Psychische Belastung am Arbeitsplatz: Emotionale Belastung im Pflegeberuf
Veröffentlicht am 01.11.2025

Der Pflegeberuf kann emotional herausfordernd sein. Quelle: Canva.de
Du hast dich für den Pflegeberuf entschieden, weil du einer wirklich sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen willst, indem du alten und kranken Menschen hilfst? Leider ist dein Arbeitsalltag in der Pflege, aber nicht nur von Dank und Erfüllung geprägt, sondern vielfach auch von Trauer, Leid, Konflikten, Verlust und Tod. Mit welchen emotionalen Belastungen du als Pflegekraft am Arbeitsplatz besonders häufig konfrontiert bist und welche Maßnahmen dir helfen können mit psychischem und emotionalem Stress besser umgehen zu können.
Im ehemaligen Zimmer von Frau Huber hängt immer noch ein Hauch von Eau de Cologne. „4711“ war Frau Hubers Lieblingsparfum. „Das hält mich jung und den Tod fern“, hat sie immer gesagt. Doch vor wenigen Tagen ist Frau Huber gestorben. Das Zimmer ist schon leergeräumt und wird für den oder die nächste Bewohner:in vorbereitet. Nur noch wenig im Raum erinnert an die liebenswürdige alte Dame. Du vermisst sie und merkst, wie du einen Kloß im Hals bekommst. Schnell schluckst du ihn runter. Was sollen die anderen Bewohner:innen denken? Es ist wichtig professionell zu bleiben. An solchen Tagen fällt dir dein Job echt schwer.
Psychische Belastung am Arbeitsplatz
Emotionale Belastungen, wie diese, sind in Pflegeberufen leider keine Seltenheit. Sie gelten als Teil der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, die in der Arbeitsmedizin und den Arbeitswissenschaften deutlich weiter gefasst werden. Kurioserweise wird der Begriff „psychische Belastung am Arbeitsplatz“ hier – ganz anders als im allgemeinen Sprachgebrauch - als wertneutrale Beanspruchung definiert.
Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, wird darunter wortwörtlich „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken“ verstanden Diese Definition hat sogar eine eigene DIN-Nummer, die man unter DIN EN ISI 10075-1 (1a) nachlesen kann. Psychische Belastungen am Arbeitsplatz können damit, je nach Ausrichtung und individuellem Empfinden, nicht nur negativ, sondern auch positiv sein.
Was sind Beispiele für psychische Belastung?
Positive Beispiele für psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind somit unter anderem:
- Herausforderungen
- Ansporn
- Motivation
- persönliches Wachstum
- Entwicklung
- Unterstützung
- Viele Gestaltungsmöglichkeiten
- Sinnhaftigkeit
Zu den Beispielen, die sich negativ auswirken können, zählen dagegen:
- mangelnde Anerkennung
- Zeitdruck
- fehlende Gestaltungsmöglichkeiten
- Konflikte mit Kolleg:innen, Vorgesetzten und Kund:innen
- Mobbing
- Schichtdienst
- physische Faktoren, wie unergonomische Arbeitsumgebung, Lärm, Licht, Staub, Temperatur
Jeder Arbeitsplatz ist – aus dieser Sicht – also grundsätzlich von positiven, wie auch negativen psychischen Belastungen geprägt. Entscheidend für das persönliche Empfinden der psychischen Belastung am Arbeitsplatz sind damit zum einen die Art und Dauer der jeweiligen psychischen Belastungen, die persönliche Resilienzfähigkeit, sprich die eigene psychische Widerstandskraft, die Möglichkeiten zur Erholung sowie das Wissen und die Anwendung von Bewältigungsstrategien.
Ursachen für psychische Belastung in der Pflege
Die Ursachen für negativ empfundene psychische Belastungen in der Pflege liegen leider oft genau hier. Zwar gibt es eine Reihe an positiven psychischen Belastungen in der Pflege, wie etwa:
- abwechslungsreiche Aufgaben
- Erfüllung im Beruf
- positives Feedback
- einen Unterschied in der Gesellschaft machen
- Dank von Angehörigen und Patient:innen
- ein guter Kollegenzusammenhalt.
