen und Notruf bzw. innerbetriebliche Notfallkette aktivieren

Warum ist Erste Hilfe in der Pflege besonders wichtig?

Für Pflegekräfte bedeutet Erste Hilfe mehr, als nur das Wissen aus dem klassischen Erste-Hilfe-Kurs. Du arbeitest täglich mit Menschen, deren Gesundheitszustand sich innerhalb kurzer Zeit verändern kann. Ein scheinbar kleiner Sturz kann beispielsweise mit einer schweren Verletzung verbunden sein. Eine Bewusstseinsveränderung kann auf einen Schlaganfall, eine Stoffwechselentgleisung oder einen Kreislaufstillstand hinweisen.

Gleichzeitig kennst du viele deiner Patient:innen bereits gut. Dadurch kannst du Veränderungen häufig früh wahrnehmen. Eine Person wirkt plötzlich ungewöhnlich schläfrig, spricht anders als sonst, bekommt Atemnot oder ist auffällig blass und kaltschweißig. 

Diese Beobachtungsgabe ist ein wichtiger Bestandteil professioneller Notfallversorgung. Entscheidend ist jedoch, dass du bei einem akuten Notfall nicht erst lange nach der möglichen Diagnose suchst. Zunächst stehen die lebenswichtigen Funktionen und die Aktivierung der Rettungskette im Mittelpunkt.

Wenn es plötzlich zum Herz-Kreislauf-Stillstand kommt

Eine der wichtigsten Situationen, in denen Erste Hilfe Leben retten kann, ist der plötzliche Herz-Kreislauf-Stillstand. Die aktuellen Reanimationsleitlinien betonen, dass bei einer nicht ansprechbaren Person schnell gehandelt werden muss. Bei fehlender oder nicht normaler Atmung sollte von einem Herz-Kreislauf-Stillstand ausgegangen und unverzüglich mit der Herzdruckmassage begonnen werden. 

Für die Herzdruckmassage gilt bei Erwachsenen eine Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Die Drucktiefe sollte etwa 5 bis 6 cm betragen (s. Leitlinie Reanimation 2025, S. 169) Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) kann von jedem eingesetzt werden und führt die Helfer mit Sprachanweisungen durch die Anwendung.

Checkliste: Kennst du die Notfallabläufe an deinem Arbeitsplatz? 

Gerade im Pflegealltag lohnt es sich deshalb, regelmäßig zu wissen:

  • Wo befindet sich der Notfallwagen?
  • Wo ist der nächste AED?
  • Wie wird in deiner Einrichtung der Notruf ausgelöst?
  • Wer übernimmt welche Aufgabe im Notfall?
  • Wie wird das Notfallteam alarmiert?
  • Wo befinden sich wichtige Notfallmaterialien?
Im Notfall sollte keine Zeit damit verloren gehen, erst nach Materialien oder Zuständigkeiten zu suchen.

Erste Hilfe bedeutet auch: Veränderungen früh erkennen

Nicht jeder Notfall beginnt dramatisch. Gerade in der Pflege können sich kritische Situationen schleichend entwickeln. Eine wichtige Kompetenz besteht deshalb darin, Veränderungen ernst zu nehmen und bei Bedarf rechtzeitig Unterstützung zu holen.

Plötzlich auftretende Sprachstörungen, eine neue Lähmung, starke Atemnot, Brustschmerzen oder eine Bewusstseinsveränderung können beispielsweise Hinweise auf einen akuten medizinischen Notfall sein.

Dabei gilt: Du musst nicht jede Diagnose selbst stellen. Deine Aufgabe besteht zunächst darin, die Situation einzuschätzen, gefährliche Entwicklungen zu erkennen, Hilfe zu organisieren und die notwendigen Sofortmaßnahmen im Rahmen deiner Kompetenzen einzuleiten.

