Wann ins Krankenhaus? Das sind echte Notfälle
Veröffentlicht am 22.12.2025

Alle Krankenhäuser sind auf Notfälle vorbereitet. Quelle: Canva.de
Du spürst plötzlich starke Schmerzen, Atemnot oder eine andere beunruhigende Veränderung in deinem Körper und überlegst fieberhaft, ob du sofort ins Krankenhaus musst oder ob es warten kann. Dieser Artikel klärt dich präzise auf, was echte medizinische Notfälle sind, wie du sie erkennst und wie du richtig handelst, um Zeit zu sparen und Leben zu schützen. Du lernst, unnötige Besuche in der überlasteten Notaufnahme zu vermeiden, während du bei akuten Gefahren schnell und sicher Hilfe bekommst – speziell für Deutschland mit seinen klaren Regeln zu Notrufnummern und Versorgungswegen.
Medizinischer Notfall: Die Definition
Ein medizinischer Notfall tritt ein, wenn akute Symptome dein Leben oder deine Gesundheit sofort bedrohen, wie plötzliche Bewusstlosigkeit, Atemstillstand oder massive Blutungen. Du erkennst das an Zeichen wie starkem Brustschmerz, der länger als Minuten anhält, extremer Atemnot oder Lähmungen auf einer Körperseite. Oft handelt es sich um Störungen vitaler Funktionen, die sofortige Intervention erfordern, um bleibende Schäden zu verhindern.
Nicht jeder Schmerz zählt dazu, denn leichte Verletzungen oder chronische Beschwerden wie Rückenschmerzen gehören zum Hausarzt. Du handelst richtig, wenn du Symptome priorisierst und bei Unsicherheit den Notruf wählst. So schützt du dich und entlastest das System.
Die richtige Notrufnummer wählen
Bei lebensbedrohlichen Situationen wählst du die einheitliche europäische Notrufnummer 112, die dich mit Rettungsdienst und der Feuerwehr verbindet. Du gibst präzise Infos: Wo du bist, was passiert, wie viele Betroffene und welche Symptome - die integrierte Leitstelle stellt dir dann Rückfragen. Diese Nummer funktioniert auch ohne Guthaben und ortet dein Handy automatisch.

Anna Liebig
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Für dringende, aber nicht akute Fälle nimmst du 116 117, den ärztlichen Bereitschaftsdienst für Hausbesuche oder Praxistermine außerhalb der Sprechzeiten. Beispiele sind starkes Fieber ohne Krämpfe oder akute Mittelohrentzündung. Merke: 112 für Leben retten, 116 117 für schnelle Hilfe in einer nicht lebensbedrohlichen Situation.
Hierzu eine Übersicht, um dir einen klaren Überblick zu verschaffen:
| Nummer | Bezeichnung | Einsatzbereich | Typische Fälle |
|---|---|---|---|
| 112 | Rettungsdienst | Lebensgefahr, Unfälle | Herzinfarkt, starke Blutungen, Ertrinken |
| 116 117 | Ärztlicher Bereitschaftsdienst | Dringend, ambulant | Grippe, Verstauchung, Magenprobleme |
| 110 | Polizei | Strafrechtlich / Gefahr | Diebstahl, Gewalt, Bedrohung |
Wann soll ich direkt in die Notaufnahme?
Lebensbedrohliche Symptome sind Warnzeichen, bei denen du sofort den Notruf 112 wählen oder in die Notaufnahme gebracht werden solltest.
Akute Atem- und Kreislaufprobleme
- Plötzliche schwere Atemnot, Erstickungsgefühl, pfeifende oder deutlich erschwerte Atmung, bläuliche Lippen oder Nägel.
- Bewusstlosigkeit, extremer Schwindel, Kaltschweißigkeit, blasse oder graue Haut, Anzeichen von Kreislaufkollaps oder Schock.
Brustschmerzen und Herzbeschwerden
- Plötzlich auftretender starker, drückender oder brennender Brustschmerz, oft mit Ausstrahlung in Arm, Kiefer, Rücken oder Oberbauch.
- Brustschmerz in Kombination mit Luftnot, Übelkeit, Angstgefühl, Schweißausbruch oder Herzrasen – Verdacht auf Herzinfarkt oder Lungenembolie.
Neurologische Alarmsymptome (Verdacht Schlaganfall)
- Plötzliche Lähmungen oder Gefühlsstörungen, meist einseitig (z.B. hängender Mundwinkel, schwacher Arm oder Bein).
- Plötzliche Sprachstörungen, Verwirrtheit, Sehstörungen (Doppelbilder, Sehverlust) oder sehr starker, ungewohnter Kopfschmerz.
Schwere Verletzungen und starke Schmerzen
- Unfälle mit offensichtlichen schweren Verletzungen, großen oder tiefen Wunden, unstillbaren Blutungen, sichtbaren Fehlstellungen von Gelenken oder Knochen.
- Starke, plötzlich einsetzende Schmerzen (z.B. Bauch, Kopf, Brust), die ungewöhnlich sind oder sich rasch verschlimmern.
