Thromboseprophylaxe: Vorbeugen statt behandeln
Veröffentlicht am 21.09.2025

Thrombosen kann wirksam vorgebeugt werden. Quelle: Canva.de
Die Thrombose zählt zu den häufigsten Komplikationen bei immobilen oder postoperativen Patient:innen und stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. Bleibt eine Thrombose unerkannt oder unbehandelt, kann sie schwerwiegende Folgen wie eine Lungenembolie nach sich ziehen. Um solche Komplikationen zu vermeiden, ist die Thromboseprophylaxe ein essenzieller Bestandteil der pflegerischen und medizinischen Versorgung.
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Was ist eine Thrombose?
Thrombose bezeichnet die Bildung eines Blutgerinnsels (Thrombus) in einem Blutgefäß, das den Blutfluss behindert oder vollständig blockiert. Dies kann in Venen oder Arterien passieren und führt dazu, dass das Blut nicht mehr richtig zirkulieren kann. Besonders häufig tritt eine Thrombose in den tiefen Beinvenen auf. Wird eine Thrombose nicht rechtzeitig behandelt, kann sich das Gerinnsel lösen und eine lebensbedrohliche Lungenembolie verursachen.

Risikofaktoren für Thrombose
Bestimmte Faktoren können das Risiko für die Entstehung einer Thrombose deutlich erhöhen. Diese Risikofaktoren beeinflussen entweder die Fließeigenschaften des Blutes, schädigen die Gefäßwände oder führen zu einer verlangsamten Blutzirkulation. In der folgenden Übersicht sind die häufigsten Risikofaktoren zusammengefasst:
| Risikofaktor | Beschreibung |
|---|---|
| Immobilität | Langes Liegen oder Sitzen, z.B. nach Operation oder bei Krankheit |
| Operationen | Besonders größere Eingriffe, vor allem im Becken- oder Beinbereich |
| Schwangerschaft und Wochenbett | Erhöhte Gerinnungsneigung während und nach der Schwangerschaft |
| Übergewicht | Fördert Durchblutungsstörungen und Entzündungen |
| Rauchen | Schädigt die Gefäßwände und erhöht die Gerinnungsbereitschaft |
| Alter | Ab dem mittleren Lebensalter steigt das Risiko deutlich |
| Herz-Kreislauf-Erkrankungen | Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern u.a. |
| Venenerkrankungen | Krampfadern oder Venenklappeninsuffizienz |
| Hormonelle Einflüsse | Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln oder Hormonersatztherapie |
| Thrombophilie | Angeborene oder erworbene Störungen der Blutgerinnung |
| Dehydration (Flüssigkeitsmangel) | Führt zu erhöhter Blutviskosität und Gerinnungsneigung |
| Krebserkrankungen | Tumore können die Blutgerinnung beeinflussen |
| Medikamente | Einige Medikamente, z.B. bestimmte Chemotherapien oder Antidepressiva |
Maßnahmen zur Thromboseprophylaxe
Ziel der Prophylaxe ist es, das Risiko für die Entstehung von Thrombosen frühzeitig zu erkennen und durch gezielte Maßnahmen zu minimieren. Dabei kommen sowohl medikamentöse als auch physikalische und pflegerische Maßnahmen zum Einsatz. Die richtige Einschätzung der Risikofaktoren und eine konsequente Umsetzung prophylaktischer Strategien sind entscheidend für die Sicherheit der Patient:innen und den Therapieerfolg.

Anna Liebig
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Wenn man längere Zeit wenig oder gar nicht aufsteht, zum Beispiel nach einer Operation, bei Krankheit oder im hohen Alter, steigt das Risiko, eine Thrombose zu bekommen. Um das zu verhindern, ist es wichtig, die Blutzirkulation in den Beinen durch Bewegung anzuregen.
Einfache Übungen zur Aktivierung der Muskelpumpe
Schon kleine Bewegungen können dabei helfen, die sogenannte „Muskelpumpe“ in den Beinen zu aktivieren. Das bedeutet, dass durch das Anspannen der Muskeln das Blut besser aus den Beinen zurück zum Herzen transportiert wird. Diese Übungen sollten mehrmals am Tag durchgeführt werden, bei einem hohen Risiko sogar vier- bis sechsmal täglich.