Vielfach überwiegen im Pflegealltag jedoch die negativen psychischen Belastungen. Dazu zählen unter anderem:
- häufige Konfrontation mit Schmerz, Leid, Verlust und Tod
- chronischer Personalmangel
- hohes Arbeitsaufkommen
- Schichtdienst
- hoher und zeitraubender Dokumentationsaufwand
- häufige Unterbrechungen
- hohe Verantwortung
- Konflikte im Team
- fehlende Unterstützung
- schwierige Patient:innen
- Konflikte mit Angehörigen
Diese negativen psychischen Belastungen im Pflegealltag treten leider vielfach nicht nur punktuell, sondern meist dauerhaft auf. Zudem fehlt, aufgrund von Personalmangel, oft ausreichend Zeit für die Erholung. Außerdem stehen nicht immer geeignete Bewältigungsstrategien zur Verfügung oder sie reichen nicht mehr aus, um die chronische Schieflage auszugleichen. In der Folge steigt die Gefahr für Burnout und weitere psychische sowie körperliche Erkrankungen.
Definition von emotionaler Belastung im Pflegeberuf
Insbesondere die emotionale Belastung – eine Form der negativen psychischen Belastung - ist in Pflegeberufen besonders ausgeprägt. Denn als Pflegefachkraft bist du zum einen regelmäßig mit menschlichem Leid, wie Schmerzen, Krankheit, Hilflosigkeit, Scham, Ekel, Trauer, Sterben und Tod konfrontiert. Zum anderen musst du aber auch kontinuierlich sogenannte Emotionsarbeit leisten.
Darunter versteht man, dass du als professionelle Pflegekraft in der Interaktion mit Patient:innen und vielfach auch Angehörigen deine eigenen Emotionen stark zurückstellst und entsprechend regulierst. Das heißt konkret, dass von dir verlangt wird – auch in sehr schwierigen, emotional belastenden und herausfordernden Situationen – unabhängig vom eigenen Empfinden und eigenen Gefühlen stets freundlich oder zumindest neutral und damit immer professionell zu agieren.
Auswirkungen von emotionaler Belastung auf Pflegekräfte
Beides, die häufige Konfrontation mit menschlichen Leid, aber auch das andauernde Unterdrücken der eigenen Empfindungen und Gefühle, können auf Dauer zu starkem emotionalem Stress führen. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen drohen chronische Überlastungen, die zu schweren psychischen und körperlichen Erkrankungen führen können, wie etwa:
- Burnout
- Depressionen
- Chronische Rücken- und Kopfschmerzen
- Compassion Fatigue

Anna Liebig
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Präventive Maßnahmen zur Reduzierung von psychischer Belastung in der Pflege
Soweit solltest du es aber auf keinen Fall kommen lassen. Um deine mentale und körperliche Gesundheit, deine Arbeitszufriedenheit und damit letztlich auch deine Motivation und Arbeitskraft im Pflegeberuf zu stärken und dauerhaft zu schützen, ist es sehr wichtig – neben den körperlichen - auch negative psychische Belastungen am Arbeitsplatz so gut wie möglich zu reduzieren.
- Um das zu erreichen, ist einerseits die Politik gefragt, in dem sie bessere gesetzliche Rahmenbedingungen für den Pflegeberuf schafft. Darauf hast du allerdings nur indirekt Einfluss.
- Aufgabe der Arbeitgeber, nicht nur in Pflegeberufen, ist es dann, diese Vorgaben entsprechend auch umzusetzen. So ist es zum Beispiel laut § 5 des Arbeitsschutzgesetzes Aufgabe des Arbeitgebers eine Gefährdungsbeurteilung, auch der psychischen Belastungen, am Arbeitsplatz durchzuführen und Defizite zu beseitigen. Du hast also ein Recht auf einen sicheren und gesunden Arbeitsplatz. Gibt es hier Probleme oder Mängel, solltest du diese unbedingt melden, damit der Arbeitgeber informiert ist und entsprechend handeln kann. Zu den präventiven Maßnahmen, die von Seiten des Arbeitgebers zur Reduzierung von psychischer Belastung in der Pflege beitragen können, zählen vor allem:
· Ausreichend viel Personal
· Faire Dienstpläne mit genügend Erholungszeiten
· Aktive Förderung von regelmäßigen Pausen während der Arbeitszeit
· Unterstützende Maßnahmen zur Erholung, wie etwa ein Ruheraum
· Regelmäßige Gespräche und Zeit für den Austausch unter Kolleg:innen
· spezielle Ansprechpartner:innen zur emotionalen Entlastung bei Sorgen
Auch professionelle Fort- und Weiterbildungen zum Erlernen und Üben von Anti-Stress-Maßnahmen und Resilienz-Training sind sinnvoll.