Allergischer Schock, Krampfanfälle, schwere Infektionen
- Starke allergische Reaktion mit Schwellung von Gesicht/Zunge/Hals, Atemnot, Kreislaufproblemen oder Bewusstseinsstörung (Anaphylaxie).
- Länger anhaltender oder erstmaliger Krampfanfall.
- Sehr hohes Fieber mit starker Beeinträchtigung, Verwirrtheit, schneller Atmung oder starkem Krankheitsgefühl (Verdacht Sepsis/Meningitis).
Bei jedem dieser Anzeichen: Sofort 112 rufen und nicht selbst fahren, wenn der Zustand kritisch wirkt oder sich rasch verschlechtert.
Notaufnahme ohne Überweisung möglich?
Du darfst jederzeit ohne Überweisung in die Notaufnahme, besonders wenn akute Gefahr besteht, Ärzt:innen sind gesetzlich verpflichtet, dich zu versorgen. Bei Stabilisierung erfolgt eine Überleitung ans Fachgebiet oder nach Hause mit Empfehlung. Du brauchst keine Angst vor den Kosten haben, die Kasse übernimmt bei Notfällen.
Für geplante Behandlungen brauchst du normalerweise eine Einweisung, Notaufnahmen sind die Ausnahme. Kontaktiere danach deinen Hausarzt oder deine Hausärztin für die Nachsorge.
Mit Kind: Wann Notaufnahme?
Mit deinem Kind solltest du unverzüglich in die Notaufnahme, wenn es bewusstlos ist, nicht atmet oder krampft – das sind absolute Alarmsignale. Hohes Fieber über 40°C bei Babys unter drei Monaten, Dehydrierung mit eingefallenen Augen oder schwere Asthmaanfälle verlangen ebenso sofortige Hilfe im Krankenhaus. Zögere auch nach Stürzen mit Bewusstseinsverlust oder bei starkem Bluten nicht.
Beobachte Apathie oder Atemfrequenz genau. Hier eine Liste häufiger Notfälle beim Kind, die du dir einprägen kannst:
- Atemnot mit Einziehungen der Rippen
- Krampfanfälle oder Zuckungen
- Starke Bauchschmerzen mit Würgen
- Verletzungen mit offenen Knochen
- Bewusstseinsverlust
- Fieber über 40°C bei Babys <3 Monaten
Neurologische Notaufnahme: Anzeichen für einen Notfall
Du steuerst die neurologische Notaufnahme beispielsweise bei Verdacht auf Schlaganfall an: Plötzlich einseitige Schwäche im Arm oder Gesicht, Sprachprobleme oder Balanceverlust. Starke Kopfschmerzen wie nie zuvor, plötzlicher Sehverlust oder Lähmungen verlangen ebenfalls nach einer neurologischen Untersuchung. Jede Minute zählt, hier gilt: "Time is Brain“, bei Anzeichen rufe sofort den Rettungsdienst.
Übrigens: Chronische Migräneattacken sind kein Notfall, wenn sie wie gewohnt ablaufen.
Jedes Krankenhaus für Notfälle?
Jedes Krankenhaus mit Notaufnahme nimmt dich bei Notfällen auf, die Beschäftigten müssen dich stabilisieren. Wähle das nächstgelegene Krankenhaus, besonders bei Herzproblemen oder Traumata. Der Rettungswagen bringt dich gegebenenfalls in eine Spezialklinik.
Nicht alle Kliniken haben Stroke-Units (Neurologie für Schlaganfall), aber die Basisversorgung gibt es überall. Apps wie "Notaufnahmen Deutschland" zeigen dir die Öffnungszeiten an, obwohl diese meist Tag und Nacht geöffnet sind.
Was ist ein Notfall aus Krankenhaussicht?
Ein Notfall fürs Krankenhaus bedeutet eine unmittelbare Bedrohung deines Lebens oder das Risiko bleibender Gesundheitsschäden durch Ausfall vitaler Funktionen, wie Kreislaufzusammenbruch, Atemstillstand oder schwere Infarkte.
Das umfasst Situationen, in denen du nicht stabil bist und sofortige apparative Diagnostik oder Interventionen wie Intubation, Defibrillation oder eine OP brauchst, etwa bei Polytrauma, Sepsis oder akutem Multiorganversagen. Aus Krankenhaussicht priorisiert die Triage (z.B. Manchester Triage System) nach Kategorien von Rot (sofort) bis Grün (nicht dringend), wobei subjektive Dringlichkeit deines Symptoms mit einfließt, solange Vitalparameter wie Blutdruck oder Sauerstoffsättigung kritisch sind.
Schnittwunde: Notaufnahme oder nicht?