Dazu gehört zum Beispiel das Kreisen der Füße nach links und rechts, das Beugen und Strecken der Füße, ähnlich wie beim Gasgeben, sowie das Auseinander- und Einkrallen der Zehen. Auch das Anwinkeln und wieder Ausstrecken der Beine fördert die Durchblutung. Das Anspannen der Oberschenkelmuskulatur für einige Sekunden und das Entspannen danach helfen ebenfalls.
Wer körperlich dazu in der Lage ist, kann das sogenannte Bettfahrrad nutzen, bei dem die Beine im Liegen Fahrrad fahren. Außerdem ist es hilfreich, die Fußsohlen gegen das Bettende zu drücken und dabei die Wadenmuskulatur anzuspannen oder die Beckenbrücke zu machen, bei der das Becken angehoben und kurz gehalten wird. Diese einfachen Bewegungen können bequem im Bett oder im Sitzen durchgeführt werden und sind sehr wirksam.
Weitere wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung
Neben diesen Bewegungsübungen ist es wichtig, so früh wie möglich nach einer Operation aufzustehen oder sich zumindest aufzusetzen. Dies wird Frühmobilisation genannt und hilft ebenfalls, das Thromboserisiko zu senken. Auch Atemübungen mit tiefem Einatmen fördern die Durchblutung und dienen gleichzeitig der Vorbeugung gegen Lungenentzündungen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zudem entscheidend, da sie verhindert, dass das Blut zu dick wird – “dickes Blut” begünstigt die Bildung von Gerinnseln. Das Hochlagern der Beine für etwa zehn bis fünfzehn Minuten in einem Winkel von etwa 30 Grad unterstützt den Rückfluss des Blutes zum Herzen - dabei kann ein leicht erhöhtes Bettende hilfreich sein. Wichtig ist außerdem, keine enganliegenden Kleidungsstücke zu tragen, die die Durchblutung einschränken könnten.
Vorsicht bei bestimmten Maßnahmen und Erkrankungen
Manche Maßnahmen, wie das Ausstreichen der Beine durch massierende Bewegungen von unten nach oben, sind jedoch umstritten. Dies kann im schlimmsten Fall ein Blutgerinnsel lösen und sollte deshalb nur mit ärztlicher Zustimmung durchgeführt werden. Auch bei bestimmten Erkrankungen wie Herzschwäche, bereits bestehender Thrombose, Beinödemen oder Durchblutungsstörungen entscheidet die Ärztin oder der Arzt, welche Maßnahmen sinnvoll und erlaubt sind.
Unterstützung durch Pflege und Physiotherapie
Wenn jemand sich selbst kaum bewegen kann, übernehmen Pysiotherapeut:innen oder Pflegekräfte passive Bewegungsübungen, bei denen die Beine vorsichtig bewegt werden, um die Durchblutung zu fördern und das Thromboserisiko zu verringern.
Medikamentöse Prophylaxe
Die medikamentöse Thromboseprophylaxe ist ein zentraler Bestandteil der Vorbeugung venöser Thromboembolien. Sie kommt vor allem bei Patient:innen mit erhöhtem Risiko zum Einsatz, etwa nach Operationen, bei längerer Immobilität oder bestehenden Grunderkrankungen. Sie zielt darauf ab, die Blutgerinnung zu hemmen, ohne dabei das Risiko für Blutungen unnötig zu erhöhen.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Anwendung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Heparine (niedermolekular) | Enoxaparin, Certoparin, Dalteparin | Subkutane Injektion 1× täglich | Standard bei stationären Patient:innen, OPs, Immobilität |
| Unfraktioniertes Heparin (UFH) | Heparin-Natrium | Mehrmals täglich subkutan oder i.v. | Bei Niereninsuffizienz bevorzugt, gut steuerbar |
| Fondaparinux | Arixtra® | Subkutane Injektion | Alternative bei Heparin-Unverträglichkeit |
| DOAKs (direkte orale Antikoagulanzien) | Rivaroxaban, Apixaban, Dabigatran | Tabletteneinnahme | Einsatz v. a. nach orthopädischen OPs, keine Routine bei allen Patient:innen |
| Vitamin-K-Antagonisten | Phenprocoumon (Marcumar®), Warfarin | Oral | Eher zur Langzeitbehandlung, selten zur Primärprophylaxe |
Kompressionsstrümpfe und ihre Wirkung
Neben Bewegung und Medikamenten spielt auch die sogenannte physikalische Thromboseprophylaxe eine wichtige Rolle – besonders bei Menschen, die längere Zeit liegen oder wenig mobil sind. Zu diesen Maßnahmen zählt vor allem das Tragen spezieller medizinischer Strümpfe, die helfen, den Blutfluss in den Beinen zu unterstützen und damit Blutgerinnsel (Thrombosen) zu verhindern.