Selbstfürsorge und Umgang mit emotionalem Stress in der Pflege
Neben den Maßnahmen durch den Arbeitgeber kannst du aber auch selbst sehr viel tun, um die eigene Resilienz, sprich seelische Widerstandskraft, zu erhöhen, um so mit emotionalem Stress besser umgehen zu können. Das entscheidende Stichwort hierzu heißt gelebte Selbstfürsorge.
Leider stellen gerade Menschen in Pflegeberufen, die tagaus-tagein sehr viel für andere da sind, ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Auf Dauer macht diese Einstellung aber krank und brennt aus. Damit du im Pflegeberuf langfristig emotional und mental stabil bleibst, darf die Selbstfürsorge nicht zu kurz kommen.
Folgende Tipps und Copingstrategien können dir helfen mit emotionalem Stress besser umzugehen:
- Denke daran, regelmäßig Stressmanagement zu betreiben. Gerade im stressigen Pflegealltag sind Entspannungspausen sehr wichtig. Selbst winzige Auszeiten, z.B. in Form der 4-7-8-Atmung, Mini-Routinen oder auch ein Power-Nap können dir schnell und kurzfristig helfen, wieder etwas Kraft und Energie zu tanken.
- Langfristigere Effekte lassen sich durch erprobte Entspannungstechniken, wie Yoga, progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder auch autogenes Training erzielen. Viele Krankenkassen bieten hier erstattungsfähige Kurse an, in denen du die Techniken Schritt für Schritt erlernen kannst. Entscheidend für den Erfolg ist aber, dass du das Gelernte dann auch entsprechend umsetzt.
- Ein wichtiger Baustein für deine körperliche und mentale Gesundheit ist auch eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Nur so wird dein Körper dauerhaft mit allen wichtigen Nähr- und Vitalstoffen versorgt. Das geht auch, wenn du nur wenig Zeit zur Verfügung hast, und zwar mit „Meal-Prep“, indem du gesunde Mahlzeiten und kleine Snacks entsprechend vorbereitest.
- Achte außerdem auch darauf, deinen Körper immer mit genügend Flüssigkeit zu versorgen. Du kannst dir dafür eine Flasche Wasser oder Kanne Tee an den Platz stellen, damit du das Trinken nicht vergisst. Achte außerdem darauf, dir anschließend auch die Toilette nicht zu verkneifen. Das sind Grundbedürfnisse, die jeder Mensch einhalten sollte. Sie stehen auch dir zu, auch wenn´s mal stressig zugeht.
- Eine gute Möglichkeit, den Körper zu entlasten und Stress abzubauen, ist regelmäßige Bewegung. Dazu musst du keinen Leistungssport betreiben. Wirkungsvoll sind bereits kleine Spaziergänge oder auch öfters mal die Treppe zu nehmen, statt mit dem Aufzug zu fahren.
- Aufenthalte in der Natur können ebenfalls gut dazu beitragen, den Kopf frei zu bekommen, die Sinne zu entlasten und Stress abzubauen. Geh einfach öfters mal raus, auch wenn das Wetter gerade nicht optimal scheint.
- Austausch, Trost, Verständnis und entlastende Gespräche mit Kolleg:innen, Freund:innen und Vorgesetzten sind wichtige Ressourcen, um emotionale Belastungen besser verkraften zu können. Teile deine Gedanken und Sorgen regelmäßig mit anderen. Das schafft Entlastung und ist keinesfalls egoistisch, sondern menschlich und sehr wohltuend. Du kannst dich revanchieren, indem du ebenfalls für Kolleg:innen da bist, wenn diese mal ein „offenes Ohr“ benötigen.
- Steht gerade niemand persönlich zur Verfügung, kannst du deine Gedanken auch einem Tagebuch anvertrauen. Das sogenannte Journaling ist ebenfalls eine sehr gute Möglichkeit, um belastende Gedankenschleifen und Grübeleien zu bremsen.