Warnzeichen, bei denen du schnell reagieren solltest

  • plötzlich auftretende Sprachstörungen 
  • neue Lähmungserscheinungen 
  • starke Atemnot 
  • akute Brustschmerzen 
  • Bewusstseinsveränderungen
  • fehlende oder nicht normale Atmung

Erste Hilfe im Pflegebetrieb: Organisation ist entscheidend

Erste Hilfe kann nur dann zuverlässig funktionieren, wenn nicht nur einzelne Mitarbeitende gut ausgebildet sind. Auch die Einrichtung muss entsprechende Strukturen schaffen.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) weist darauf hin, dass Unternehmen ausreichend Ersthelfer zur Verfügung stellen und geeignete organisatorische Maßnahmen treffen müssen. Erste-Hilfe-Material und entsprechende Einrichtungen müssen ebenfalls vorhanden sein und schnell auffindbar.  

Für deinen Arbeitsalltag bedeutet das: Es sollte klar sein, wer im Notfall welche Aufgabe übernimmt. Erste-Hilfe-Einrichtungen müssen außerdem entsprechend gekennzeichnet und schnell erreichbar sein. Eine regelmäßige Unterweisung hilft zusätzlich dabei, die Abläufe präsent zu halten. Nach den Vorgaben der DGUV sollen Beschäftigte mindestens einmal jährlich über Erste-Hilfe-Einrichtungen und das richtige Verhalten bei Unfällen und akuten Erkrankungen im Betrieb unterwiesen werden. 

Besonderheit in der Pflege: Du bist nicht nur Ersthelferin

Als Pflegekraft befindest du dich oft in einer besonderen Situation. Du bist nicht zufällig am Unfallort, sondern trägst eine berufliche Verantwortung gegenüber den Menschen, die dir anvertraut wurden. Gleichzeitig gelten deine fachlichen Kompetenzen sowie die jeweiligen Vorgaben deiner Einrichtung.

Deshalb ist es sinnvoll, zwischen Erster Hilfe, pflegerischer Notfallversorgung und ärztlicher Behandlung zu unterscheiden. Erste Hilfe bedeutet nicht, dass du alle medizinischen Entscheidungen allein treffen musst. Viel wichtiger ist es, die Situation schnell zu erkennen, Hilfe zu alarmieren und die Zeit bis zum Eintreffen weiterer Unterstützung sinnvoll zu überbrücken.

Die rechtlichen Aspekte sollten dich nicht davon abhalten, zu handeln, nur weil du Angst vor Fehlern hast. Gemäß § 323c StGB besteht grundsätzlich eine Pflicht zur Hilfeleistung, sofern diese zumutbar ist und ohne erhebliche Eigengefährdung oder Verletzung anderer wichtiger Pflichten erfolgen kann.  

Der Erste-Hilfe-Tag als Anlass zum Auffrischen

Der Tag der Ersten Hilfe bietet eine gute Gelegenheit, die eigenen Kenntnisse kritisch zu überprüfen. Wann hast du zuletzt eine Reanimation praktisch geübt? Weißt du noch, wie die stabile Seitenlage funktioniert? Könntest du einen AED sicher anwenden?

Gerade weil Notfälle glücklicherweise nicht ständig auftreten, können einzelne Handgriffe mit der Zeit unsicherer werden. Regelmäßige praktische Übungen können deshalb helfen, Hemmschwellen abzubauen und im Ernstfall schneller zu reagieren.

Für Pflegekräfte lohnt es sich außerdem, das Erste-Hilfe-Wissen nicht nur als Pflichtfortbildung zu betrachten. Es ist ein wichtiger Bestandteil der professionellen Handlungssicherheit – im Pflegeheim, im Krankenhaus, in der ambulanten Pflege und auch außerhalb des Arbeitsplatzes.

Fazit: Erste Hilfe beginnt mit dem ersten Schritt

Der Tag der Ersten Hilfe am 12. September 2026 erinnert daran, dass im Notfall nicht nur professionelle Rettungskräfte handeln können. Gerade Pflegekräfte können durch das schnelle Erkennen einer Situation, gezielte Sofortmaßnahmen und das Aktivieren der Rettungskette entscheidende Zeit überbrücken.