Wie funktionieren diese Strümpfe?
Es gibt zwei Hauptarten: Thromboseprophylaxestrümpfe und Kompressionsstrümpfe. Beide haben unterschiedliche Einsatzbereiche:
- Thromboseprophylaxestrümpfe (auch Anti-Thrombose-Strümpfe genannt) wirken durch einen gleichmäßigen Druck auf die Beine – auch dann, wenn man liegt oder sich kaum bewegt. Sie verhindern, dass sich das Blut in den Venen der Beine staut, was das Risiko für Thrombosen deutlich verringert. Diese Strümpfe sind sehr elastisch und entfalten bereits im Ruhezustand ihre Wirkung. Sie werden besonders im Krankenhaus oder bei bettlägerigen Menschen eingesetzt und müssen vom Arzt oder der Ärztin verordnet werden.
- Medizinische Kompressionsstrümpfe hingegen sind nur dann wirksam, wenn sich die Beine regelmäßig bewegen. Sie üben von unten nach oben (vom Knöchel zum Oberschenkel) abnehmenden Druck aus und unterstützen die sogenannte Muskelpumpe, also die Bewegung des Blutes zurück zum Herzen. Diese Strümpfe sollten daher nur getragen werden, wenn man mobil ist – sie ersetzen keine Thromboseprophylaxestrümpfe im Bett.
Wann dürfen Kompressionsmaßnahmen nicht angewendet werden?
In bestimmten Fällen ist Vorsicht geboten. Menschen mit einer schweren Durchblutungsstörung in den Beinen (periphere arterielle Verschlusskrankheit), mit Herzschwäche oder bestimmten Hauterkrankungen sollten solche Maßnahmen nur nach Rücksprache mit Mediziner:innen anwenden. Auch bei offenen Wunden, starken Infektionen der Haut oder Gefühlsstörungen (z. B. bei Diabetes) ist besondere Aufmerksamkeit nötig.
Was muss man beim Anziehen beachten?
Damit die Strümpfe ihre Wirkung entfalten können, müssen sie richtig sitzen: ohne Falten, nicht zu eng und in der passenden Länge. Die Zehen sollten gut durchblutet bleiben. Am besten zieht man die Strümpfe morgens oder nach längerer Liegezeit an, wenn die Beine noch nicht angeschwollen sind – idealerweise nach mindestens 30 Minuten Ruhe. Es gibt spezielle Anziehhilfen, die das Anlegen erleichtern und Rücken und Hände entlasten.
Pflege der Strümpfe und Haut
Die Strümpfe sollten regelmäßig gewaschen werden – bitte nach den Pflegehinweisen auf dem Etikett, um ihre Elastizität zu erhalten. Wichtig ist auch die tägliche Pflege der Haut: Beine sollten gewaschen, gut abgetrocknet und mit einer rückfettenden Lotion eingecremt werden.
Besondere Form der physikalischen Prophylaxe
Neben den Strümpfen gibt es auch Geräte zur intermittierenden pneumatischen Wadenkompression (IPK). Dabei werden Manschetten an den Beinen angebracht, die in regelmäßigen Abständen mit Luft gefüllt und entleert werden. Diese Technik unterstützt den Blutfluss besonders wirksam, wird aber im Klinikalltag bisher eher selten eingesetzt.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Ein Arztbesuch ist dringend nötig, wenn eines oder mehrere der folgenden Anzeichen auftreten – insbesondere, wenn sie sich plötzlich ergeben und nur ein Bein betreffen:
- Schwellung eines Beines (besonders an Wade oder Knöchel)
- Spannungsgefühl oder Druckschmerz im Bein – vor allem in der Wade
- Rötung oder bläuliche Verfärbung der Haut
- Erwärmung des betroffenen Beins
- Schmerzen beim Gehen oder Stehen, die in Ruhe nachlassen
- sichtbare Venen, die stärker hervortreten als gewöhnlich
In diesen Fällen sollte man sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen – entweder bei Hausärzt:innen oder direkt in einer Notaufnahme, um eine tiefe Beinvenenthrombose auszuschließen oder schnell zu behandeln.
