Einführung in das PESR-Schema in der Pflegeplanung

Veröffentlicht am 15.10.2025

Eine Pflegefachkraft steht neben einem Pflegebett mit einem darin liegenden Pflegebedürftigen.

Das PESR-Schema unterstützt die Pflegeplanung. Quelle: Canva.de

Die professionelle Pflegeplanung ist ein zentraler Bestandteil der modernen Pflege und bildet die Grundlage für eine strukturierte, individuelle und qualitätsgesicherte Betreuung von Pflegebedürftigen. Besonders das PESR-Schema hat sich als Standard in der Pflegedokumentation etabliert, da es komplexe Pflegesituationen übersichtlich darstellt und den Pflegeprozess transparent macht. So trägt das PESR-Schema maßgeblich dazu bei, die Kommunikation im Pflegeteam zu verbessern und die Versorgung auf die persönlichen Bedürfnisse auszurichten. In diesem Artikel erfährst du alle wichtigen Details zum Thema PESR-Schema und wie du dieses verwendest.

Aktuelle Jobs

Die Bedeutung von PESR: Probleme, Ressourcen, Ziele, Maßnahmen

Das PESR-Schema steht für Problem, Etiologie (Ursache), Symptome und Ressourcen und erweitert das bekannte PES-Schema um den ressourcenorientierten Blick.

  • Problem (P): Das zentrale pflegerische Problem oder Risiko
  • Etiologie (E): Die Ursache oder Einflussfaktoren des Problems
  • Symptome (S): Sichtbare und messbare Anzeichen des Problems
  • Ressourcen (R): Individuelle Fähigkeiten, Stärken und Hilfsmittel, die zur Problembewältigung eingesetzt werden können

Das Schema sorgt für eine ganzheitliche Bewertung der Situation und macht die Pflegeplanung nachvollziehbar und lösungsorientiert.

PESR-Schema: Tabelle zur Darstellung der Pflegeplanung

Die Anwendung des PESR-Schemas gelingt besonders übersichtlich in Tabellenform. So kann jede Komponente strukturiert erfasst werden.

Anna Liebig

Pflegia Karriereberaterin

Unsicher? Wir beraten dich kostenlos zu deinem nächsten Karriereschritt

Unsere Karriereberater finden passende Jobs für dich – und melden sich persönlich bei dir zurück.
  • 100 % kostenlos & unverbindlich
  • Persönliche Beratung statt Bewerbungsstress
  • Wir finden passende Jobs für dich
  • Schneller Rückruf
Pflegeproblem Ursache (Etiologie) Symptome Ressourcen Pflegeziele Maßnahmen
Eingeschränkte Mobilität Oberschenkelfraktur, Diabetes starke Schmerzen, Transferunsicherheit Motivation zur Mobilitätssteigerung, physiotherapeutische Übungen Mobilität steigern, Schmerzreduktion Gehhilfen bereitstellen, Bewegungsförderung, Schmerzmanagement

Beispiele für die Anwendung des PESR-Schemas in der Praxis

Ein praxisnahes Beispiel ist die Pflege eines Patienten mit eingeschränkter Mobilität nach einem Sturz:

  • Problem: Akute Bewegungs­einschränkung nach Oberschenkelfraktur
  • Etiologie: Fraktur durch Sturz, begünstigt durch Osteoporose
  • Symptome: Starke Schmerzen, Unsicherheit bei Transfers, Schonhaltung
  • Ressourcen: Motivation zur Rehabilitation, Unterstützung durch Angehörige, stabile Kreislauffunktion
  • Pflegeziel: Verbesserung der Mobilität und Schmerzreduktion
  • Maßnahmen: Regelmäßige Bewegungsübungen, professionelle Schmerztherapie, Gehhilfe bereitstellen

Ein weiteres Beispiel kann sich auf die Ernährung beziehen:

  • Problem: Mangelernährung
  • Etiologie: Appetitlosigkeit nach längerer Krankheit
  • Symptome: Gewichtsverlust, Müdigkeit, blasse Haut
  • Ressourcen: Angehörige kochen Lieblingsgerichte, Patient ist bereit, neue Speisen zu probieren
  • Pflegeziel: Gewicht stabilisieren und Kraft stärken
  • Maßnahmen: Essensangebot erweitern, regelmäßige Mahlzeiten etablieren, Ernährungsberatung

Für eine erfolgreiche Anwendung des PESR-Schemas ist es wichtig, die Pflegeprobleme klar und präzise zu formulieren und die Ursachen sowie Symptome sorgfältig zu analysieren. Ebenso solltest du die Ressourcen der Pflegeperson erfassen und aktiv nutzen.