- Was macht dir Spaß? Was gibt dir Kraft? Pflege diese Hobbys! Denn schöne und kraftspendende Tätigkeiten bieten ebenfalls einen guten Ausgleich zu emotionalen Belastungen im Pflegealltag.
- Last but not least solltest du auch auf eine gute Schlafhygiene achten. Insbesondere bei Schichtdiensten sind Schlafbrille, Ohrstöpsel und ein ruhiges, kühles und abdunkelbares Schlafzimmer sehr wichtig.
Fazit
- Emotionale Belastungen sind in Pflegeberufen leider sehr häufig. Als Pflegefachkraft bist du zum einen überdurchschnittlich oft mit menschlichem Leid konfrontiert. Zum anderen musst du auch sogenannte Emotionsarbeit leisten.
- Ohne ausgleichende Gegenmaßnahmen droht eine chronische Überlastung, die zu emotionaler Erschöpfung, Burnout, Compassion Fatigue sowie weiteren psychischen und körperlichen Erkrankungen führen kann.
- Um das zu verhindern, sind gezielte präventive Maßnahmen erforderlich: Für die Rahmenbedingungen ist der Gesetzgeber verantwortlich. Als angestellte Pflegekraft steht dir ein gesunder Arbeitsplatz zu. Der Arbeitgeber ist entsprechend verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung der Belastungen am Arbeitsplatz durchzuführen. Werden Mängel festgestellt, ist es seine Pflicht, für entsprechende Verbesserungen der Arbeitsbedingungen zu sorgen.
- Aber auch du als Pflegekraft kannst sehr viel selbst zur Verbesserung deiner emotionalen und mentalen Stabilität beitragen, indem du aktive Selbstfürsorge betreibst. Gezielte Copingstrategien und regemäßig angewendete Entspannungstechniken können dir helfen deine Resilienzfähigkeit zu stärken, damit du mit emotionalem Stress im Pflegealltag besser umgehen kannst.
Häufige Fragen zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz
Wie macht sich psychische Belastung am Arbeitsplatz bemerkbar?
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz zeigen sich unter anderem durch Gereiztheit, Stress, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme, aber auch körperliche Beschwerden, wie Magen-Darmbeschwerden, Muskelverspannungen, hohe Infektanfälligkeit und Schlafstörungen. Im schlimmsten Fall drohen Krankheiten, wie Burnout, Compassion Fatigue, chronische Kopf- und Rückenschmerzen und Depressionen, die bis zur Arbeitsunfähigkeit führen können.
Welche Einflüsse zählen als psychische Belastung am Arbeitsplatz?
Psychische Belastungen am Arbeitsplatz können positiv, im Sinne von Herausforderungen, Ansporn, persönlicher Entwicklung und Schaffenskraft, sein. Im allgemeinen Sprachgebrauch versteht man darunter aber vor allem negative Einflüsse, wie Zeitdruck, zwischenmenschliche Konflikte, Umgang mit Leid, hohe Arbeitslast und Schichtdienst.
Welche Berufe haben die höchste psychische Belastung?
Laut dem Statistikportal „statista“ zählten im Jahr 2023 vor allem Berufe in der Aufsichts- und Führungskräfteebene in der Gesundheits- und Krankenpflege, dem Rettungsdienst sowie der Geburtshilfe zu den Berufen mit den meisten Fehltagen aufgrund von Burnout - dicht gefolgt von Berufen im Dialogmarketing sowie der Altenpflege.
Quellen
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Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (Broschüre) „Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben. Erkennen – Gestalten.“, 5. Auflage, Juli 2010, abgerufen am 08.10.2025 von https://www.baua.de/DE/Angebote/Publikationen/Praxis/A45.pdf?__blob=publicationFile
Psychisch gesund, „Psychische Belastung“, abgerufen am 08.10.2025 von https://psychischgesund.de/ratgeber-seite/psychische-belastung/
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statista, „Berufsgruppen mit den meisten Arbeitsunfähigkeitstagen aufgrund von Burn-out-Erkrankungen im Jahr 2023“, abgerufen am 08.10.2025 von https://de.statista.com/statistik/daten/studie/239672/umfrage/berufsgruppen-mit-den-meisten-fehltagen-durch-burn-out-erkrankungen/