Wann wird es besonders ernst?
Wenn zusätzlich Symptome wie:
- plötzliche Atemnot
- starke Brustschmerzen
- schneller Herzschlag oder Kreislaufprobleme
auftreten, besteht der Verdacht auf eine Lungenembolie. In diesem Fall gilt: sofort den Notruf (112) wählen!
Fazit: Vorbeugen, Bewegen, Schützen
Die Thromboseprophylaxe ist ein zentraler Bestandteil der pflegerischen und medizinischen Versorgung – insbesondere bei Patient:innen mit eingeschränkter Mobilität oder nach operativen Eingriffen. Ziel ist es, das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln frühzeitig zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen wirksam zu reduzieren.
Dabei kommt ein individuell abgestimmtes Konzept zum Einsatz, das medikamentöse, physikalische und pflegerische Maßnahmen miteinander kombiniert. Neben der Gabe von Antikoagulanzien spielen Bewegung, Mobilisation und das Tragen spezieller Kompressionsstrümpfe eine entscheidende Rolle. Die Wahl der richtigen Prophylaxemaßnahmen hängt dabei stets von der persönlichen Risikosituation und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patient:innen ab.
Eine erfolgreiche Thromboseprophylaxe erfordert nicht nur fachliches Wissen, sondern auch eine enge Zusammenarbeit aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen sowie eine aktive Einbindung der Betroffenen. Nur durch konsequente Umsetzung und regelmäßige Kontrolle kann die Gefahr schwerwiegender Komplikationen – wie einer Lungenembolie – wirksam gesenkt werden.
Häufige Fragen zur Thromboseprophylaxe
Was sind erste Anzeichen für eine Thrombose?
Erste Anzeichen einer Thrombose sind Schwellungen, Schmerzen und ein Spannungsgefühl meist in einem Bein, oft begleitet von Rötungen und Erwärmung der Haut. Diese Symptome treten meist plötzlich auf und sollten sofort ärztlich abgeklärt werden.
Welche drei Hauptursachen begünstigen eine Thrombose?
Die drei Hauptursachen für eine Thrombose sind verlangsamter Blutfluss, Gefäßwandschäden und eine erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes. Diese Faktoren können einzeln oder zusammen auftreten und das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln erhöhen.
Warum ist eine Thromboseprophylaxe nach Operationen wichtig?
Nach Operationen oder längeren Bettruhephasen steigt das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen (Thrombosen). Eine Thromboseprophylaxe – etwa durch Bewegung, Kompressionsstrümpfe oder gerinnungshemmende Medikamente – hilft, das Risiko für eine Thrombose oder Lungenembolie deutlich zu reduzieren.
Medizinische und rechtliche Hinweise:
Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Quellen
- AMBOSS SE, Kapitel: Thromboseprophylaxe, zuletzt aktualisiert am 01.08.2023, Stand: 31.08.2025; https://next.amboss.com/de/article/bD0H1R?q=amboss-pflegewissen%3A+thromboseprophylaxe
- AMBOSS SE, Kapitel: Phlebothrombose, zuletzt aktualisiert am 14.07.2025, Stand: 31.08.2025; https://next.amboss.com/de/article/fh0kWf#Ld763a9254dc7ea43e30a3c316b017f9a
- Aktionsbündnis Thrombose, c/o Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V., Flyer: Thrombosen bei Tumorpatienten, abgerufen am 31.08.2025 von https://www.risiko-thrombose.de/files/images/Downloads/Flyer_Tumorpatienten.pdf
- Aktionsbündnis Thrombose, c/o Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V., Medikamentöse Therapie; abgerufen am 31.08.2025 von https://www.risiko-thrombose.de/medikamentoese-therapie.html
- DocCheckFlexikon, Dr. rer. nat. Fabienne Reh et. al., Thromboseprophylaxe; abgerufen am 31.08.2025 von https://flexikon.doccheck.com/de/Thromboseprophylaxe