Gut zu Wissen!
Die Pflegeziele sollten nach den SMART-Kriterien (siehe FAQ) formuliert sein, damit sie messbar und erreichbar sind. Letztlich helfen konkrete und realistische Pflegemaßnahmen, die Qualität der Pflege zu sichern.

Vorteile des PESR-Schemas in der Pflegeplanung

Das PESR-Schema bringt viele Vorteile in der Pflegeplanung mit sich. Es sorgt für Klarheit durch Strukturierung, legt den Fokus nicht nur auf Probleme, sondern bezieht auch die Ressourcen der Pflegebedürftigen ein. Zudem verbessert es die Kommunikation im Pflegeteam und unterstützt bei der zielgerichteten Planung sowie Evaluation der Pflegemaßnahmen. Dadurch wird das Pflegeverständnis ganzheitlicher und die Pflegepraxis effektiver: 

  • Klarheit und Übersicht: Alle relevanten Aspekte werden systematisch erfasst
  • Interdisziplinäre Verständlichkeit: Das Schema spricht eine einheitliche professionelle Sprache
  • Rechts- und Qualitätssicherheit: Die Dokumentation ist nachvollziehbar und erfüllt gesetzliche Vorgaben
  • Einbeziehung von Ressourcen:  Die Stärken und Unterstützungen der Betroffenen werden genutzt
  • Individuelle Zielsetzung: Pflegepläne können realistisch und persönlich zugeschnitten werden
  • Effizienz: Die Planung wird erleichtert, das Pflegeteam kann schneller und klarer agieren

Die Rolle der Ressourcen im PESR-Schema: Aktivieren statt Definieren

Im PESR-Schema spielt die Komponente der Ressourcen eine entscheidende Rolle. Während die ersten drei Elemente – Problem, Etiologie und Symptome – den Fokus auf Defizite und Schwierigkeiten legen, dreht sich bei Ressourcen alles um die vorhandenen Stärken der pflegebedürftigen Person.
Diese Ressourcen können körperliche Fähigkeiten, kognitive Kompetenzen, soziale Unterstützung durch Angehörige oder Hilfsmittel sein. Die bewusste Aktivierung dieser Ressourcen fördert die Selbstständigkeit und Lebensqualität und ist Grundlage eines ressourcenorientierten Pflegeansatzes.

Indem du als Pflegekraft Ressourcen systematisch erfasst und gezielt nutzt, wird die Pflegeplanung nicht nur individueller, sondern auch motivierender für Patienten und Pflegepersonal. Das PESR-Schema unterstützt dabei den Perspektivwechsel, der Pflege als ganzheitlichen Prozess versteht und die Fähigkeiten der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt. 

Digitalisierung und das PESR-Schema: Effiziente Umsetzung in der Praxis

Mit fortschreitender Digitalisierung in der Pflege gewinnen strukturierte Pflegeplanungsschemata wie das PESR-Schema an Bedeutung. Digitale Pflegesoftware ermöglicht eine einfache und sinnvolle Erfassung der Pflegeprobleme nach PESR und kann Pflegekräfte bei der Dokumentation, Evaluation und Aktualisierung unterstützen.

Durch vorgefertigte Tabellen, Algorithmen für Plausibilitätsprüfungen und standardisierte Formulierungshilfen wird die Qualität der Pflegeplanung gesichert und zeitliche Ressourcen werden geschont. Zudem wird die Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team erleichtert, da alle Beteiligten auf eine einheitliche und transparente Dokumentation zugreifen können. Die Anbindung an elektronische Patientendossiers (ePA) fördert zudem den Datenaustausch und erhöht die Sicherheit der Pflegeprozesse.