Dabei geht es nicht darum, jede medizinische Situation allein zu beherrschen. Es geht darum, zu wissen, was jetzt wichtig ist, Hilfe zu holen und zu handeln. Nutze den Aktionstag deshalb als Anlass, dein Wissen aufzufrischen, die Notfallabläufe in deiner Einrichtung zu überprüfen und praktische Handgriffe zu trainieren. Denn wenn es darauf ankommt, kann aus Wissen konkrete Hilfe werden. 

Fragen und Antworten zum Tag der Ersten Hilfe

Muss ich als Pflegekraft zusätzlich einen Erste-Hilfe-Kurs machen?

Ob und in welchem Umfang eine zusätzliche Ausbildung erforderlich ist, hängt unter anderem von deiner Tätigkeit und den Vorgaben deiner Einrichtung ab. Für betriebliche Ersthelfende gelten besondere Anforderungen an Ausbildung und Fortbildung.

Warum ist schnelles Handeln bei Erster Hilfe wichtig?

Ein häufiger Fehler ist nicht unbedingt eine falsche Maßnahme, sondern zu langes Zögern. Die Angst, etwas falsch zu machen, kann dazu führen, dass notwendige Hilfe zu spät beginnt. Gerade bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand ist schnelles Handeln entscheidend.

Kann ich bei einer Reanimation etwas kaputtmachen?

Bei einer notwendigen Reanimation sind Verletzungen, beispielsweise an den Rippen, möglich. Die aktuellen Reanimationsleitlinien betonen jedoch, dass die Sorge vor möglichen Verletzungen kein Grund sein sollte, eine notwendige Herzdruckmassage zu unterlassen.

Was sollte ich als Pflegekraft nach einem Notfall beachten?

Neben der weiteren Versorgung sind nach einem Notfall auch die internen Abläufe deiner Einrichtung wichtig. Dazu können beispielsweise die Dokumentation, die Übergabe an weiterbehandelnde Teams und je nach Situation eine Nachbesprechung des Ereignisses gehören.

Wie kann ich meine Erste-Hilfe-Kenntnisse am besten auffrischen?

Am effektivsten ist eine praktische Wiederholung. Insbesondere Reanimation, stabile Seitenlage und der Umgang mit einem AED profitieren davon, wenn sie nicht nur theoretisch gelernt, sondern auch regelmäßig praktisch geübt werden.

 

Quellen

Deutsches Rotes Kreuz (DRK): lebensrettenden Sofortmaßnahmen. Zuletzt abgerufen am 27.08.2026 https://www.drk.de/hilfe-in-deutschland/erste-hilfe/rettungskette/lebensrettende-sofortmassnahmen/

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Handbuch zur Ersten Hilfe. Zuletzt abgerufen am 27.08.2026 https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/826

Bundesministerium der Justiz. Strafgesetzbuch – Unterlassene Hilfeleistung. (Gesetze im Internet) Zuletzt abgerufen am 27.08.2026 https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/BJNR001270871.html

Amboss. Präklinische Traumaversorgung > Erste Hilfe. Zuletzt abgerufen am 27.08.2026 https://next.amboss.com/de/article/4N03Yg?q=erste+hilfe

I care – PflegeExamen KOMPAKT. Pflegebasismaßnahmen > Notfallsituationen > Erste Hilfe leisten. Heiligmann S, Herbers T, Klimek L, Komander-Wergner G, Lauber A, Ludwig J, Schleyer D, Adelt H, Cecconi L et al., Hrsg. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.

Reanimation 2025 – Leitlinien kompakt. 2. Auflage (2026). (c) 2025 Deutscher Rat für Wiederbelebung – German Resuscitation Council e.V. (GRC). Zuletzt abgerufen am 03.09.2026 https://www.grc-org.de/files/Contentpages/document/260429_TB_Reanimation.pdf

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