Bei Schnittwunden gehst du in die Notaufnahme, wenn sie arteriell bluten (hellrotes Spritzen „pulsierend“), tiefer als 1 cm sind oder Sehnen freiliegen. Wunden am Gesicht, an Gelenken oder mit Schmutz brauchen oft eine professionelle Naht und Antibiotika. Starker Blutverlust ist lebensgefährlich. Wenn sich innerhalb kurzer Zeit eine große Blutlache bildet, Kleidung oder Verbände vollständig durchnässen oder Blut kontinuierlich fließt – rufe sofort die 112.
Oberflächliche Schnitte kannst du selbst desinfizieren und verbinden. Bewerte Tiefe und Blutung genau.
| Wundtyp | Notaufnahme? | Erste Hilfe |
|---|---|---|
| Oberflächlich, stoppt schnell | Nein | Reinigen, desinfizieren, Pflaster oder Verband anlegen |
| Tief, stark blutend / pulsierend | Ja | Druck ausüben, hochlagern, verbinden und eine Notaufnahme aufsuchen |
| Mit Fremdkörper oder Gift | Ja | Fremdkörper nicht entfernen, fixieren (z. B. mit Bandage) und sofort in die Notaufnahme |
Hausärztlicher Notdienst
Falls dein Fall nicht so dringend ist, deine Hausarztpraxis aber bereits geschlossen hat, gibt es die Möglichkeit, in eine Kassenärztliche Bereitschaftspraxis zu gehen (oft an Krankenhäuser angegliedert – aber nicht die Notaufnahme!), diese sind meist bis ca. 22:00 Uhr geöffnet ist, falls es später seins sollte, kannst du die 116 117 anrufen. Bei Bedarf überweist der ärztliche Bereitschaftsdienst (116 117) auch gegebenenfalls zu Fachspezialisten:innen, in die Klinik oder bestellt einen Rettungswagen in akut lebensbedrohlichen Situationen.
Vielleicht fragst du dich, ob dich der hausärztliche Notdienst krankschreiben kann. Das kann er tatsächlich. Der hausärztliche Notdienst über „116 117“ kann dich bis zu sieben Tage bei grippalen Infekten oder Verletzungen krankschreiben. Telefonisch oder vor Ort erstellt er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, bis deine Hausarztpraxis öffnet. Du solltest dich im Nachhinein auf jeden Fall zur Praxis begeben.
Notaufnahme vs. kassenärztlicher Notdienst
Du solltest die Notaufnahme bei Instabilitätszeichen aufsuchen, wie Schockzustand, Verdacht auf Frakturen, akute Atembeschwerden oder neurologische Auffälligkeiten (zum Beispiel Lähmungen, Sprach- oder Bewusstseinsstörungen).
Den kassenärztlichen Notdienst unter der Nummer 116 117 kannst du bei stabilen Akutfällen kontaktieren, etwa bei einem akuten Hexenschuss oder Bandscheibenvorfall, der Verschlechterung chronischer Beschwerden oder fieberhaften Infekten ohne Zeichen eines Notfalls.
Unter der 116 117 werden dir zunächst Fragen zu deinen Beschwerden gestellt, anhand deiner Antworten wird entschieden, ob der kassenärztliche Notdienst zu dir kommt oder ob ein Rettungswagen erforderlich ist.
Wenn du unsicher bist, ob es sich um einen Notfall handelt, rufst du eine der beiden Nummern (112 oder 116 117) an – dort wirst du angeleitet, wie du weiter vorgehen sollst.
- Notaufnahme: Polytrauma, Anaphylaxie
- ÄBD (Ärztlicher Bereitschaftsdienst: Otitis, Gastroenteritis (gerade um die Weihnachtszeit, wenn viele Menschen sehr viel essen und Bauchbeschwerden haben)
- Nächster Tag: Hausarzt-Follow-up
Fazit: Dein Handlungsplan
Wer die richtigen Anlaufstellen kennt, kann im Ernstfall schnell und angemessen handeln. Die 112 ist für akut lebensbedrohliche Situationen da, die Notaufnahme für schwere akute Beschwerden und die 116 117, wenn dringend ärztliche Hilfe benötigt wird, die Hausarztpraxis aber geschlossen ist. Erste-Hilfe-Wissen und Aufmerksamkeit erhöhen die Sicherheit für dich und andere. Im Zweifel gilt immer - lieber einmal zu viel den Notruf wählen als einmal zu wenig. Damit bist du gut vorbereitet, um im Krankheits- oder Notfall richtig zu reagieren.
Medizinische und rechtliche Hinweise
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- malteser.de – Notrufnummern abgerufen am 12.12.2025: Notrufnummern in Deutschland: Das musst du wissen!
- AOK-Artikel „Im Notfall: 116 117 anrufen oder besser den Notruf 112?, Abgerufen am 12.12.2025: Im Notfall: 116 117 anrufen oder besser den Notruf 112?
- BMG-Pressemitteilung zur „Reform der Notfallversorgung“, Abgerufen am 13.12.2025: Im Akutfall: Rund-um-die-Uhr geöffnete Anlaufstellen, bessere Patientensteuerung und Beratung in Akutleitstellen – Bundeskabinett beschließt Notfallreform | BMG