Fazit: PESR- Schlüssel zu einer modernen Pflegeplanung

Das PESR-Schema erleichtert die Pflegeplanung mit klaren Strukturen und einer einheitlichen Sprache. Die Berücksichtigung von Problemen, Ursachen, Symptomen und Ressourcen ermöglicht eine gezielte und individuelle Versorgung sowie eine bessere Zusammenarbeit im Pflegeteam. So wird professionelle, bedürfnisorientierte Pflege effizient und nachvollziehbar dokumentiert.

Häufige Fragen rund um das PESR-Schema

Was bedeutet PESR in der Pflegeplanung?

Das PESR-Schema ist ein strukturiertes Modell zur Formulierung von Pflegeproblemen im Rahmen der Pflegeplanung. Es steht für Problem, Etiologie (Ursache), Symptome und Ressourcen. Ziel ist es, Pflegesituationen umfänglich zu erfassen und gezielte Maßnahmen abzuleiten.

Was ist das PESR-Schema in der Pflegeplanung?

Das PESR-Schema ist eine Erweiterung des klassischen PES-Modells. Es hilft, pflegerische Situationen, Ursachen, Symptome und individuelle Stärken systematisch darzustellen und eine bedürfnisorientierte Pflegeplanung zu erstellen.

Was sind die SMART-Kriterien für die Pflegeplanung?

SMART steht für:

  • Spezifisch: Das Ziel ist klar definiert
  • Messbar: Erfolg ist eindeutig messbar
  • Attraktiv/Anspruchsvoll: Das Ziel motiviert
  • Realistisch: Das Ziel ist erreichbar
  • Terminiert: Das Ziel ist zeitlich festgelegt

Diese Kriterien unterstützen die Zielformulierung in der Pflegeplanung, sodass Fortschritte sichtbar sind.

Wie kann man eine gute Pflegeplanung schreiben?

Eine gute Pflegeplanung erfordert:

  • Gründliche Informationssammlung
  • Strukturierte Formulierung nach PESR
  • Berücksichtigung von Ressourcen und individuellen Bedürfnissen
  • Klare, nach SMART formulierte Ziele
  • Dokumentation nachvollziehbarer und überprüfbarer Maßnahmen

Welche Formulierungshilfen gibt es für die Pflegeplanung?

Typische Formulierungshilfen sind Musterformulierungen (“wegen ... zeigen sich ... deshalb ...”) und spezifische Wörter für Symptome und Ressourcen (“zeigt Motivation”, “benötigt Unterstützung bei …”, “nutzt Gehhilfe selbstständig”). Tabellen und Vorlagen erleichtern die Dokumentation und sorgen für Einheitlichkeit.

Das PESR-Schema macht die Pflegeplanung strukturiert sowie nachvollziehbar, lässt sich in Tabellen optimal darstellen. Es fördert die individuelle und lösungsorientierte Pflege sowie die Qualitätssicherung und Teamkommunikation.

Medizinische und rechtliche Hinweise:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinesfalls eine professionelle medizinische Beratung. Die enthaltenen Informationen sind nicht dafür geeignet, eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen zu beginnen bzw. abzubrechen. Bei gesundheitlichen Anliegen und zur Klärung individueller Fragen sollte stets ein qualifizierter Arzt oder eine qualifizierte Ärztin konsultiert werden. Im Falle gesundheitlicher Probleme ist es wichtig, rechtzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen

1. Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) - Handlungsempfehlungen zur Pflegeplanung
Link: https://www.pmg-nrw.de/schulungen-und-seminare/mds-handlungsempfehlungen/
Hier gibt es Empfehlungen zur Professionalisierung und Qualitätssicherung der Pflegeplanung inklusive PESR-Schema.

2. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) - Handbuch Pflegedokumentation stationär (PDF)
abgerufen am 13.09.25: https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/79108/391791ec4d2bee12f694780cc595f845/handbuch-pflegedokumentation-data.pdf
Dieses Handbuch liefert umfassende Vorschläge und Standards zur Pflegedokumentation und Pflegeplanung.

3. PQSG - Pflegeplanung auf Basis der MDS-Handlungsempfehlung
Link abgerufen am 14.09.25: https://pqsg.de/seiten/openpqsg/mobil/hintergrund-pflegeplanung3.htm
Offizielle Informationen zur Umsetzung des PESR-Schemas in der Pflegeplanung nach den MDS-Vorgaben.

Stellenangebote

Mehr zum Thema